Umschau-Quicktipp | 12.06.2018 Schäden in der Waschanlage: Wie komme ich als Autobesitzer zu meinem Recht?

Schäden in der Waschanlage
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Spiegel abgerissen, Kratzer im Lack und am Stoßfänger, Antenne abgeknickt: Immer wieder kann es vorkommen, dass Autos nicht so glänzend und unversehrt wie erhofft aus der Waschanlage kommen.

MDR FERNSEHEN Mo 11.06.2018 07:57Uhr 01:29 min

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Spiegel abgerissen, Kratzer im Lack und am Stoßfänger, Antenne abgeknickt: Immer wieder kann es vorkommen, dass Autos nicht so glänzend und unversehrt wie erhofft aus der Waschanlage kommen. In solchen Fällen versuchen die Betreiber oft, die Verantwortung von sich zu schieben. Sie haben zwar eine Haftpflichtversicherung für Schäden an Autos. Die darin enthaltene Selbstbeteiligung ist aber vergleichsweise hoch. So landen solche Fälle nicht selten vor Gericht. Folgende Hinweise können Autofahrern helfen, doch zu ihrem Recht zu kommen.

„Das war doch vorher schon zerkratzt!“

An Mann betrachtet einen Kratzer am Auto
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In der Theorie ist die Verantwortung bei Schäden in der Waschanlage klar geregelt: Der Inhaber hat aufgrund des Werksvertrags dafür zu sorgen, dass die Fahrzeuge beim Reinigen nicht beschädigt werden. In der Praxis müssen Autobesitzer aber oft gleich mehrere Hürden nehmen, um ihren Schaden ersetzt zu bekommen. Sie müssen zuerst beweisen, dass ihr Fahrzeug vor der Waschstraße intakt war. Das klappt häufig aber nicht einmal dann, wenn vorher Fotos vom Auto gemacht werden. „Das würde ich selbst auch nicht machen. Hinzu kommt: Viele der Schäden in Waschstraßen, die sind auf dem Foto auch nicht so einfach darstellbar“, sagt Jan Vorwerg, Fachanwalt für Verkehrsrecht aus Leipzig. Lackschäden oder kleine Kratzer seien auf einem Foto meist nur schlecht zu erkennen. Damit fällt der Nachweis schwer, dass ein Auto vor dem Waschen komplett intakt war. „Wir raten: Untersuchen Sie Ihr Fahrzeug vor und nach der Wäsche möglichst mit einem Zeugen auf Schäden“, sagt Johannes Boos vom ADAC. Das ist allerdings aufwendig.

„Alles richtig gewartet“

Blick aus einem Auto, das durch eine Waschstraße gezogen wird und sich einem Beschäumer nähert, auf dem "Bitte nicht bremsen!" steht.
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Autobesitzer bekommen aber selbst dann nicht automatisch zu ihrem Recht, wenn ihr Fahrzeug vor dem Waschen nachweislich intakt war. „Ich bekomme Schadenersatz immer nur dann, wenn ich auch ein Verschulden des Schädigers hab“, sagt Jurist Vorwerg. Das heißt vereinfacht: Der Waschanlagenbesitzer muss irgendeine seiner Pflichten verletzt haben. „Der Betreiber müsste beispielsweise nachweisen, dass er die Waschanlage regelmäßig wartet und sie in der Vergangenheit schadenfrei geblieben ist“, sagt unser Experte. Zudem muss der Betreiber die Nutzer der Anlage vorher darauf hinweisen, welche Teile am Fahrzeug eingeklappt oder sogar abgeschraubt werden sollten. „Es gibt ja dieses Schild direkt vor der Waschanlage mit Bedienungshinweisen. Das sollte man schon lesen“, sagt Jan Vorwerg. Zu den Pflichten des Betreibers gehöre zudem, die Anlage richtig einzustellen. „Ich hatte mal einen Fall, da ging es um einen Bus. Der durfte auch in die Waschanlage rein und der Mandant hatte nichts falsch gemacht“, sagt Jan Vorwerg. Allerdings sei die Waschanlage falsch eingestellt gewesen, so dass an dem Fahrzeug Kratzer entstanden.

Alles richtig gemacht

Hat der Waschanlagenbetreiber alle seine Pflichten erfüllt, bleiben Autofahrer oft auf ihrem Schaden sitzen. So entschied etwa das Oberlandesgericht Frankfurt am Main, dass ein Autofahrer für eine kaputte Windschutzscheibe selbst zahlen musste. Der Gebläsebalken der Anlage war gegen die Scheibe geknallt. Wie sich später zeigte, war ein Sensor defekt. Dafür konnte der Betreiber aus Sicht der Richter nichts. Abgewiesen wurden auch die Schadenersatzansprüche einer Autofahrerin, in deren Audi sich die Borsten einer Waschstraße verfangen und 1.000 Euro Schaden angerichtet hatten. Aus Sicht des Landgerichtes München konnte der Betreiber nicht wissen, dass sich die Borsten im Auto der Klägerin verhaken könnten. Leer ging auch ein Autobesitzer aus, an dessen Fahrzeug der Heckspoiler beschädigt wurde. Der hätte abgeschraubt werden müssen, urteilte ein Gutachter. „Waschanlagen sind auf genormte Fahrzeuge ausgerichtet, getunte Modelle sind daher besonders anfällig für Schäden. Fahrer von entsprechenden Autos sollten die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Waschanlagen-Betreibers beachten und vor dem Waschgang Rat einholen, ob das Fahrzeug für die Waschanlage geeignet ist“, sagt Johannes Boos vom ADAC.

Es kommt auf den Einzelfall an

Auch wenn der Nachweis im Ernstfall schwierig ist und Waschanlagenbetreiber mauern, sollten sich Autobesitzer nicht entmutigen lassen. „Da kann man nicht von vergeblichen Chancen reden, es kommt immer extrem auf den Einzelfall an“, weiß Jan Vorwerg aus seiner Arbeit als Verkehrsrechtsanwalt. Autofahrer sollten aber möglichst alles tun, um ihre Chancen auf Schadenersatz zu wahren. Dazu gehört, das Fahrzeug nach der Wäsche sofort auf mögliche Schäden zu prüfen und Mitarbeiter der Waschanlage zu informieren. Ein Schadensprotokoll kann den Sachverhalt dokumentieren. Wer den Schaden erst später anzeigt, kann den Zusammenhang zwischen Waschen und Kratzer meist nicht mehr zweifelsfrei belegen. Fotos und Zeugen sind wichtig, um die Argumentation des Halters zu stützen.

So beugen Sie Schäden vor

  • Bedienungsanleitung des Fahrzeugs auf Besonderheiten bei der Benutzung von Autowaschanlagen prüfen
  • Regensensor vor der Autowäsche abstellen, Scheibenwischer in Ruhestellung belassen
  • Türen, Fenster und Schiebedach vollständig schließen, da schon eine kleine Öffnung Wasserschäden nach sich ziehen kann
  • Nach dem Tanken den Verschluss des Tankdeckels prüfen
  • Bei elektrisch ausfahrbaren Antennen Radio vor der Wäsche abschalten
  • Für die Autowäsche bei einem Cabrio spezielle Angebote aufsuchen, die für das Stoffdach Spezialbürsten verwenden
  • Bremswirkung nach der Wäsche testen, da Reinigungsmittel und Feuchtigkeit kurzzeitig die Bremsen schwächen können
  • Waschanlage im Vorfeld genau anschauen. Ist schon die Anlage ungepflegt, wird sie kaum gut reinigen und pflegen.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 12. Juni 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Juni 2018, 00:10 Uhr