Umschau-Quicktipp | 16.02.2018 Wie sinnvoll sind Tageslichtlampen?

Tageslichtlampe 2 min
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Zwar werden die Tage schon wieder länger, aber viele Menschen stehen früh noch immer im Dunkeln auf. Wenn man dann nach der Arbeit nach Hause kommt, ist es schon wieder dunkel. Trübe Wintertage liefern einfach zu wenig Licht. Das macht müde und oft auch schlechtgelaunt. Dagegen sollen Tageslichtlampen helfen. Licht an, schlechte Stimmung weg: Klingt das nicht ein wenig zu simpel?

Licht gegen Konzentrationsschwäche

ein Mann sitzt den Kopf in die Hände gestützt am Tisch.
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Es ist bewiesen, dass der monatelange Sonnenentzug bei manchen Menschen zu Verstimmungen und Antriebslosigkeit bis hin zu Winterdepressionen führt. Dagegen soll eine Lichttherapie helfen. Laut Prof. Ulrich Hegerl, Leiter der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Leipzig, gibt es mittlerweile viele wissenschaftliche Untersuchungen, die belegen, dass Lichttherapien gegen die leichtere, saisonale Form der Depressionen helfen können. Der Grund: Ohne Licht erhöht sich schnell der Melatonin-Anteil im Blut, das macht müde. Mit Licht dagegen sinkt die Konzentration von Melatonin im Blut, die Menschen werden aktiver und munterer. Gleichzeitig erhöht sich durch das Licht die Produktion von Vitamin D und Serotonin, was mehr Energie schafft.

Damit eine Lichttherapie wirksam ist, muss das Licht direkt in die Augen strahlen und hoch dosiert sein – 10.000 Lux muss eine Lampe abstrahlen. Zum Vergleich: In einem von Neonröhren beleuchteten Büro beträgt die Lichtstärke nur etwa 500 Lux. Aber: „Wer tagsüber draußen spazieren geht, bekommt fast genauso viel Licht wie von den Lichtlampen“, sagt Prof. Ulrich Hegerl. „5.000 bis 7.000 Lux liefert auch ein bewölkter Tag.“

Aufstellung

Um auch zu Hause und am Arbeitsplatz genügend Licht zu haben, gibt es inzwischen Tageslichtlampen. Sie kosten zwischen 50 und 150 Euro und können mit einem Halter bequem auf einen Tisch gestellt werden. Stehlampen, die relativ nah am Menschen aufgestellt werden, entfalten eher ihre Wirkung als Deckenlampen, weil diese schlicht zu weit weg sind, um wirksam zu sein. Üblicherweise sollte man die Tageslichtlampen so aufstellen, dass man das Licht nur aus dem Augenwinkel wahrnimmt, also von der Seite beleuchtet wird. Außerdem ist der Abstand entscheidend. Teilweise werden nach Herstellerangaben die 10.000 Lux nur erreicht, wenn die Lampe 15 Zentimeter vom Gesicht weg steht. Dies ist vor allem mit dem Arbeitsalltag am Schreibtisch nicht zu vereinbaren. Außerdem muss man prüfen, wo eine Steckdose zur Verfügung steht. Im Sessel beim Lesen ist das meist ein geringeres Problem, beim Schreibtisch kann es allerdings hinderlich sein, wenn das Stromkabel permanent im Weg ist. Wichtig ist zudem, dass die Lampen nicht flimmern – also die Helligkeit gleichmäßig verteilt wird. Je nach individueller Empfindlichkeit können Helligkeitsspitzen als blendend empfunden werden.

Die beste Tageszeit

Die meisten Experten empfehlen derzeit, die zusätzliche Lichtdosis zunächst am Morgen für 30 bis 60 Minuten einzuplanen. Damit könne der Tagesrhythmus quasi gestartet werden, so Prof. Hegerl. Zeigen sich erste Erfolge, können Patienten eine Zeit wählen, die für sie angenehmer ist oder sich besser in ihren Tagesablauf einplanen lässt. 30 Minuten sollte die „Lichtdusche“ mindestens andauern. Manche Hersteller von Tageslichtlampen empfehlen eine Dauer von mindestens zwei Stunden am Tag. Das ist sinnvoll, wenn die Lampe weniger als 10.000 Lux ausstrahlt. Dies ist aber nur für Schreibtischarbeiten praktikabel.

Einsatzdauer

Erste Verbesserungen der Krankheitssymptome zeigen sich meist schon nach wenigen Tagen. Der volle Effekt mit einem Gefühl von Leichtigkeit, Ruhe und Energie tritt meist nach etwa zwei Wochen ein. Für manche Menschen reicht eine kurze Behandlung, andere müssen immer wieder und einige den ganzen Winter über behandelt werden.

Nebenwirkungen

Nebenwirkungen treten bei der Lichttherapie selten auf. Meist handelt es sich um leichte Beschwerden wie Kopfschmerzen, Augenbrennen, trockene Augen und Schleimhäute oder auch Hautrötungen. Dagegen helfen meist schon kürzere Bestrahlungszeiten. Bei Augenerkrankungen, zum Beispiel der Netzhaut oder Augenlinse, ist allerdings Vorsicht und ständige Kontrolle geboten. Außerdem muss der Arzt klären, ob die Patienten Medikamente einnehmen, die die Wirkung von Licht verstärken, wie beispielsweise Johanniskrautpräparate und einige Psychopharmaka.

Vorsicht vor echter Depression

Herbst-Winter-Blues
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Die Lampe ist kein Allheilmittel. Jeder sollte sich vor der Anwendung bewusst sein, warum er sich unwohl und betrübt fühlt. Denn die aufhellende Wirkung des Lichts zeigt laut Studien nur bei saisonaler Depression (SAD) gute Wirkung. Davon sprechen Experten, wenn im Herbst und Winter mindestens zwei Jahre hintereinander depressive Symptome wie gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit und mangelnder Antrieb aufkommen. Im Unterschied zu anderen Formen geht SAD nach Angaben der Stiftung Deutsche Depressionshilfe aber nicht mit Schlafstörungen und Appetitlosigkeit einher. Im Gegenteil: Menschen mit Herbst-Winter-Depression haben einen gesteigerten Appetit auf Kohlenhydrate und Süßes und ein größeres Schlafbedürfnis.

Der Winterblues ist eher eine harmlosere Variante der sogenannten saisonal abhängigen Depression (SAD), von der etwa 800.000 Menschen und damit ein Prozent der Bevölkerung in Deutschland betroffen sind. Auch hier könnten Tageslichtlampen helfen. Um abzuklären, um welche Form von Depression es sich handelt, sollte man spätestens dann einen Arzt aufsuchen, wenn das Leiden so stark ist, dass der Alltag nur eingeschränkt möglich ist. Beste Ansprechpartner sind Hausärzte, Psychiater oder Psychologen.

Fazit

Mehrheitsergebnis in verschiedenen Tests und wissenschaftlichen Untersuchungen: Tageslichtlampen erhellen nicht nur den Arbeitsplatz, sondern auch das Gemüt. Anwender konnten sich innerhalb kürzester Zeit viel besser konzentrieren als ohne Tageslicht.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 16. Februar 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Februar 2018, 09:50 Uhr