Umschau-Quicktipp | 31.07.2018 Richtiges Verhalten nach Verkehrsunfällen

Bei einem Verkehrsunfall zählt jede Minute. Verletzten muss geholfen, die Unfallstelle geräumt und Rettungskräfte informiert werden. Nur in welcher Reihenfolge? Und sollten Sie als Unbeteiligter helfen oder zügig weiterfahren? Nun ist Unfall nicht gleich Unfall. Doch egal, wann und wo Sie einen Verkehrsunfall haben oder sehen, es gibt Grundregeln, die immer gelten:

  • Prüfen Sie vor der Fahrt, ob für jeden Insassen eine Warnweste an Bord ist! Seit 2014 ist in Deutschland nur eine pro Fahrzeug zwingend vorgeschrieben, besser aber ist es, wenn alle entsprechend ausgestattet sind.
  • Halten Sie unbedingt an! „Das sollte aber je nach Schwere des Unfalls erst an der nächst geeigneten Stelle passieren, wenn Sie noch fahren können“, rät Veit Raczek von der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Süd. Das gilt auch für Autobahnen. Wenn Sie können, fahren Sie bis zur nächsten Ausfahrt oder Parkplatz.
  • Sichern Sie die Unfallstelle sofort! Dazu sollten die Warnblinker aller beteiligten Autos eingeschaltet werden. Außerdem stellen Sie das Warndreieck auf freien Straßen wie Autobahnen oder Landstraßen mindestens 100 Meter vor der Unfallstelle auf. Zwei Warndreiecke sind besser als eins. In geschlossenen Ortschaften stellen Sie das Warndreieck an einer sinnvollen Stelle auf.
  • Retten und versorgen Sie die Verletzten, bis die Rettungskräfte eintreffen. „Dabei ist es egal, wann Sie das letzte Mal einen Erste-Hilfe-Kurs hatten. Machen Sie das, was Sie können, das ist besser, als nicht zu helfen“, rät unser Fachmann. 
  • Bei Personenschäden rufen Sie den Rettungsdienst unter der 112! Und ebenfalls die Polizei unter 110. Bei einfachen Blechschäden oder leichten Auffahrunfällen, bei denen kein großer Schaden zu erkennen ist, müssen Sie die Polizei dann rufen, wenn es einer der Unfallteilnehmer will.

Sind Sie am Unfall beteiligt, müssen Sie solange an der Unfallstelle bleiben, bis die Polizei Ihre Daten aufgenommen hat!

  • Verlassen Sie nie einfach so den Unfallort! Auch bei einem Parkrempler reicht es nicht, dem beschädigten Auto einen Zettel unter die Scheibenwischer zu klemmen. In diesem Fall müssen Sie versuchen, den Fahrzeugführer ausfindig zu machen und Versicherungsdaten zu tauschen. Ist das nicht möglich, weil über Stunden niemand kommt, rufen Sie die Polizei. Fahren Sie hingegen einfach so weg, ist das Fahrerflucht und damit strafbar. 

 Fahrzeuge vom Unfallort entfernen?

Die Unfallsituation zu verlassen, ist nur bei leichten Blechschäden sinnvoll oder dann, wenn Sie dadurch weitere Unfälle verhindern. Wenn es möglich ist und andere nicht gefährdet, machen Sie vorher Fotos von der Unfallstelle und der Stellung der Autos. Markieren Sie Bremsspuren und Standorte der beteiligten Fahrzeuge. Das ist wichtig zur Klärung der Schuldfrage bei Personen- oder versicherungsrelevanten Sachschäden. Im Zweifel der Schuldfrage warten Sie, bis die Polizei die Situation klärt und freigibt.

