Umschau-Quicktipp | 05.11.2018 Smartwatches: Hot oder Schrott?

Was die Smartwatch alles kann

Ursprünglich ist die Smartwatch als kleine Schwester des Smartphones gedacht. Mit ihr müssen Sie also nicht immer das Handy aus der Tasche holen, wenn Sie seine Funktionen nutzen wollen. "Die Smartwatch ist tatsächlich so etwas wie die Verlängerung Ihre Smartphones. Alle Mails, Infos und andere Nachrichten, die Sie dort bekommen, können auf der Uhr gespiegelt werden", erklärt Julia Struck, Fachredakteurin bei "Computerbild". So verpassen Sie keine Infos und Nachrichten mehr und können per Sprachsteuerung auch mit den entsprechenden Apps auch auf die Nachrichten antworten. Dazu ist die Uhr per Bluetooth mit dem Smartphone verbunden.

Zusätzlich kann die Watch aber auch die Funktionen eines Fitnessarmbandes übernehmen, also Schritte zählen, den Puls messen oder verbrauchte Kalorien berechnen. Neuere Modelle arbeiten sogar wie ein kleines EKG, denn sie messen die Funktion ihres Herzens und geben Alarm geben, sollten Sie beim Sport mal stürzen. Auch Musik abspielen und fotografieren ist mit neuen Modellen kein Problem.

Noch autonomer ist eine Smartwatch mit eigener SIM-Karte, denn die lässt sich auch unabhängig vom Smartphone nutzen. Äußerlich unterscheiden sich die Uhren stark in Design und Form. Die Auswahl reicht von der Uhr im Digital-Look über Modelle mit wechselnden Oberflächendesigns bis hin zur klassischen Uhr mit Zeiger und Zifferblatt.

Die passende Smartwatch

Welche Smartwatch zu Ihnen passt, kommt eben ganz auf Ihre Bedürfnisse an. Aktuelle Modelle mit umfangreichen Funktionen kosten ab 400 Euro. Aber es geht auch preiswerter, erklärt Julia Struck: "Sie müssen nicht immer das teuerste Modell kaufen. Allerdings gilt, wer weniger bezahlt, bekommt auch weniger an Leistung. Wollen Sie Ihre Smartwatch vorwiegend als Fitnesstracker nutzen, dann kommen Sie mit einem Gerät um die 200 Euro bestens aus."

Arm mit Smartwatches
Bildrechte: IMAGO

Neben Funktionen und Preis ist es auch wichtig, dass Sie die Uhr gut bedienen können. Das kleine Display ist dabei oft schwierig abzulesen und mühselig in der Bedienung per Fingertipp. Achten Sie deshalb auf eine gute Größe und Auflösung des Displays. Außerdem ist eine Sprachsteuerung wichtig. Wenn Sie viel unterwegs sind und die Uhr intensiv nutzen, ist auch ein möglichst starker Akku sinnvoll. Die meisten halten im Standby-Modus rund zweieinhalb Tage durch. Bei Nutzung vieler Funktionen kann daraus schnell auch nur ein Tag werden.

Lesen Sie viele Nachrichten oder Mails, kann ein Modell mit einem Rad zum Scrollen nützlich sein. "Wichtig ist auch, dass die Uhr zu ihrem Handgelenk passt. Liegt das Armband gut an? Passt Die Uhr von Größe und Gewicht oder ist sie zu klobig", rät Julia Struck.

Wichtige technische Voraussetzungen

Neben einem starken Akku sollte die Uhr möglichst wenig Energie verbrauchen. Achten Sie beim Kauf daher auf ein Low-Energy-Bluetooth. Um gut mit Smartphone, Kopfhörern und anderen Geräten zu kommunizieren, sollte das Gerät über eine Schnittstelle für W-Lan, GPS und NFC (Near-Field-Communication) verfügen. Wollen Sie Musik direkt von der Uhr hören, suchen Sie nach einem möglichst großen Speicher. Wenn Sie die Uhr vorwiegend für Sport und Fitness verwenden wollen, dann sollte Ihre Watch über einen guten Pulsmesser, Schrittzähler, Beschleunigungssensoren, GPS und eventuell eine EKG-Funktion verfügen. Für die Sportnutzung empfiehlt sich ein wasserdichtes Modell. Wenn Sie die Uhr auch ohne Handy nutzen möchten, muss eine Verbindung über WLAN möglich sein und/oder Sie brauchen eine SIM-Karte.

