Umschau-Quicktipp | 12.03.2019 Was bringen Migränespritzen?

Junge Frau mit Migräne 1 min
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Migräne ist eine der gemeinsten Kopfschmerzarten. Um die 15 Prozent aller Deutschen leiden darunter. Manche nur selten, andere haben bis zu 20 Attacken im Monat. Medikamente können helfen, oftmals aber nur, wenn die Attacke schon im Anmarsch oder gänzlich da ist. Eine neue Art der Behandlung soll vorbeugend helfen. Wie die Migränespritze funktioniert und für wen sie in Frage kommt, erfahren Sie jetzt.

Was ist Migräne?

Migräne
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Unter den rund 360 Kopfschmerzarten zählt Migräne zu den sogenannten primären Kopfschmerzen. Sie entsteht im Kopf selbst, hat keine erkennbaren äußeren Ursachen. Oftmals ist sie erblich bedingt. Migräne gibt es in rund 45 Erscheinungsformen mit ganz unterschiedlichen Auswirkungen. Bei manchen Betroffenen äußert sich eine Migräneattacke in "nur" starken Kopfschmerzen. Andere leiden zusätzlich noch unter Schwindel, Übelkeit, Wortfindungs- und Sehstörungen. Eine Migräneattacke kann von 4 Stunden bis zu drei Tagen dauern. Ebenso unterschiedlich sind die Verhaltensweisen der Betroffenen, um die Attacke durchzustehen: Manche kommen mit viel Bewegung an der frischen Luft aus, viele andere müssen die Attacke in absoluter Ruhe und oft noch einem möglichst dunklem Raum aushalten. Oftmals sind Migräneattacken nicht vorhersehbar. Das macht den Alltag der Betroffenen schlecht planbar und kann zu Depressionen, Angsterkrankungen und anderen Folgekrankheiten führen. Es sind dreimal mehr Frauen als Männer betroffen.

Wie entsteht die Migräne?

Bei Betroffenen werden bestimmte Regionen am Stammhirn, ganz zentral im Kopf, überreizt. Äußerer und innerer Stress setzen dabei Botenstoffe frei. In der Fachsprache heißen die Calcitonin-Gene-Related-Peptide, kurz CGRP. Diese CGRP verursachen an Blutgefäßen der Hirnhaut eine Entzündung. Daraufhin schwellen diese Blutgefäß an und das führt zu den pochend oder stechend empfundenen Schmerzen. Erst wenn diese Entzündungssymptome abklingen, die Botenstoffe abgebaut wurden, lässt die Attacke nach, der Kopfschmerz und die anderen Begleiterscheinungen verschwinden.    

Wie wird Migräne bisher behandelt?

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  • Bekämpfen der Attacke: Dabei nehmen die Betroffenen klassische Kopfschmerzmedikamente oder spezielle Migränemittel, sogenannte Triptane. Die Mittel werden bei den ersten Anzeichen oder direkt während der Attacke eingenommen. Sie unterdrücken den Schmerz und können in gewissem Maß auch entzündungshemmend wirken. Bei vielen Betroffenen wirken diese Mittel sehr zuverlässig. Wichtig: Die Einnahme sollte immer mit einem Spezialisten abgesprochen werden. Experten empfehlen, an höchstens zehn Tagen im Monat ein Schmerzmittel zu nehmen. Es besteht nämlich die Gefahr, von den Schmerzmitteln abhängig zu werden. Außerdem kann es zu Nebenwirkungen wie Schwindel und Übelkeit kommen. Schlussendlich bekämpfen diese Medikamente die Auswirkungen, nicht aber die Ursache von Migräne.
  • Attacken vorbeugen: Eher per Zufall wurde entdeckt, dass Betablocker bei manchen Migränearten vorbeugend wirken können. Normalerweise werden diese Medikamente bei Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck oder Depressionen verschrieben. Bei Migräne können Sie aber auch die Auslöser einer Attacke, die sogenannten Trigger dämpfen oder verhindern. Gleiches Ziel haben auch vorbeugende Verhaltensweisen wie Sport, Entspannungstherapien und ein möglichst stressfreier, geregelter Tagesablauf.

Migränespritzen als neue Therapieform?

Unter dem Medikamentennamen Aimovig ist seit November 2018 der Wirkstoff Erenumab als Injektionslösung zur Behandlung freigegeben. Ein zweites, gerade zugelassenes Medikament heißt Emgality, es enthält den Wirkstoff Gacanezumab. Weitere Medikamente stehen vor der Zulassung. Die Wirkstoffe greifen als Antikörper den Botenstoff CGRP an, sie blockieren seine Rezeptoren oder greifen ihn direkt an. Damit sollen die Medikamente im Vorfeld die entzündlichen Prozesse an den Blutgefäßen im Stammhirn verhindern. Die schwellen nicht mehr an, es kommt nicht zur Attacke. Neu dabei ist: Die Medikamente sind erstmals direkt zur Migränevorbeugung entwickelt worden. Sie werden monatlich, mit einer kleinen Spritze vom Patienten selbst unter die Haut gespritzt.

Wie gut helfen die neuen Wirkstoffe?

Die Wirkstoffe können Migräneattacke tatsächlich verhindern. Aber: Die Mittel helfen nur teilweise. In den ersten klinischen Studien der Hersteller konnte die Zahl von Migräneattacken im Monat im Schnitt um ein bis drei Stück gesenkt werden. Bei bis zu 20 Prozent der Behandelten konnten Attacken nach der Behandlung ganz verhindert werden. Bei der Hälfte alle Studienteilnehmer zeigte sich hingegen gar keine ausreichende Wirkung. Trotzdem sind die Mittel für viele Betroffene ein Lichtblick. Denn die Studien haben auch ergeben, dass Menschen, die besonders viele und heftige Attacken erleben und bei denen andere Medikamente kaum noch wirken, besonders gut auf die neuen Wirkstoffe reagieren. Und: Im Verhältnis betrachtet sind drei Attacken von mehreren Tagen Dauer weniger im Monat ein großer Gewinn an Lebensqualität. Die Medikamente wirken oft schon nach ein paar Stunden bis Tagen.  Sie haben deutlich weniger Nebenwirkungen; Rückenschmerzen und mitunter grippeähnliche Symptome wurden bisher beschrieben. Es fehlen allerdings aussagekräftige Langzeitstudien.

Was kosten die neuen Medikamente und wer zahlt?

Rund 500 Euro kostet im Moment eine Behandlung pro Monat mit den neuen Wirkstoffen. Die Hersteller empfehlen den Krankenkassen nur in Ausnahmefällen eine Übernahme der Kosten. Als Betroffener haben Sie Chancen auf Kostenerstattung, wenn:

  • andere Medikamente kaum oder nicht wirken
  • Sie auf andere Therapien mit starken Nebenwirkungen reagieren
  • Sie besonders häufig und stark unter Migräneattacken leiden

Setzten Sie sich immer mit Spezialisten, Fachärzten und speziellen Schmerzzentren in Verbindung, um herauszufinden, ob eine Migränespritze bei Ihnen eingesetzt werden kann.

Fazit

Die neuen Migränespritzen können die Ursache von Migräneattacken bekämpfen. Sie wirken nicht bei allen Patienten, kommen aber gerade bei schweren Fällen erfolgreich zum Einsatz. Um die Medikamente von der Krankenkasse bezahlt zu bekommen, brauchen Sie die Beratung durch einen Spezialisten.  

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 12. März 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. März 2019, 00:10 Uhr