Die Autobahn

Unfälle auf Autobahnen erfordern aufgrund der hohen Geschwindigkeiten aller Verkehrsteilnehmer besondere Aufmerksamkeit. Deshalb ist es hier besonders wichtig, die Unfallstelle mit dem Warndreieck anzukündigen - entsprechend rechtzeitig, das heißt, mindestens 100 Meter vorher. Halten Sie sich beim Warten auf Polizei und Rettungsdienste grundsätzlich niemals im Unfallfahrzeug auf! „Der sicherste Ort ist hier immer hinter der Leitplanke. Egal welches Wetter oder welche Jahreszeit, Sie warten immer dort auf Rettung. Auch einen kaputten Reifen sollten Sie nie allein auf der Standspur wechseln. Rufen Sie da lieber den Pannen-Service“, sagt unser Experte. Haben Sie nur einen leichten Blechschaden oder einen abgefahrenen Spiegel, halten Sie nicht unmittelbar auf der Fahrbahn. “Wir erleben immer wieder, dass die Leute mit kleineren Schäden auf der Fahrbahn halten und dann einen richtigen Stau mit schwerwiegenden Auffahrunfällen verursachen“, sagt Veit Raczek.

Die Rettungsgasse

Rettungsgasse
Bildrechte: IMAGO

Linke Spur nach links, Mitte und rechte Spur nach rechts, so lautet die ganz einfache Formel. Auch bei vier und mehr Spuren fährt nur die linke Spur nach links. Blockieren Sie die Rettungsgasse, machen Sie sich strafbar. Auch wenn Einsatzfahrzeuge von ADAC und anderen Pannenhelfern nicht mit Sirene fahren, sollten Sie ihnen Platz machen. Dahinter könnten schließlich unmittelbar Feuerwehr und Polizei kommen.

Unterlassene Hilfeleistung

Ob Sie beteiligt an einem Unfall sind oder einfach dazukommen: Sollte Ihnen deutlich werden, dass eventuelle Unfallopfer Ihre Hilfe brauchen und niemand anderes vor Ort ist, dann müssen Sie helfen. Der Paragraf 323c des Strafgesetzbuches verpflichtet genau dann zur ersten Hilfe, wenn diese zumutbar und erforderlich ist. Das heißt aber auch, Sie müssen sich selbst nicht in Gefahr bringen, um andere zu retten. „Wichtig ist, Sie können für Fehler bei Ihrer Hilfe nicht bestraft werden, solange Sie alles nach ihrem besten Wissen und ihren Möglichkeiten  machen“, so Veit Raczek von der Polizei Sachsen-Anhalt. Sehen Sie aber Menschen, die unmittelbar Ihre Hilfe brauchen und Sie helfen nicht, dann begehen Sie eine Straftat. Im Ernstfall drohen eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr.    

Schaulustige und Gaffer

Symbolbild - Ein Gaffer macht auf der Autobahn ein Handyfoto von einem Unfall.
Bildrechte: IMAGO

Wer aus einer Mischung aus Neugier und Anteilnahme etwas langsamer an einer Unfallstelle vorbeifährt, macht sich dadurch nicht strafbar. Problematisch wird es, wenn Sie Einsatz- und Rettungskräfte durch Gafferei bei der Arbeit behindern, indem Sie Fahrspuren oder den Standstreifen blockieren. Bisher wurde Gaffen nur als Ordnungswidrigkeit mit Bußgeldern von 20 bis 1.000 Euro belegt. Seit dem 29. Mai 2017 gilt nun eine veränderte Fassung des Paragraphen 323c. Diese Gesetzesänderung ist dazu gedacht, Polizei und Rettungskräfte im Rettungseinsatz besser vor Pöbeleien und anderen Übergriffen von Gaffern zu schützen. Darüber hinaus "wird bestraft, wer in diesem Sinne eine Person behindert, die einem Dritten Hilfe leistet oder leisten will."

Konkret heißt das: Ab sofort können das Blockieren der Rettungsgasse oder die Behinderung der Einsatzkräfte durch Gaffen als Straftat behandelt und sogar mit Gefängnis bestraft werden. In der Praxis muss das allerdings noch umgesetzt werden. Dazu unser Experte: „Das wird für uns als Polizei schwierig, wenn wir bei einem Unfall den Opfern helfen wollen. Behindern uns da beispielsweise zehn Gaffer, sind das zehn potenzielle Straftäter, die ich eigentlich alle aufnehmen müsste.“ Strafbar machen sich ebenso Menschen, die Unfallopfer mit dem Handy abfotografieren oder filmen. Das verletzt Persönlichkeitsrechte und stellt eine Straftat dar.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 31. Juli 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2018, 17:10 Uhr