Umschau-Quicktipp | 29.01.2018 Was bringt die Schröpftherapie?

Schon vor mehr als 5.000 Jahren sollen Ärzte im alten Mesopotamien ihre Patienten geschröpft haben. Das macht die Anwendung zu einer der ältesten Heilmethoden überhaupt. Seit geraumer Zeit ist Schröpfen auch bei uns eine zugelassene Heilmethode. Was steckt hinter der Schröpftherapie? Und kann sie uns im Zeitalter der modernen Medizin auch noch helfen?

Es fing ganz einfach an

Die Grundlagen des Schröpfens beherrscht jeder Mensch praktisch von Geburt an. Schon die Urvölker saugten verschmutzte oder eitrige Verletzungen, Stachel von Insekten oder Bisse von giftigen Tieren mit dem Mund aus. Instinktiv machen wir das heute noch und versuchen, Stoffe zu entfernen, die dort, wo sie gerade sind, nicht hingehören. Damit soll das Gleichgewicht der Stoffe im Körper wieder hergestellt werden. Genau das ist auch der Grundgedanke beim medizinischen Schröpfen. „Bis Anfang des 20.Jahrhunderts war Schröpfen in Arztpraxen und Krankenhäusern fast alltägliche Praxis. Es ist nur dann in Vergessenheit geraten und wird jetzt erst wiederentdeckt“, sagt Fachärztin und Naturheilmedizinerin Dr. Anke Görgner aus Leipzig.

Was passiert beim Schröpfen?

In kugelförmigen Gefäßen mit Öffnungen von drei bis sechs Zentimetern wird ein Unterdruck erzeugt. Setzt man den sogenannten Schröpfkopf nun auf eine bestimmte Stelle des Körpers, wird die Haut durch diesen Unterdruck angehoben. Kleinste innere Reize oder Verletzungen setzen jetzt einen Abwehrmechanismus des Körpers in Gang.

Angesetzte Schroepfkoepfe auf dem Rücken eines Patienten.
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„Schröpfen ist eine Art Reizreaktionstherapie. Man setzt am Schröpfpunkt einen Reiz und der Körper reagiert“, so unsere Expertin. Der Körper reagiert mit einer verstärkten Durchblutung und besseren Versorgung der Schröpfstellen mit Nährstoffen. Selbstheilungskräfte werden aktiviert, der Blut- und Lymphfluss wird angeregt. So können Stauungen von Körpersäften und Abfallprodukten gelöst werden, Muskelverkrampfungen entspannen sich. Wurde der Unterdruck in den Schröpfgefäßen früher oft durch große Hitze und rasche Abkühlung erzeugt, kommen heutzutage auch immer mehr Vakuumpumpen zum Einsatz. Neben den klassischen Schröpfgläsern gibt es auch Schröpfmatten aus Silikon. Mit ihnen können große Hautflächen behandelt werden.

Der Nutzen

Durch das In-Gang-Setzen des Transportes von Nährstoffen und Abtransportes von Abbauprodukten sollen sich viele Symptome und Krankheiten behandeln lassen. Die Selbstheilung des Körpers wird reguliert. Das spart die Einnahme von Schmerzmitteln, Beta-Blockern, Blutdrucksenkern und einigen anderen Medikamenten mit all ihren Nebenwirkungen.  

Es gibt drei Schröpfarten

Geschröpft wird vorwiegend auf dem Rücken, prinzipiell sind aber auch Arme, Beine oder die Rumpfseiten geeignete Stellen. An empfindlichen Körperteilen wird  in der Regel nicht geschröpft. Während der Grundgedanke bei allen Behandlungsarten gleich ist, unterscheiden sie sich die Schröpfarten in Ausführung und Ziel doch erheblich:

Schröpfmassage

Sie soll in erster Linie Verspannungen in den Muskeln lösen und das Bindegewebe lockern. Nachdem Arzt, Heilpraktiker oder Therapeut die entsprechenden Muskelverhärtungen aufgespürt haben, wird die Haut eingeölt oder eingecremt. Dann wird im Schröpfkopf ein Unterdruck erzeugt, er wird auf die Haut aufgesetzt und über die Haut bewegt. So können Verspannungen und Verkrampfungen gelöst und der Stoffwechsel angeregt werden.

