Umschau-Quicktipp | 18.12.2018 Welche Vitamine braucht der Körper im Winter?

Extra-Vitamine für den Winter: Gerade in der Erkältungszeit sollen wir uns besonders mit den wertvollen Stoffen versorgen. Und tatsächlich verkaufen sich Vitaminpräparate und viele andere Mixturen hervorragend in der kalten Jahreszeit. Ob Sie die tatsächlich brauchen und mit welcher Ernährung und Lebensweise Sie gut durch den Winter kommen, erfahren Sie jetzt.

Die Experten streiten

Lesen Sie viele verschiedene Fachzeitschriften, bekommen Sie viele verschiedene Meinungen darüber, ob wir in Deutschland unter Vitaminmangel leiden oder nicht. Mit geschätzten knapp 80 Millionen Euro Umsatz pro Jahr ist der Markt für Nahrungsergänzungsmittel und Vitamine schließlich groß und lohnend. Fakt ist: Die deutsche Gesellschaft für Ernährung stellt aktuell fest, dass Deutschland kein Vitaminmangelland ist. Das heißt, wer sich gesund und ausgewogen ernährt, der nimmt mit der normalen Nahrung genügend Vitamine zu sich. Unser Experte, der Ernährungsberater Johannes Hunger schränkt ein: „Es gibt bei bestimmten Menschen ganz klar Mangelerscheinungen, und da besonders im Winter beim Vitamin D. Das kann man aber nicht pauschal geltend machen, da muss man den jeweiligen Fall betrachten.“ 

Diese Vitamine brauchen wir besonders

Um das ganze Jahr ein starkes Immunsystem zu haben, sollten Sie einen hohen Anteil an frischen, pflanzlichen Nahrungsmitteln zu sich nehmen. Gemüse, am besten roh oder schonend gegart und Obst stehen auf dem Speiseplan ganz oben, zusätzlich in vernünftigen Maßen auch tierische Lebensmittel wie Milch Käse und Fleisch. Dann bekommen Sie genug:

Neben einem Krug mit Milch liegen Eier
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  • Vitamin A: Es schützt Haut und Abwehrkräfte, ist besonders in Milch und Eiern vorhanden, aber zum Beispiel auch in Grünkohl.
  • Vitamin C: Es unterstützt das Immunsystem bei Erkältungskrankheiten, ist besonders in Früchten wie Kiwis, Zitronen oder Gemüse wie Paprika vorhanden. Gut zu wissen: Schon eine halbe Paprika reicht in der Regel, um den Tagesbedarf zu decken.
  • Vitamin E: Es schützt die Zellen, stärkt das Immunsystem, ist besonders in Pflanzenölen und Nüssen vorhanden.
  • Vitamin B6:  Es hilft dem Körper bei der Bekämpfung von Krankheiten und stärkt das Immunsystem. Es steckt vor allem in Getreide wie Weizen, in Früchten, aber auch in Fisch.
  • Vitamin D: das Ausnahmevitamin. Das ist es unter anderem deswegen, weil wir es nur in geringen Mengen mit Nahrungsmitteln wie Fisch oder Pilzen zu uns nehmen können. Der Hauptteil wird in der Haut des Menschen gebildet, wenn wir mit Tageslicht in Berührung kommen. Es aktiviert unsere Abwehrkräfte und hilft dem Körper bei der Säuberung der Zellen. Wer dauerhaft zu wenig Vitamin D bildet, dem droht unter anderem Alzheimer.

