Umschau-Quicktipp | 30.08.2018 Neue Regeln für die Bewerbung: So klappt es mit dem Job!

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Eine Mappe mit Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnissen an ein Unternehmen schicken und dann auf die Einladung zum Jobinterview warten: Dieser klassische Weg wird immer seltener genutzt. Bei vielen Stellenangeboten setzen die Firmen auf einfachere Bewerbungswege über Onlineplattformen, soziale Netzwerke oder Apps. Einige Unternehmen wie die Deutsche Bahn, Henkel oder Otto verzichten inzwischen sogar auf das klassische Anschreiben, in dem Bewerber ihre Motivation für den Job darstellen können. Wir geben Tipps, damit es mit dem Job klappt!

„Kein Anschreiben nötig!“

Einige Unternehmen verzichten auf das klassische Bewerbungsschreiben mit dem Argument, so das Auswahlverfahren beschleunigen zu wollen. Anderen Arbeitgebern ist das Schreiben aber immer noch wichtig. Für sie funktioniert das Anschreiben im Idealfall als eine Art Filter: Kann der Bewerber deutlich machen, welche Stärken er hat und warum er genau das Stellenangebot interessant findet? Kann er die Mitarbeiter aus der Personalabteilung mit glaubwürdigen und passenden Argumenten von sich überzeugen? „Das ist dann zusammen mit dem Lebenslauf auch oft gleich eine erste Arbeitsprobe. Da muss ich ja auch schon für das Unternehmen eine Aufgabe erledigen – eine passende Bewerbung schreiben“, sagt Sandro Freudenberg, Bewerbungscoach und Führungskräftetrainer aus Dresden.

Im Zweifel nachfragen

Er rät, in den Stellenbeschreibungen genau nachzulesen, ob wirklich ein Anschreiben gewünscht ist. Bewerber könnten natürlich auch persönlich nachfragen. „Für den Anruf kann ich mir dann auch gleich noch andere Fragen mit raussuchen, die für mich aus der Stellenbeschreibung nicht hervorgehen“, sagt der Bewerbungstrainer. Aus seiner Sicht schadet ein gut gemachtes Anschreiben auch dann nicht, wenn ein Unternehmen keins mehr anfordert. Alternativ könnten Bewerber auch im Lebenslauf eine Art Kurzprofil von sich einfügen und darin die eigenen Stärken kennzeichnen. „Das können dann weiche Faktoren sein wie Teamfähigkeit oder dass man andere führen kann“, sagt Sandro Freudenberg.

Auch Zeit für Lebenslauf investieren

Auf einem Tisch liegen Unterlagen für eine Bewerbung. Darauf steht eine Kaffeetasse.
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Das Anschreiben oder Bewerbungsschreiben funktioniert laut unserem Experten als Blick in die berufliche Zukunft, der Lebenslauf sei eher der Blick in die Vergangenheit. „Aber auch für den sollte ich die Stellenbeschreibung genau lesen und dann im Lebenslauf deutlich machen, dass der Job zu einem passt“, sagt Sandro Freudenberg. Das sei natürlich von der Lebenssituation abhängig. „Als Schüler muss ich dann vielleicht meine Motivation für die Ausbildung darstellen – hab ich passende Schulprojekte oder Praktika gemacht?“, sagt der Bewerbungscoach. Wer sich als Hochschulabsolvent auf eine Stelle bewerbe, könne wiederum passende Projekte, Werkstudentenpraktika oder auch Aufgaben neben der Ausbildung im Lebenslauf aufführen. „Da kann auch eine Nebentätigkeit mit rein, selbst Kellnern. Denn die zeigt: Man hat sich ein Ziel gesetzt und wollte das erreichen“, sagt Sandro Freudenberg. Wer später im Berufsleben eine neue Arbeit sucht, sollte im Lebenslauf auf konkrete Erfahrungen mit ähnlichen Aufgaben hinweisen und dafür nicht so relevante Stationen im Zweifel eher kleiner aufführen. „Viele machen den Fehler, dass sie erst im Bewerbungsgespräch erzählen wollen, wer sie sind und was sie können. Das muss aber schon in die Bewerbung rein, also in Anschreiben und Lebenslauf“, sagt unser Experte.

