Umschau-Quicktipp | 14.03.2019 Was ändert sich bei Volljährigkeit?

Geburtstagskerzen brennen 1 min
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Endlich 18! Endlich machen können, was man will. Auto fahren, Alkohol trinken, Party bis in die Puppen. Eltern können einem nichts mehr vorschreiben. Doch ist das tatsächlich so? Was sich mit der Volljährigkeit an Rechten und Pflichten für die jungen Erwachsenen ändert, erfahren Sie jetzt.

Wann ist man volljährig?

Das Bürgerliche Gesetzbuch definiert in Paragraph 2 ganz klar: Volljährig ist man mit Vollendung des 18. Lebensjahres. Offiziell gilt man damit nicht mehr als Kind, Jugendlicher oder Heranwachsender, sondern als Erwachsener.

Wie Volljährige per Gesetz behandelt werden

Volljährige sind strafmündig, und zwar in vollem Umfang. Teilweise kann man aber auch schon ab dem 14. Lebensjahr für seine Taten zur Verantwortung gezogen werden. Allerdings gelten junge Erwachsene bis zum 21. Lebensjahr immer noch als Heranwachsende im strafrechtlichen Sinn. Das heißt, kommen sie vor Gericht, wird beachtet, wie weit sie wirklich geistig und moralisch entwickelt sind. Sehen die Richter da noch Defizite, können auch 18-Jährige noch nach dem Jugendstrafrecht und damit in der Regel milder abgeurteilt werden. Volljährige können einen Anwalt selbst bestellen und wenn nötig, einen Prozess führen. Außerdem dürfen sie ein Testament schreiben, erben und auch ein Erbe ausschlagen.

Was Volljährige dürfen

Im Prinzip kann man ab dem 18. Geburtstag alles machen, was Erwachsene eben so dürfen. Volljährige sind für Ihre Geldgeschäfte und Verträge voll verantwortlich, dürfen ohne Einschränkungen heiraten und eine Firma gründen. Lediglich Kinder dürfen sie noch nicht adoptieren, das geht erst ab 25.

Die wichtigsten neuen Freiheiten im Überblick:

  • Auto fahren: Haben 18-Jährige den Führerschein bestanden, können sie auch ohne Begleitung (wie noch beim Führerschein mit 17 nötig) mit dem Auto am Straßenverkehr teilnehmen. Es gelten aber für Fahranfänger zwei Jahre lang verschärfte Regeln in Sachen Geschwindigkeit und Alkohol.
  • Alkohol: Es gibt keine Beschränkungen mehr, was Kauf und Konsum betrifft.
  • Arbeitszeit: Volljährige dürfen 40 Stunden pro Woche arbeiten, auch in Schicht- oder Wochenenddiensten.
  • Ehe: Volljährige dürfen heiraten. Wer schon eher möchte, der kann auch schon ab 16 Jahren heiraten. Das geht allerdings nur, wenn einer der Partner mindestens 18 Jahre alt ist und das Familiengericht der Angelegenheit zustimmt.
  • Schule und Lehre: Volljährige sind nun unterschriftsberechtigt und auch verpflichtet. Das heißt: Zeugnisse, Entschuldigungen und andere Dokumente müssen nicht mehr den Eltern vorgelegt, sondern können selbst unterschrieben werden.
  • Verträge: Volljährige sind mit 18 Jahren voll geschäftsfähig, können also einen Kredit aufnehmen, Kaufverträge abschließen und auch Versicherungsverträge eingehen. Sie können eine Firma gründen und leiten.
  • Wählen: Spätestens ab 18 Jahren kann man in allen Bundesländern an der Landtagswahl teilnehmen, ebenso an der Bundestagswahl. In einigen Bundesländern dürfen Jugendliche schon ab 16 an den Landtagswahlen teilnehmen.
  • Gewählt werden: Dieser als passives Wahlrecht bezeichnete Vorgang bedeutet, dass man sich ab dem 18. Lebensjahr in politische Ämter wählen lassen kann. Einzige Ausnahme ist derzeit das Bundesland Hessen, dort geht das erst ab dem 21. Geburtstag.

Was 18-Jährige nun müssen

Mit der vollen Geschäftsfähigkeit sind sie ab sofort verantwortlich für die von ihnen abgeschlossenen Verträge. Wer jetzt also Schulden macht oder die Miete nicht bezahlt, hat das Problem auf seiner Seite. Die Eltern haften nicht mehr dafür. Ausnahmen bilden Geschäfte, wie etwa Handyverträge, die Jugendliche vor dem 18. Geburtstag abgeschlossen haben. Sollten sie durch solche Verträge finanzielle Probleme bekommen, dann können sie die ab dem 18. Geburtstag unter bestimmten Umständen widerrufen. Alle persönlichen, ordnungsrechtlichen Dinge wie Pass- und Ausweisangelegenheiten und Wohnortanmeldung müssen die jungen Erwachsenen jetzt selber klären.