Sommer wie Winter: auf ausgewogene Ernährung achten

Tabletten in den Farben gelb, rot und weiß sind farblich in Schichten getrennt zu einem Dreieck gelegt.
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Im Prinzip brauchen Sie das ganze Jahr die gleichen Vitamine, auch in gleicher Menge. „Die einzige Ausnahme ist das Vitamin D, davon haben wir im Winter in der Regel tatsächlich zu wenig, weil wir einfach zu wenig an der frischen Luft sind, um Sonne zu tanken.“, so unser Experte. Von dieser Ausnahme mal abgesehen macht es also keinen Sinn, im Winter besonders viele Vitamine zusätzlich zu sich zu nehmen. Doch Achtung: Durch trockene Heizungs- und Winterluft, Licht- und Bewegungsmangel leidet unser Immunsystem. So sind wir in der kalten Jahreszeit besonders anfällig für Erkältungen. Deshalb müssen wir also gerade jetzt auf die erwähnte vernünftige Ernährung achten. So bekommt der Körper alles, was er braucht. „Es macht übrigens keinen Sinn, Vitamine auf Vorrat zu essen. Nur, was immer aktuell ausreichend zur Verfügung steht, wird auch sinnvoll verwertet“, so Johannes Hunger.

Das Vitamin allein nützt wenig

In den letzten Jahren ist in der Wissenschaft die Erkenntnis gereift, dass Vitamine allein uns nicht vor Krankheiten schützen. Es ist vielmehr ein komplexes Zusammenspiel von Vitaminen und anderen Stoffen wie Antioxidantien, Zink, Selen, Flavonoiden, die unserem Körper helfen. Deshalb macht es auch kaum Sinn, Vitamine in Tabletten- oder Pulverform pur zu sich zu nehmen. Lassen Sie sich also nicht von der Werbung verleiten, für teures Geld Vitamine und andere Nahrungsergänzungen zu kaufen, wenn Sie nicht absolut sicher sind, dass Sie es brauchen.

Vitaminmangel diagnostizieren lassen

Bevor Sie zusätzliche Vitamine kaufen, sollte zunächst erstmal festgestellt werden, ob überhaupt ein Vitaminmangel besteht. Dazu unser Experte: „Das sollten Sie von einem Arzt machen lassen. Mit einem einfachen Bluttest bekommen Sie das schnell raus. Allerdings ist die Bewertung Ihrer Daten und die Folgerung, ob der entsprechende Grenzwert für Sie persönlich bindend ist oder nicht, schwierig.“ Das heißt, selbst wenn ein Arzt feststellt, dass Ihr entsprechender Vitaminwert unter dem offiziellen Grenzwert liegt, muss bei Ihnen noch kein Mangel vorliegen. Umgekehrt gilt: Liegen Ihre Befunde innerhalb der Grenzwerte, kann es für Sie persönlich doch zu wenig sein. Bei begründetem Verdacht auf einen Mangel suchen Sie am besten einen Spezialisten, wie zum Beispiel einen Endokrinologen auf.   

So kommen Sie gesund durch den Winter

Obst und Gemüse
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Wenn Sie es also schaffen, sich von gesunden Lebensmitteln ausgewogen zu ernähren, wenn Sie fünf Portionen Obst und Gemüse in ihre tägliche Ernährung einbauen, dann sind Sie mit allen wichtigen Stoffen mehr als ausreichend ernährt. Nur wer eine bestimmen Krankheit hat, die mit Mangelerscheinungen einhergeht, wer schwanger ist, besonderen Belastungen ausgesetzt oder in der Rehabilitation, dem können zusätzliche Vitamine tatsächlich helfen, bestimmte Defizite auszugleichen. Das allerdings sollte nur ein Arzt nach einer gründlichen Untersuchung und Nährstoffanalyse entscheiden. Nehmen Sie Vitaminpräparate ohne Bedarf über längere Zeit, sonst drohen unter Umständen zum Beispiel Nierenschäden. Fallen Sie auf keinen Fall auf Lifestyle-Werbung herein, die in letzter Zeit besonders in den Sozialen Medien kursiert. „Viele der dort fast schon freundschaftlich und persönlich empfohlenen Produkte sind das Geld nicht wert und enthalten oft nur wenige wirksame Stoffe“, warnt Ernährungsberater Johannes Hunger.

Für ein starkes Immunsystem sollten Sie darüber hinaus ausreichend schlafen, sich viel an der frischen Luft bewegen und möglichst wenig stressen. Planen Sie ausreichend Erholungsphasen für Körper und Geist ein.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 18. Dezember 2018 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Dezember 2018, 00:10 Uhr