Umschau-Quicktipp | 06.06.2018 Tipps für den Tapetenwechsel

Einfach nur überall Raufaser, das ist langweilig und längst out. Tapeten gibt es in allen Varianten. Die wichtigsten Sorten:

Papiertapete:
Papiertapete besteht aus bedrucktem und geprägtem Papier und lässt sich nahezu überall einsetzen. Auch Raufasertapete ist ein Papierprodukt- mit Holzschnipseln.  

Vinyltapete:
Vinyltapete besteht aus mehreren Schichten Papier plus einer Lage PVC. Ideal ist diese Tapete für große Dekore und Prägungen, geeignet für besonders aufwendig gestaltete Wände mit Schmuckelementen. In Feuchträumen wie Bad  oder kleinen Küchen sollten Tapeten mit PVC-Anteil allerdings nicht eingesetzt werden. Aufgrund der mangelnden Luftdurchlässigkeit kann es zu Schimmelbildung kommen.

Vliestapete:
Auch Vliestapeten können mit Dekoren und Schmuckprägungen versehen sein. Dicke Vliestapeten lassen sich etwas schwerer verarbeiten. Großer Vorteil dieser Tapeten: Sie sind sehr stabil und lassen sich mit einem Zug wieder von der Wand entfernen.

Tapete mit Mittelaltermotiven
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Strukturtapete:
Strukturtapete hat als Grundlage eine oder mehrere Papierschichten. Obendrauf gibt es eine Strukturprägung meist aus Schaumstoff.

Foto- und Digitaltapete:
Foto- und Digitaltapeten bestehen meist auf Papierbasis. Damit können alle möglichen Wunschmotive ansatzlos und dank Digitaldruck auch in sehr großen Dimensionen auf die Wand gebracht werden.

Die richtigen Zeichen

Auf den Tapeten beziehungsweise der Verpackung befinden sich genormte Symbole, die die Eigenschaften der Tapete beschreiben und bei der Verarbeitung helfen. Sie geben zum Beispiel an, wie lichtbeständig eine Tapete ist. Das ist wichtig, wenn sie an die Wände eines hellen Raums kommen und dort nicht so schnell verblassen soll. Andere Symbole geben Auskunft über die Pflegeeigenschaften und verraten, wie beständig das Material gegen häufiges Abwischen ist. Darüber hinaus gibt es Symbole, die die Verarbeitung der Tapete erklären.

Die richtige Menge

Rechnen Sie vor dem Einkauf genau aus, wie viele Rollen Sie brauchen. Standardbahnen haben eine Länge von gut zehn Metern und eine Breite von 53 Zentimetern.

Faustregel für Standardbahnen: Raumumfang x Höhe ÷ 5 = richtige Rollenanzahl

Mann beim Tapezieren
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Achtung: Diese Formel funktioniert nicht bei Raufaser, da hier die Rolle in der Regel 33 Meter lang ist. Abweichungen kann es auch bei Muster und Fototapeten geben. Ebenso gibt es neben der Standardbreite von 53 Zentimetern auch Tapeten mit einer Breite von 70 oder sogar 106 Zentimetern. Das spart Stöße bzw. Ansätze und Tapezierzeit. Allerdings lassen sich solche breiten Bahnen auch schwerer verarbeiten. Kaufen Sie am besten immer eine bis zwei Bahnen mehr, mit der gleichen Verarbeitungsnummer. So bleibt auch die Farbe gerade bei Mustertapeten konstant. Die gleiche Tapete ein paar Wochen später nachzukaufen, kann bei einer anderen Charge für große Überraschungen sorgen. Die richtige Tapetenkleisterart und –menge hängt von der Tapete selbst und dem Untergrund ab. Informationen dazu gibt es auf der Tapete und auch auf dem Kleister. Wichtig: Gerade Vliestapeten brauchen speziellen Kleister, der nicht auf die Tapete kommt, sondern auf der Wand aufgetragen wird.  

Das richtige Werkzeug

Tapeten, Farben, Kleister und Tapezierwerkzeug in einer Zimmerecke
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Neben einem ausreichend großen und sauberen Tapeziertisch, brauchen Sie Leim- und Tapezierbürsten, Andruckroller, Cuttermesser und einiges mehr. Lassen Sie sich von erfahrenen Freunden oder Verwandten damit ausstatten oder fragen Sie im Baumarkt. Tapeziertische können Sie dort auch für ein paar Euro ausleihen. Arbeiten Sie nicht mit stumpfen Küchenmessern oder Ähnlichem. Sie ärgern sich später über die ausgerissenen Tapetenkanten. Zum Ablösen der alten Tapete verwenden Sie einen sogenannten "Tapetenigel", also eine Stachelwalze, oder etwas Ähnliches zum Perforieren und besserem Einweichen des Papiers. Ein Dampfablöser ist auch eine Möglichkeit, erfordert allerdings ein wenig mehr Aufwand.

