Umschau-Quicktipp | 13.03.2018 Tiere sicher im Auto mitnehmen

Millionen Haustierbesitzer nehmen vor allem Hund und Katze im Auto mit in den Urlaub. Doch auch bei der Fahrt zum Tierarzt, dem Hundeplatz oder für ganz alltägliche Wege sind die Vierbeiner oft mit unterwegs. Wie transportieren Sie Ihr Haustier im Auto richtig und sicher?     

Tiere müssen in die Box

Ein Hund mit Sonnenbrille schaut aus einem Auto.
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Es mag cool aussehen, wenn der beste Freund des Menschen lässig neben Herrchen auf dem Beifahrersitz mitfährt. Es mag sich auch besser für die Katze anfühlen, wenn sie von Herrchen oder Frauchen beruhigend gekrault und auf dem Schoß mitgenommen wird statt in der engen Transportbox. Fakt ist: Tiere dürfen niemals ohne Sicherung im Auto transportiert werden. Und Sicherung meint im besten Falle eine stabile, gut gesicherte Transportbox. Ungesichert können Tiere bei einer Vollbremsung oder einem Aufprall derart beschleunigt werden, dass sie mit einem Vielfachen ihres Körpergewichtes durch das Auto fliegen. Dabei sind die Tiere selbst, aber auch alle Insassen enorm gefährdet.

Bei einem aktuellen Test der Stiftung Warentest wurde ermittelt, dass ein 19 Kilogramm schwerer Hund bei einem abrupten Stopp von 50 auf 0 Stundenkilometer mit fast einer Tonne Gewicht drückt. Und selbst eine Katze mit nur einem Kilo Körpergewicht wird dabei zum gefährlichen Geschoss. Außerdem können nicht gesicherte Tiere beim Anhalten durch offene Fenster flüchten und den Verkehr behindern. 

Es drohen Bußgelder

Dominosteine und Spielzeugauto auf einer Autokarte von Flensburg
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Es klingt sehr sachlich aber laut Straßenverkehrsordnung gelten Haustiere als Ladung und die muss immer so verstaut werden, dass sie bei einer Vollbremsung, einem Ausweichmanöver oder einem Unfall nicht verrutschen kann oder auf andere Weise unkontrolliert im Auto bewegt wird. Halten Sie sich nicht daran, riskieren Sie ein Bußgeld von bis zu 80 Euro plus einen Punkt in Flensburg. Ist Ihr Tier gar mit verantwortlich für einen Unfall, dann ist das von Ihnen grob fahrlässig. Ihre Haftpflichtversicherung zahlt dann zwar den Schaden an einem anderen Auto, nicht aber an Ihrem eigenen. Je nach Versicherer und der Schwere Ihrer Schuld, können aber auch Ihnen Leistungen gekürzt werden.

Test für den Hundetransport

Stiftung Warentest hat aktuell 21 Transportsysteme untersucht. Haupterkenntnis: Nur die neun Boxen aus Aluminium oder Stahl für Kofferraum und Rücksitz konnten ein sehr gut bis gut erreichen. Nur bei diesen Systemen mit Preisen zwischen 300 Euro und  675 Euro hatten die Crashtest-Hunde eine gute Chance zu überleben bzw. sich nicht ernsthaft zu verletzen. Boxen aus Kunststoff oder gar Drahtkäfige brachen hingegen beim Test oder bogen sich so auf, dass Hund und Mitfahrer sich ernsthaft verletzen könnten. Die getesteten Stoffboxen sind zwar leicht und platzsparend zu verstauen, hielten aber dem Belastungstest mit einem 19 Kilo Testhund-Dummy nicht stand. Bei einer Vollbremsung aus 50 Kilometern pro Stunde oder einem Ausweichmanöver mit 70 km/h rissen Sie einfach auf und die Hunde flogen durchs Auto. Dafür gab es zweimal mangelhaft von den Experten. Ähnlich schlecht sah es für sechs getestete Hundegeschirre im Preis zwischen 23 Euro und 60 Euro aus. Die Testhunde rutschten im Ernstfall an den Geschirren durch das Auto oder die Geschirre rissen gleich ganz durch. Bei einem richtigen Unfall hätte das katastrophale Folgen. Zweimal ausreichend , viermal mangelhaft, so die Ergebnisse für Hundegeschirre.

Hunde richtig vorbereiten und transportieren

Je früher Sie Ihren Hund ans Auto gewöhnen, desto besser. Machen Sie die Transportbox zu einem interessanten Ort, indem Sie zunächst noch im Haus oder der Wohnung kleine Leckerlies und Futter darin platzieren. Eine  gewohnte Decke oder ein Lieblingsspielzeug können den Aufenthalt für den Hund angenehmer machen. Wenn der Hund freiwillig in die Box geht, kann er ruhig schon ein paar Tage vor der ersten Fahrt ab und zu Zeit darin verbringen. Beginnen Sie mit kleineren Touren. Versuchen Sie selber während der Fahrt entspannt und ruhig zu sein. Besonders bei Hunden überträgt sich die Anspannung der Besitzer.