Unterlagen fertig machen und hochladen

Viele Unternehmen wollen potentiellen Mitarbeitern die Bewerbung leichter machen als bisher und bieten dafür Alternativen zur klassischen Mappe über die Post. Allerdings gibt es dafür bisher noch keinen einheitlichen Weg. „Das liegt sicher auch an der Vielzahl der Anbieter auf dem Markt und an den unterschiedlichen Strukturen der Unternehmen selbst“, sagt Wolfgang Tomek von der Firma d.vinci, die Arbeitgeber und Jobsuchende berät. Bei einigen Firmen können Bewerber auf Jobangebote gleich auf mobilen Unternehmens-Webseiten antworten und die nötigen Unterlagen hochladen. „Die kann man für solche Fälle zum Beispiel in einem Onlinespeicher vorhalten – am besten im pdf-Format, weil man da das Thema Viren weitestgehend eliminieren kann“, sagt Wolfgang Tomek. Andere Firmen setzen auf Job-Portale wie Stepstone oder Monster. Die Firmen schalten dort Stellenanzeigen, von denen Nutzer auf die Karriereseiten der Unternehmen weitergeleitet werden. „Als weitere Möglichkeit bieten die Jobportale auch ein eigenes Bewerbermanagement an. Dort trägt man sich ein und dann leitet das Portal alles weiter an die Unternehmen“, sagt Wolfgang Tomek. Dafür müssen Kontaktdaten – Name und E-Mail-Adresse – angegeben und parallel Lebenslauf und Anschreiben hochladen werden. Das geht von der Festplatte oder von einem sicheren Onlinespeicher aus.

Bewerben über soziale Netzwerke

Mann sitzt vor Laptop
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Auch über beruflicheNetzwerke wie XING oder LinkedIn sind Bewerbungen möglich, wenn man sich dafür ein Profil eingerichtet hat. Unternehmen können in den Netzwerken Stellenanzeigen schalten, auf die sich Nutzer der Netzwerke mit wenigen Klicks bewerben können. Jobsuchende können sich zudem über kostenlose Apps über passende Stellen hinweisen lassen. Bei XING lassen sich Bewerbung und Lebenslauf mit einem Mausklick aus den hinterlegten Daten generieren und gegebenenfalls anpassen. Zudem suchen Unternehmen in den Netzwerken aktiv nach passenden Bewerbern und scannen dafür die Profile der Nutzer.

Der Vorfilter bleibt

Smartphone, Tablet und Laptop machen vor allem einen schnelleren Kontakt zwischen Jobsuchenden und Arbeitgebern möglich. Der Verzicht auf das Anschreiben macht das Ganze für den Personalchef etwas weniger arbeitsintensiv. Die einfacher gestaltete Bewerbung bleibt aber bildlich gesprochen trotzdem nur das erste Handheben für einen bestimmten Job. Der potentielle Arbeitgeber werde trotzdem immer noch eine Art Vorfilter nutzen, um nicht alle Kandidaten interviewen zu müssen, sagt Coach Freudenberg: „Im Trend liegen da Anrufe oder Videointerviews: Da will man dann hören, welche Motivation der Kandidat hat und welche Stärken und Schwächen“. Passt alles, folgt das klassische Vorstellungsgespräch, in dem sich der Arbeitgeber einen persönlichen Eindruck von den Bewerbern machen kann. Die müssen sich laut Wolfgang Tomek auch keine Sorgen machen, bei einer Online-Bewerbung via Software gescannt und eventuell schnell aussortiert zu werden. „Das ist ein Mythos, der kursiert. In den Fällen, die ich kenne, entscheidet immer noch ein Mensch darüber, wer eingeladen wird.“

