Umschau-Quicktipp | 01.02.2019 Stromanbieter wechseln: So geht es

Den Stromanbieter wechseln und bis zu 300 Euro sparen? Das geht tatsächlich, und zwar längst auch per Mausklick im Internet. Hunderte Stromanbieter buhlen mit Sonderkonditionen und Extrageschenken um Sie als Kunden. Doch Vorsicht: Ein paar Stolperstellen gilt es zu beachten. Die zeigt uns jetzt Dr. Katja Henschler von der Verbraucherzentrale Sachsen.

Strompreise ändern sich oft

Das komplizierte Geflecht aus Energieerzeugern, Netzbetreibern und Stromlieferanten lässt eine logisch nachvollziehbare Kostenentwicklung beim Strom kaum zu. Hinzu kommen sich ständig ändernde gesetzliche RegelungenSo ist die Umlage zur Förderung der erneuerbaren Energien (kurz EEG-Umlage) aktuell das zweite Mal in Folge gesunken. Dafür verteuert die neu eingeführte Offshore-Netzumlage (unterstützt Windkraftanlagen im Meer) den aktuellen Strompreis. Das schlägt sich ganz unterschiedlich auf die Preise der Versorger nieder. Schauen Sie besonders bei langjährigen Verträgen mal nach, denn hier gibt es besonders viel Sparpotenzial.

Wechseln lohnt sich

Der meist ortsansässige Grundversorger und die größeren Stromanbieter der Region haben nämlich oft die teuersten Tarife. "Die profitieren davon, dass viele Kunden nicht gewohnt sind, sich auf einem freien Strommarkt einen neuen Anbieter zu suchen, sondern lieber beim alten und vertrauten Versorger bleiben", erklärt Dr. Katja Henschler.  Aber ein Wechsel lohnt sich. Für einen Drei-Personen-Haushalt sind bis zu 300 Euro Einsparung drin. Es hängt natürlich von Ihrem Verbrauch, Wohnort und aktuellen Tarif ab. Das Wichtigste über einen langen Zeitraum ist aber, welchen Aufwand Sie dauerhaft treiben wollen. Für jeden Wechsel gilt: Lesen Sie sich die Konditionen und Angebote ganz genau durch. Vergleichen und entscheiden Sie in Ruhe. Lesen Sie immer das Kleingedruckte. Oftmals werden vermeintlich supergünstige Tarife im Lauf der Zeit richtig teuer.

Welcher Wechseltyp sind Sie?

Beim Wechsel des Stromanbieters können Sie unterschiedlichen Aufwand betreiben, mit entsprechend mehr oder weniger Einsparpotenzial.

Wechseltyp 1: Sie haben Spaß am Preise vergleichen im Internet, betreiben gern etwas mehr Aufwand bei der Suche in den verschiedenen Vergleichsportalen. Sie haben ein gutes Zeitmanagement und verpassen keine Kündigungsfrist: Dann können Sie beim jährlichen Wechsel am meisten sparen. Sie profitieren immer wieder vom Neukundenbonus und den Extra-Vergünstigungen, die viele Versorger nur im ersten Vertragsjahr anbieten.

Wechseltyp 2:  Sie wollen sich nicht jedes Jahr neu orientieren müssen, sind aber zu einem Wechsel von Ihrem Grundversorger zu einem freien Stromanbieter bereit: Dann können Sie mit dauerhaft günstigem Tarif immerhin gut 230 Euro gegenüber dem Grundversorger pro Jahr sparen.

Wechseltyp 3:  Sie haben so gar keine Lust aufs Internet und erledigen lieber alles schriftlich. Sie bekommen auch ihre Rechnungen und Vertragsunterlagen am besten per Post und klären die Details am Telefon: Dann können Sie die günstigsten Tarife auch über die Hotlines des Stromanbieters abfragen und sich Unterlagen senden lassen. Auch auf diesem Weg können Sie pro Jahr noch gut 150 Euro sparen.   

Es geht tatsächlich ganz einfach

Zum Wechsel geben Sie auf einem Vergleichsportal wie etwa check24.de oder verivox.de Ihre Postleitzahl und Ihren aktuellen Jahresverbrauch ein. Dann werden Ihnen die preiswerteren Stromanbieter aufgelistet. Achtung: Nicht immer sind dabei die ersten Angebote auch die besten. Scrollen Sie auch nach unten und schauen Sie sich die Details genauer an. Viele Wechselportale verdienen ihr Geld mit Werbung und Provision. Manchmal sind also die Tarife und Anbieter, die ganz oben stehen, Werbeangebote. Dazu Dr. Henschler: "Es lohnt sich da, genau hinzuschauen und die Angebote, die Sie finden auch nochmal zu checken. Googeln Sie die Anbieter, dann werden Sie sehr schnell rausfinden, ob andere Verbraucher damit Probleme hatten oder nicht." Wenn Sie sich für einen Tarif entschieden haben, können Sie direkt online den Stromanbieter wechseln.