Worauf Sie beim Kauf noch achten müssen

Damit Ihre Smartwatch problemlos funktioniert, rät die Computerbild-Expertin: "Bei der Wahl der richtigen Smartwatch müssen Sie vor allem darauf achten, dass die sich mit Ihrem Smartphone versteht. Die Hersteller der Uhren geben Auskunft darüber, mit welchem Betriebssystem die Uhr kompatibel ist. Prüfen Sie sowas immer vor dem Kauf." Das erspart Ihnen Frust, denn die großen Hersteller bieten Geräte an, die oft nur mit der eigenen Marke des Smartphones funktionieren. Am besten kaufen Sie die Smartwatch mit dem neuen Handy zusammen und lassen sich ausführlich beraten.

Nicht alle funktionieren genau

Jeder Hersteller verspricht natürlich, dass bei seiner Uhr alle Funktionen perfekt laufen. Das ist in der Praxis nicht immer so. Gerade Schrittzähler "verschätzen" sich gerne mal, da die Uhr nicht immer zuverlässig erkennt, ob Sie einen Schritt gemacht oder sich nur nach vorn gebeugt haben. Das ist sicher kein großes Problem. Schwieriger wird es aber, wenn Sie sich auf eine Angabe wirklich verlassen müssen, weiß unsere Expertin: "Wenn Ihnen eine möglichst exakte Pulsmessung wichtig ist, dann lesen Sie vor dem Kauf seriöse Testberichte. Denn nicht alle Uhren messen den Puls tatsächlich exakt. Unsere Tests haben ergeben, dass etwa jede dritte Uhr bei der Pulsmessung deutliche Abweichungen von rund zehn Prozent hat." Und das kann bei der sportlichen Frage aerober oder anaerober Trainingsbereich entscheidend dafür sein, ob Sie am nächsten Tag Muskelkater haben oder nicht, von Herzproblemen ganz abgesehen.

Die Smartwatch als EKG-Ersatz?

Dr. Carsten Lekutat im Studio
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Manche Uhren der neuesten Generationen bieten eine EKG-Funktion an. Damit soll sich tatsächlich die Herzfunktion und eben nicht nur der Puls messen lassen. Mediziner der Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) warnen dabei, dass das Watch-EKG kein Ersatz für einen Arztbesuch ist. Zwar funktioniert die Messung mittels dreier Sensoren relativ gut, an ein vollwertiges EKG und eine entsprechende fachliche Bewertung kommt es aber nicht ran. Dr. Carsten Lekutat, Arzt und Moderator von "Hauptsache Gesund" sieht dennoch Vorteile dieser Funktionen: "Ich schätze diese neuen Uhren als extrem wertvoll in der Früherkennung von Vorhofflimmern ein, denn das ist anhand des kleinen EKGs relativ einfach zu diagnostizieren. Da das Vorhofflimmern häufig außerhalb der Arztpraxis auftritt, kann es leider über einen längeren Zeitraum übersehen werden. Kommt es dann immer wieder zu Episoden von Vorhofflimmern, ist das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, deutlich erhöht. Dieses Risiko lässt sich sicherlich durch den Einsatz der neuen Uhren minimieren. Ich bin also recht euphorisch, was diese Entwicklung angeht." Die Uhren können also durchaus unterstützend und warnend wirken, einen Arztbesuch ersetzen sie aber nicht.

Fazit

Zwei Sportler zeigen sich ihre Smartwatches.
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Die ersten Smartwatches vor gut fünf Jahren wurden oft noch als technische Spielerei belächelt. Das kleine Display lässt eine Nutzung wie beim Smartphone auch nicht zu. Mit Sprachassistent und eigener SIM-Karte können Sie mit so einer Uhr aber relativ bequem telefonieren, SMS schreiben, navigieren und andere Merkmale nutzen. Zusätzlich sind die Uhren gute Sport-Begleiter. Moderne Modelle können im Ernstfall sogar auf Störungen der Herzfunktion hinweisen.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 05. November 2018 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. November 2018, 09:27 Uhr