Das hat sich in den letzten Jahren beim Bewerben geändert

Aus Sicht von Sandro Freudenberg besetzen zunehmend mehr Firmen offene Stellen über Empfehlungen, etwa von den eigenen Mitarbeitern, andere Personalchefs oder auch über berufliche Netzwerke. „Diese Netzwerke sollten Bewerber daher wenn möglich aufbauen und dann auch pflegen. Dazu gehört auch, zu Messen zu fahren, an Weiterbildungen teilzunehmen“, sagt unser Experte. Dort treffe man eben auch die Mitarbeiter anderer Firmen und komme ins Gespräch. „Und ich sollte möglichst auch in sozialen Netzwerken aktiv sein – wie XING und andere. Wenn ich dort kein Profil habe, finden mich die Unternehmen auch nicht“, sagt Sandro Freudenberg. Gleichzeitig seien aber durch Fachkräftemangel in vielen Branchen die Chancen für Bewerber spürbar gestiegen, überhaupt erstmal zu einem Jobinterview eingeladen zu werden.

Diese Regeln gelten noch

Auch fürs Bewerben ohne Anschreiben und über Smartphone oder Internet gelten die Regeln, die Ratgeber immer wieder auflisten.

Seriös bleiben

Auch wenn das Smartphone oder soziale Netzwerke genutzt werden, sollte im Anschreiben der Tonfall nicht zu locker und umgangssprachlich sein. Der Standard lautet immer noch: „Sehr geehrte Damen und Herren“. Hat der Bewerber einen konkreten Ansprechpartner, richtet er die E-Mail direkt an ihn. Hier hilft oft eine kurze Recherche auf der Internetseite des Unternehmens im Bereich „Karriere“ oder „Personal“. Bei der Verabschiedung sollte auch auf Abkürzungen wie „HG“ oder Floskeln wie „Liebe Grüße“ verzichtet werden. Sind Bilder gewünscht, sollten die ebenfalls seriös sein. „Partybilder gehen da überhaupt nicht“, sagt Sandro Freudenberg. Er rät zudem, alles in der Bewerbung noch einmal sehr genau auf Fehler zu kontrollieren: „Ich hatte in den letzten Jahren nur eine Bewerbung in der Hand, die keinen Fehler enthielt. Als Bewerbungstrainer schaue ich aber auch etwas genauer hin als viele Personaler.“

Übersichtlich gestalten

Übersichtlichkeit ist das höchste Gebot. „Die wichtigsten Informationen zum Werdegang und zur beruflichen Absicht müssen klar erkennbar und schnell auffindbar sein“, sagt Sandro Freudenberg.  Bei Bewerbungen über Internet oder Smartphone sollte sich im Anhang nach Möglichkeit nur eine PDF-Datei befinden, die die komplette Bewerbung beinhaltet. Alles andere ist zu unübersichtlich. Die Personalabteilung müsste alle Anhänge einzeln durchklicken.

Kurz halten

Hier verhält es sich online und bei schriftlichen Bewerbung ähnlich: Das Anschreiben sollte nicht länger als eine Seite sein. Vor allem am Bildschirm liest kaum jemand gern seitenlange Berichte. Wer sich über ein Online-Formular bewirbt, sollte den Text in einem Textverarbeitungsprogramm vorschreiben und erst dann ins Formular kopieren. So erhält er Hinweise über die Länge seines Anschreibens. Ansonsten gilt auch hier: Knapp und dennoch präzise schreiben. Trotz der gewünschten Kürze sollte die Bewerbung alle wichtigen Informationen enthalten. „Was in der Stellenbeschreibung definiert und abgefragt wird, sollte auch in der Bewerbung sein. Fehlt eine Information, ruft das Unternehmen vielleicht noch an. Bei zu vielen Fragezeichen wird der Bewerber wohl eher aussortiert“, sagt Sandro Freudenberg.  Zu den wichtigen Informationen gehöre auch eine klare Angabe, wann der Bewerber am neuen Arbeitsplatz anfangen könnte und – wenn gefordert – welches Gehalt er sich möglicherweise vorstellt.

Erreichbar und verlässlich sein

Wer sich übers Smartphone oder den Laptop schnell bewirbt, sollte auf Rückfragen ebenso zügig reagieren. Zudem sollten regelmäßig die in der Bewerbung angegebenen E-Mail-Postfächer kontrolliert werden.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 30. August 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. August 2018, 00:10 Uhr