Vorsicht Stolperfallen

Wirkliche Betrüger und schwarze Schafe gibt es unter den aktuellen Anbietern kaum. Dazu unsere Expertin: "Mir sind  derzeit keine größeren Probleme oder gar Betrügereien im Zusammenhang mit Stromanbietern bekannt." Dafür sind zu viele Firmen am Markt und der ist sehr transparent. Es würde sich also schnell rumsprechen. Aber: Viele Anbieter locken Sie als Kunden mit Sondertarifen, Bonuszahlungen oder gar Sachgeschenken. Niemand hat jedoch was zu verschenken, das Geld muss also wieder rein. Deshalb sollten Sie folgende Dinge beachten:

  • Bonustarif gilt oft nur begrenzt: Achten Sie beim Angebot genau auf die Laufzeiten der günstigen Tarife. Oft gibt es die nur im ersten Jahr, danach wird es wesentlich teurer. Deshalb sollten Sie dann wieder wechseln.
  • Kündigungsfristen einhalten: Die sollten nicht mehr als vier bis sechs Wochen lang sein, damit Sie zu aktuell günstigen Konditionen zum nächsten Versorger wechseln können.
  • Mindestlieferzeit sollte nicht länger als ein Jahr sein: Bei manchen Versorgern gibt es die Bonuszahlungen nur, wenn Sie diese Mindestlieferzeit auch einhalten. Während dieser Zeit sollte sich der Tarif nicht ändern, sonst wird es teuer.
  • Automatische Vertragsverlängerung: Der Vertrag sollte sich ohne Kündigung nicht automatisch um ein Jahr verlängern. Sollten Sie nun nämlich vergessen zu kündigen, muss der Versorger sich mit Ihnen in Verbindung setzen.
  • Preisgarantie für den gesamten Preis: Der Strompreis setzt sich aus verschiedenen Teilen (inklusive Steuern und staatliche Abgaben) zusammen.
  • Achten Sie beim Vertrag genau darauf, dass die Preisgarantie so lang wie möglich und nicht nur für einzelne Teile gilt. Sonst drohen Preiserhöhungen.
  • Vorsicht Geschenke: Manche Versorger bieten Ihnen hochwertige Heimelektronik und Ähnliches zum Vertrag an. Dabei entfallen aber oft alle anderen Vergünstigungen, wie Boni oder niedrige Tarife.

Der neue Stromversorger nimmt die Arbeit ab

Mit dem eigentlichen Stromanbieterwechsel haben Sie nur wenig Arbeit. Den Vertrag beim alten Stromanbieter müssen Sie nicht selbst kündigen. Der neue Anbieter übernimmt in der Regel die Kündigung bei Ihrem aktuellen Versorger. Etwa drei Wochen Bearbeitungszeit sollten dafür eingeplant werden. Dann übernimmt der neue Anbieter die Stromlieferung.

Bei Sonderkündigung müssen Sie selbst ran

Stempel mit der Aufschrift "INKASSO".
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Egal, ob Sie nur für ein Jahr einen Vertrag abgeschlossen haben oder schon länger bei Ihrem Versorger sind: Bei einer Preiserhöhung können Sie kündigen. „Sie machen dann von Ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch, dazu haben Sie nach Kenntnis der Kündigung vier Wochen Zeit“, so unsere Expertin. Am besten kündigen Sie schriftlich per Einschreiben. Dem neuen Anbieter sollten Sie auch noch eine Kopie der Kündigung zukommen lassen. Gibt es beim Wechsel Probleme oder geht der neue Stromversorger Pleite, sitzen Sie trotzdem nicht im Dunkeln. “Dann rutscht man in die Grundversorgung des örtlichen Anbieters. Meistens zum Basistarif, aber da kommen Sie auch schnell wieder raus und können sich einen neuen Stromanbieter suchen“, so unsere Expertin.

Besser nicht schummeln

Gehen Sie bei allen Angaben über Verbrauch und Zählerstand immer sehr gewissenhaft vor. Auch wenn Sie oft den Anbieter wechseln und über einen längeren Zeitraum niemand direkt bei Ihnen den Zähler abliest, irgendwann kommt jemand. Die Stromanbieter holen sich ihr Geld früher oder später, spätestens, wenn Sie aus der Mietwohnung ausziehen.

Wer schlichtet beim Streit

Sollten Sie Probleme mit Ihrem Versorger haben, etwa wenn er die versprochenen Bonuszahlungen nicht leistet oder nach einer ersten Mahnung gleich mit dem teuren Inkassobüro kommt, wenden Sie sich an Fachleute. "Sie können sich dann von der Verbraucherzentralen, der Schlichtungsstelle-Energie oder der Bundesnetzagentur beraten lassen", rät Dr. Katja Henschler.  

Fazit

Ein Wechsel des Stromanbieters ist online, aber auch schriftlich schnell und problemlos möglich. Je mehr Aufwand Sie dabei betreiben, desto mehr können Sie sparen. Achten Sie bei der Suche im Internet, aber auch in Vertragsunterlagen auf die Details.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 01. Februar 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Februar 2019, 09:46 Uhr