Ansonsten gilt für das sichere Hunde-Transportsystem:

  • Am besten transportieren Sie Hunde in einer Hundebox aus Metall, die im Kofferraum fixiert wird.
  • Die Box muss gerade so groß sein, dass der Hund sich darin hinlegen, hinstellen und umdrehen kann. Ansonsten aber sollte bei einem Aufprall der Raum für Beschleunigung in der Box so klein wie möglich sein. Je weiter der Hund also in der Box geschleudert werden kann, desto größer das Verletzungsrisiko.
  • Eine rutschfeste Unterlage gibt dem Hund Sicherheit in der Box.
  • Wenn es geht, wie etwa in einem Kombi, ermöglichen Sie dem Hund Blickkontakt mit dem Herrchen/Frauchen während der Fahrt.
  • Tabletten gegen Nervosität gibt es, Experten raten aber eher, den Hund spielerisch und mit Training an das Autofahren zu gewöhnen.

Achtung Kofferraumabtrennung

Diese vom Hersteller oder nachträglich installierten Systeme aus Kunststoff oder Netz schützen vorwiegend die Autoinsassen davor, bei einem Aufprall von herumfliegenden Gegenständen verletzt zu werden. Ein Hund, der im Kofferraum auf der Decke liegt, fliegt im Ernstfall gegen die Abtrennung und kann sich dabei schwer verletzen. Also gehört der Hund auch trotz Abtrennung noch in eine fixierte Box.

Katzen sind anders

Sie wiegen im Normalfall nicht nur weniger als  Hunde und brauchen dadurch kleinere Boxen. Katzen freunden sich auch schwerer mit Transportsystemen an. Kaum eine Katze geht gerne freiwillig in die Box. Diese muss deshalb am besten zwei Einstiegsöffnungen haben, nämlich vorne und oben. Durch die obere Klappe können Sie die Katzen mit sanftem Druck geben, wenn sie denn so gar nicht anders in die Box zu bewegen ist. Auch sollte das Oberteil der Transportbox im Idealfall abnehmbar sein. Dann kann eine ganz ängstliche Katze bei der Tierarztbehandlung in der vertrauten Schale sitzen bleiben.

Nehmen Sie am besten immer eine Ersatz-Unterlage für die Box mit, falls die Katze sich übergibt oder  mal muss.

Katzen richtig vorbereiten und transportieren

Auch bei Katzen gilt, je eher sie mit dem Auto mitfahren, desto besser gewöhnen sie sich daran. Eine Decke mit vertrautem Geruch und ein kleines Leckerli erleichtern auch hier die Fahrt. Eine rutschfeste aber weiche Unterlage ist hilfreich. Der Umgang mit der Box sollte ein paar Tage vor der Fahrt geübt werden. Die Box kann dabei als ganz selbstverständlicher Bestandteil der Wohnung behandelt werden. Ist die Katze sehr nervös, dann können Sie am Tag vor der Reise ein Tuch oder Kuscheltier am Kinn der Katze reiben, dort befinden sind spezielle Duftdrüsen, mit denen Katzen ihr Revier markieren. Dieser Duft in der Box beruhigt die Katze.

Ansonsten gilt für das sichere Katzen-Transportsystem:

Katze in Katzenbox
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  • Kaufen Sie nur Boxen mit einem Sicherheitsnachweis wie etwa dem GS-Siegel.
  • Auch Katzentransportboxen gehören nicht auf Vorder- oder Rücksitz, auch nicht, wenn Sie die Box extra anschnallen. Im Ernstfall könnte die Katze durch die Wucht eines Unfalls die Box durchschlagen.
  • Stellen Sie die Box in den Fußraum hinter die Vordersitze.
  • Platzieren Sie die Box quer im Auto, das erhöht die Aufprallfläche und mindert so die Wucht.
  • Beruhigungsmittel oder Medizin gegen Übelkeit geben Sie am besten nach Absprache mit dem Tierarzt.

Belasten Sie Ihr Tier nicht unnötig

Eine Autofahrt ist für ein Tier immer mit Aufregung und Belastung verbunden. Halten Sie deswegen die Fahrten so kurz wie möglich, fahren Sie nie über 12 Stunden. Fahren Sie immer mit geschlossenen Fenstern beziehungsweise ohne Durchzug. Hunde und Katzen reagieren darauf sehr empfindlich. Vorsicht bei Pausen: Sichern Sie ihr Tier, bevor Sie die Autotür am Parkplatz öffnen. Versorgen Sie die Tiere mit Wasser und leichtem Futter, wenn die Fahrt länger dauert. Vermeiden Sie laute aggressive Musik und reden sie stattdessen beruhigend auf das Tier ein. Vermeiden Sie Fahrten bei großer Hitze und lassen Sie ein Tier niemals bei Sommerhitze allein im Auto.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 13. März 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. März 2018, 00:10 Uhr