Umschau-Quicktipp | 28.09.2018 Tollwut: Das müssen Sie wissen

Schild Wildtollwut Gefährdeter Bezirk 1 min
Bildrechte: IMAGO

Deutschland gilt seit 2008 als frei von der klassischen Wildtollwut. Trotzdem besteht hierzulande noch die Möglichkeit, sich mit der Fledermaustollwut anzustecken. Ist der Virus erstmal auf den Menschen übertragen, gilt es schnell zu handeln, denn sonst verläuft die Krankheit tödlich.

Was ist Tollwut?

Tollwut ist eine Viruserkrankung des Zentralnervensystems, die meist durch Bisse von Säugetieren, insbesondere von Hunden, aber auch von Füchsen, Waschbären oder verwilderten Haustieren auf den Menschen übertragen wird. Andere Bezeichnungen für die Erkrankungen sind Wutkrankheit, Lyssa (griechisch) oder auch Rabies (lateinisch / englisch). Die Erreger sind Lyssaviren. Tollwut gehört zu den  Zoonosen. Das sind Erkrankungen, die von Tieren auf den Menschen übertragen werden. Bei der Tollwut sind Fledermäuse die ursprünglichen Wirtstiere der Lyssaviren. Sie infizieren andere Tiere durch Bisse.

Wie wird die Krankheit übertragen?

Das Virus wird durch den Speichel der infizierten Tiere übertragen. Man kann sich also durch einen Biss, oder wenn ein Tier an verletzten oder entzündeten Hautstellen leckt, anstecken. Gefahr besteht ebenfalls, wenn Speichel eines Tieres durch ungewaschene Hände an die Augen- Nasen-, oder Mundschleimhaut oder in offene Wunden gelangt. Das Virus ist unempfindlich gegen Kälte und Fäulnis, das heißt, Tierkadaver sind auch noch nach Wochen infektiös.

Was sind die Symptome bei Tollwut?

Eine Frau liegt mit Kopfschmerzen auf einer Couch
Bildrechte: IMAGO

Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit, variiert bei Tollwut. Erste Symptome können sich bereits nach vier Tagen zeigen, aber auch erst nach einem Jahr. In den meisten Fällen beträgt die Inkubationszeit zwischen 20 und 70 Tagen. Je näher sich die Kontaktstelle mit dem Virus am Gehirn befindet, desto kürzer ist die Inkubationszeit. Erste Anzeichen einer Erkrankung sind Unwohlsein, Fieber, Kopfschmerzen und eine Veränderung der Wahrnehmung an der Bissstelle. Dazu kommen eine erhöhte Nervosität, Halluzinationen und Angststörungen wie Hydrophobie (Angst vor Wasser) oder Aerophobie (Angst vor Luft), Muskelkrämpfe und vermehrter Speichelfluss.

Wie verläuft Tollwut?

Tollwut verläuft ohne rechtzeitige medizinische Hilfe fast ausnahmslos tödlich. In der Regel vergehen vom Auftreten der ersten Symptome bis zum Tod maximal sieben Tage. Jährlich sterben weltweit 59.000 Menschen an dieser Krankheit. Das Virus wandert im Körper entlang der Nervenbahnen ins Rückenmark und von dort ins Gehirn. Dort vermehrt sich der Erreger und breitet sich im ganzen Körper aus. Zur Diagnose von Tollwut wird das Erbgut des Tollwut-Erregers in Speichel, Hornhaut oder Hirnflüssigkeit nachgewiesen. Einmal ausgebrochen, kann die Krankheit nicht behandelt werden. Ärzte können nur noch die Symptome durch völlige Ruhe, gedämpftes Licht, Atemhilfe und Ruhigstellung lindern. Alle Körperflüssigkeiten des Patienten sind hochansteckend und Erkrankte müssen deshalb isoliert werden. Im Endstadium leidet der Erkrankte unter den fortschreitenden Lähmungserscheinungen und fällt letztendlich ins Koma. In der Regel versterben Tollwut-Patienten an einer Atemlähmung.