Trockenes/ unblutiges Schröpfen

Dabei werden oft mehrere Schröpfköpfe aufgesetzt und sorgen durch den Unterdruck etwa zehn bis zwanzig Minuten lang für eine Aktivierung der Durchblutung. Zusätzlich wird der Stoffwechsel angeregt und Hautrezeptoren werden stimuliert. Die sind über Reflexwege mit inneren Organen verbunden. So können Symptome wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Rheuma und viele andere durch die Behandlung am Rücken positiv beeinflusst werden. Vor allem bei chronischen Beschwerden ist trockenes Schröpfen hilfreich.

Blutiges/ nasses Schröpfen

Vorbereitend dafür wird oft eine kurze Schröpfmassage durchgeführt. Damit werden für Arzt oder Heilpraktiker die Stellen auf der Haut sichtbar, deren Versorgung gestört ist. An diesen Stellen wird die Haut dann mit einem winzigen Messer mehrfach eingeritzt. Dann wird der Schröpfkopf gesetzt. Durch den Unterdruck werden aus der Haut und den darunterliegenden Muskeln und Gewebsschichten Blut, Lymphflüssigkeit und Stoffwechselprodukte gezogen. Auch hier können über Reflexzonen gezielt innere Organe beeinflusst werden. Unter anderem können damit Organprobleme, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und sogar Bluthochdruck behandelt werden.

Für wen ist Schröpfen geeignet, für wen nicht?

Theoretisch kann jeder gesunde, erwachsene Mensch geschröpft werden. „Wir haben eine sanfte Schröpfmassage auch schon bei ein- bis zweijährigen Kindern durchgeführt. Das kann zur Stärkung der Abwehrkräfte durchaus förderlich sein“, sagt Dr. Anke Görgner. Bei bestimmten Erkrankungen schränkt die Expertin aber ein: „Für Menschen mit aktueller Krebserkrankung, sehr alte und gebrechliche Menschen und für Patienten mit einem Infekt oder einem schweren Hautausschlag ist Schröpfen nicht geeignet.“ Der Hintergrund: Durch Schröpfen werden Flüssigkeiten aus den Zellen im Körper verteilt. Keime, Pilze und Krebszellen könnten so ebenfalls im Körper ausgebreitet werden.  

Selbst Schröpfen

Im Prinzip können Sie sich im Internet oder Sanitätshaus ein Schröpfset kaufen und sich zu Hause selbst schröpfen. Das gilt aber nur für die sanfte Schröpfmassage und auch nur dann, wenn Sie die Anwendung beherrschen. „Ich rate dringend dazu, sich das mal bei einem Experten anzuschauen und zu lernen. Auch bei der Schöpfmassage können Sie die falschen Punkte erwischen oder der Patient reagiert unerwartet und es kommt zu Übelkeit oder im schlimmsten Fall zu einem Schröpfkrampf“, warnt Dr. Anke Görgner.

Therapeutin platziert erhitzte Schröpfglocken auf dem Rücken einer älteren Patientin.
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Das trockene Schröpfen sollten Sie nur Arzt, Heilpraktiker und Physiotherapeut überlassen. Das blutige Schröpfen dürfen in Deutschland nur Ärzte und  dafür ausgebildete Heilpraktiker durchführen. Hier sind medizinische Kenntnisse und Hygiene äußerst wichtig. Damit sollten Sie niemals zuhause experimentieren.

Wirksamkeit und  Kosten

Es gibt wissenschaftliche Studien, die für die Wirksamkeit des Schröpfens sprechen. Trotzdem ist es in Deutschland kein wissenschaftlich-medizinisch anerkanntes Heilverfahren. Deshalb bekommen Sie die Kosten dafür nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Bei Heilpraktikern und Ärzten kostet eine Behandlung zwischen 30 Euro und 60 Euro, die Sie aus der eigenen Tasche bezahlen müssen.

Fazit

Die Schröpftherapie soll gegen eine Vielzahl von Leiden helfen. Richtig angewendet, wird sie im Allgemeinen gut vertragen und erspart dem Patienten im besten Fall die Einnahmen und Nebenwirkungen vieler Medikamente.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 29. Januar 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Januar 2018, 08:31 Uhr