Was 18-Jährige noch nicht dürfen

Für die Übernahme bestimmter öffentlicher Ämter gibt es festgesetzte Mindestalter. Wollen Volljährige als Schöffe bei Gericht arbeiten, müssen sie mindestens 25 Jahre sein. Als Richter müssen sie bei bestimmten Gerichten 35 beziehungsweise 40 Jahre sein. Als Vormund eines Adoptivkindes müssen sie mindestens 25 Jahre alt sein und wenn Volljährige ein Kind ihres Ehepartners annehmen wollen, dann erst ab 21 Jahren.

Wie Volljährige versichert sind

Theoretisch können Volljährige sich nun überall selbst versichern. Aber gerade, wenn sie noch in Schule, Lehre oder Studium stecken, macht es Sinn, bei den Eltern mitversichert zu bleiben. Das geht kostenlos bis zum 25. Lebensjahr bei der gesetzlichen Krankenversicherung. Auch bei der privaten Haftpflichtversicherung, der Rechtsschutzversicherung, der Hausratsversicherung und der Auslands-Krankenversicherung gibt es die Möglichkeiten, bei den Eltern versichert zu bleiben. Die Altersgrenzen und Voraussetzungen unterscheiden sich teilweise sehr stark unter den verschiedenen Anbietern. Dazu informiert man sich am besten bei  einem Versicherungsvertreter.

Wer für den Unterhalt aufkommt

Verdienen Volljährige noch kein eigenes Geld, müssen die Eltern für ihren Unterhalt aufkommen. Die Eltern müssen dann das Kindergeld neu beantragen und bekommen es selber, allerdings zur Verwendung für ihr Kind. Die Eltern müssen ihre Kinder solange unterstützen, bis eine Berufsausbildung oder ein Studium abgeschlossen ist. Eins von beidem reicht. Wenn allerdings die Lehre unmittelbare Voraussetzung für ein Studium ist und zeitlich alles in einer sinnvollen Reihenfolge liegt, dann kann es unter Umständen sein, dass die Eltern ihre Kinder bis zum Ende des Studiums unterstützen müssen. Wichtig: Die Kinder müssen sich erkennbar um eine Lehre oder Studium bemühen. Einfach in der Welt herumreisen oder gar nichts machen und auf die Unterstützung der Eltern pochen, geht nicht.

Antrag auf Festsetzung von Unterhalt.
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Der Unterhalt, den die Eltern ihren Kindern schulden, ist ein so genannter Bar-Unterhalt. Das heißt, die Kinder haben Anspruch auf Geld. Die Kinder sollen mit diesem Bar-Unterhalt die Möglichkeit bekommen, ihren Lebensort selbst zu bestimmen und zu finanzieren. Die genaue Höhe des Bar-Unterhaltes richtet sich nach der Düsseldorfer Tabelle und hängt unter anderem vom Alter des Kindes, vom Einkommen der Eltern und von einem eventuellen Lehrgeld des Kindes ab. Der Bar-Unterhalt kann aber mit dem Naturalunterhalt (Essen und Unterkunft) verrechnet werden. Bei Streitigkeiten sollten sich beide Parteien unbedingt beraten lassen. Jugendamt, Familienkasse und auch das Jobcenter können hier weiterhelfen.

Wer im Elternhaus das Sagen hat

Der berühmte Spruch: "Solange Du Deine Füße unter meinen Tisch steckst ..." beinhaltet tatsächlich eine große Portion Wahrheit, sogar über den 18. Geburtstag hinaus. Solange Kinder nämlich bei ihren Eltern wohnen, haben sie sich im Prinzip nach deren Regeln zu richten. Das sogenannte Hausrecht wird vom Wohnungsmieter oder auch Hauseigentümer ausgeübt. Nun dürfen Eltern zwar nicht vorschreiben, mit wem die Kinder befreundet sind oder wann sie ins Bett gehen, wohl aber, wer im Haus ein- und ausgeht und wann sie ihre Ruhe haben wollen. Halten sie sich nicht an die elterlichen Regeln in der elterlichen Wohnung, dürfen die Eltern ihr volljähriges Kind schlimmstenfalls vor die Tür setzen. Wohnen junge Erwachsene noch zu Hause und verdienen schon eigenes Geld, können sie nicht zur Abgabe von Kostgeld gezwungen werden. Gesetzliche Regelungen oder verbindliche Verpflichtungen dazu gibt es nicht. Eine Beteiligung an der Haushaltskasse halten Experten allerdings für durchaus angemessen. Wie hoch die ausfallen könnte, klären Eltern und Kind am besten im gemeinsamen Gespräch.

Wie Volljährige zu Hause helfen müssten

Der Paragraph 1619 aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch schreibt jungen Erwachsenen tatsächlich vor, auch nach dem 18. Lebensjahr zu Hause zu helfen, wenn sie denn da noch wohnen. Zitat: "Das Kind ist, solange es dem elterlichen Hausstand angehört und von den Eltern erzogen oder unterhalten wird, verpflichtet, in einer seinen Kräften und seiner Lebensstellung entsprechenden Weise den Eltern in ihrem Hauswesen und Geschäft Dienste zu leisten." Eine rechtliche Durchsetzung erscheint allerdings äußerst fraglich. Darüber hinaus entbindet eine Verweigerung die Eltern nicht von der Unterhaltspflicht.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 14. März 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. März 2019, 00:10 Uhr