Wo tritt die Krankheit auf?

In Deutschland wurden Wildtiere, besonders Füchse, durch Futterköder gegen Tollwut immunisiert und Haustiere werden gegen Tollwut geimpft. Das führte dazu, dass Deutschland seit 2008 als tollwutfrei gilt, genau wie große Teile Europas. Ein letztes Reservoir der Tollwuterreger sind Fledermäuse. Sie tragen eine andere Virusform der Lyssaviren in sich als Füchse. Die Viren sind aber eng verwandt und für den Menschen genauso gefährlich wie die klassische Wildtollwut. Eine Gefahr der Infektion besteht für in Deutschland lebende Menschen heute nur noch bei Reisen in Länder, in denen die Krankheit noch vorkommt. Dazu zählen viele Entwicklungsländer, große Teile Afrikas und Asiens, hier vor allem Indien.

Was muss ich tun, wenn ich Kontakt zu einem tollwutverdächtigen Tier hatte?

Wildtiere haben eine natürliche Scheu vor Menschen. Wenn sie an Tollwut erkrankt sind, verlieren sie diese. Im weiteren Verlauf treten bei den Tieren Bewegungsstörungen und ein vermehrter Speichelfluss auf. Die Tiere werden aggressiv und beißen unvermittelt, also nicht durch menschliches Verhalten provoziert. Der Kontakt mit einem sich auffällig verhaltenden Tier ist also unbedingt zu vermeiden. Kommt es doch dazu oder wird man gebissen, ist schnelles Handeln angeraten. Die Wunde muss sofort gründlich mit Wasser und Seife desinfiziert werden. Am besten jedoch verwendet man 70%igen Alkohol und eine Jodlösung zum Reinigen der Wunde. Das reduziert das Ansteckungsrisiko. Wer nicht gegen Tollwut geimpft ist, muss nach dem Tierkontakt einen Arzt aufsuchen, der nach einem Intensiv-Schema innerhalb von 28 Tagen fünf- bis sechsmal impfen wird. Die erste Impfung muss nach spätestens 12 bis 24 Stunden gegeben werden. Zusätzlich erfolgt meist zur Sicherheit noch eine passive Immunisierung mit Humanem Tollwut-Hyperimmunglobulin (HRIG). Ist man gegen Tollwut geimpft, gibt der Arzt nach dem Kontakt mit dem tollwutverdächtigen Tier meist zwei Auffrischungsimpfungen im Abstand von zwei Tagen. Die erste sollte nach spätestens 72 Stunden erfolgen.

Wie kann ich mich vor Tollwut schützen?

Spritze auf einem internationalen Impfpass
Bildrechte: IMAGO

Vermeiden Sie Tierkontakt in Tollwutgebieten, lassen Sie sich vorbeugend impfen. Die Tollwutimpfung ist keine Pflichtimpfung. Was eine mögliche Übernahme der Kosten für die Impfung angeht, sollten Sie sich mit Ihrer Krankenkasse in Verbindung setzen. Wer beruflich Gefahr läuft, sich anzustecken, z.B. Förster, Jäger oder Tierärzte, sollte sich impfen lassen. Empfohlen ist die Impfung auch bei Reisen in Risikogebiete wie z. B. Indien, China, Vietnam, Thailand, Indonesien, Bangladesch oder Pakistan. Infos dazu gibt es auf den Webseiten des Auswärtigen Amtes oder auch beim Tropeninstitut. Für einen fast 100%igen Schutz muss innerhalb von vier Wochen dreimal geimpft werden. Die Injektion erfolgt dabei in den Oberarmmuskel. Der Impfschutz beginnt zirka zwei Wochen nach der ersten Impfung und hält bis zu fünf Jahre. Kontrolliert werden kann er durch eine Bestimmung der Antikörper.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 28. September 2018 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. September 2018, 00:10 Uhr