Der richtige Untergrund

Ein Junge steht auf einer Leiter und kratzt Tapete von der Wand.
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Damit Sie Tapete an die Wandbringen können, muss der Untergrund tragen. Um herauszufinden, ob er trägt oder nicht, kleben Sie einfach ein Stück durchsichtigen Klebestreifen auf die alte Tapete bzw. Farbe. Drücken Sie es fest an und warten Sie zehn Minuten. Ziehen Sie den Klebestreifen anschließend wieder ab. Hängt sehr viel alte Farbe dran, sollten Sie die abwaschen oder die Wand grundieren, bevor Sie mit Tapezieren beginnen. Die Grundierung bindet die losen Partikel des Untergrundes und sorgt für eine gleichmäßig saugende Oberfläche. Auf frisch verputzten Wänden oder Trockenbau ist Grundieren Pflicht. Wenn Sie eine Vliestapete oder eine dünne Vinyltapete verarbeiten wollen, sollten Sie die Wand mit einer weißen Grundierung vorbreiten. So scheinen später keine dunklen Flecken durch die Tapete. Weiße Grundierung müssen Sie nicht extra kaufen. Es reicht, ein Teil weiße Wandfarbe auf zehn Teile normale Grundierung zu mischen.

Ist alte Tapete locker oder stark strukturiert, muss sie in jedem Fall runter. Perforieren Sie die Tapete und weichen Sie sie kräftig und lang genug ein. Mit dem Spachtel kommt sie so gut runter. Die freigelegte Wand bürsten Sie kräftig sauber und grundieren sie am besten.

Die richtige Vorbereitung

Tapezieren Sie bei Temperaturen um die 20 Grad. Die sollten auch beim Trocknen gehalten werden. Rühren Sie den Kleber entsprechend der Gebrauchsanweisung frühzeitig an. Schalten Sie die Sicherungen für das entsprechende Zimmer ab. Entfernen Sie erst dann Lampen und Abdeckungen an Schaltern und Steckdosen. Tapezieren Sie nie alleine und nicht, wenn Sie sich nicht gesund fühlen. Sehr viele schwere Haushaltsunfälle passieren bei Stürzen von der Leiter.

Die richtige Verarbeitung

Eine Frau steht am Tapeziertisch und streicht eine Tapetenbahn mit Kleister ein.
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Schneiden Sie die nötige Menge an Tapetenbahnen zu. Kleistern Sie Tapete oder Wand entsprechend der Vorgaben ein. Beachten Sie unbedingt die exakte Vorweichzeit der Tapete. Mustertapeten werden von der Mitte der Wand nach rechts und links tapeziert. So erhalten Sie eine gleichmäßige Musterverteilung. Papiertapeten ohne Muster setzen Sie mit zwei bis drei Zentimetern Überstand an der Ecke an. Achtung: Richten Sie die erste Bahn wirklich senkrecht aus. Dazu nehmen Sie ein Lot oder eine Wasserwaage. Fahren Sie mit Kantenrollern über alle Kanten. Bei Strukturtapeten sollten Sie nicht zu stark drücken. Tapezieren Sie nie eine Bahn mittig um eine Zimmerecke. Keine Wand ist so exakt verputzt, dass Sie auf der anderen Wand senkrecht herauskommen. Messen Sie die Bahn lieber bis zur Ecke mit zwei bis drei Zentimetern Überstand. Loten Sie die Anschlussnaht aus und schneiden Sie den Überstand mit einem scharfen Messer ab. Wenn Sie die folgende Bahn allerdings überlappend kleben wollen, weil der Wandbelag dann schön geschlossen aussieht, bedenken Sie, dass gerade bei dünneren Tapeten die untere Bahn als Kontur sichtbar wird. Bei dickeren Tapeten neigt die Überlappung möglicherweise dazu, sich zu lösen oder zu öffnen.

Das richtige Händchen

Das alles braucht ein wenig Erfahrung und Geduld. Das gilt für saubere Ansätze ebenso wie für möglichst blasenfreies Tapezieren. Keine Panik, wenn in einigen Bahnen viele kleine Blasen zu sehen sind. Die verschwinden in der Regel während des Trocknens von selbst. Größere Blasen können Sie mit Leim auffüllen. Verwenden Sie dazu eine Spritze, die sie zum Beispiel in einer Apotheke bekommen. Drücken Sie die Tapete nach dem Auffüllen vorsichtig an und wischen Sie überflüssigen Leim mit einem Lappen weg.

Die richtige Trocknung

Ein frisch tapeziertes Zimmer lassen Sie am besten eine Nacht in Ruhe. Lassen Sie die Heizung aus und die Fenster zu. So kann die Tapete in Ruhe und gleichmäßig trocknen und ankleben. Nur wirklich feste und gut getrocknete Tapete können Sie bedenkenlos streichen.

 

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 06. Juni 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Juni 2018, 13:32 Uhr