Umschau-Quicktipp | 03.01.2018 Widerruf beim Onlinekauf: Das müssen Sie wissen

Der Onlinehandel boomt. Laut statistischem Bundesamt werden pro Jahr allein in Deutschland Waren für 48 Milliarden Euro im Internet gekauft. Ärgerlich nur, wenn Ihnen die Ware dann nicht gefällt. Zum Glück können Sie den Onlinekauf nach den Vorschriften über die sogenannten Fernabsatzverträge innerhalb von zwei Wochen widerrufen und die Ware zurückschicken. Doch dabei müssen Sie einiges beachten.

Darum gibt es das Widerrufsrecht

Als Onlinekunde haben Sie im Normalfall nicht die Möglichkeit, die Ware vor dem Kauf genau zu untersuchen und aus- oder anzuprobieren: Dinge, die Sie in einem Geschäft ganz selbstverständlich tun können. Von ein paar Fotos im Web können Sie sich auch nicht immer umfassend ein Bild machen. Deshalb hat der Gesetzgeber verfügt, dass Sie online georderte Waren ohne Angabe von Gründen zurückschicken können. Das gilt grundsätzlich auch für Waren, die Sie auf Internetauktionen ersteigert haben. Es gibt allerdings Produkte, die davon ausgenommen sind, und auch bei den Rücksendekosten gibt es Unterschiede von Händler zu Händler. 

So nutzen Sie das Widerrufsrecht praktisch

Allgemeine Geschäftsbedingungen
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Jeder Onlinehändler muss  Sie in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen auf Ihr Widerrufsrecht hinweisen. Kommt er dem nach, gilt für Sie eine 14-tägige Widerrufsfrist. Finden Sie in den AGBs keinen Hinweis zum Widerrufsrecht, haben Sie über ein Jahr Zeit, den Kauf rückgängig zu machen. Die Widerrufsfrist beginnt genau am dem Tag, an dem Sie Ihre Ware vollständig und in vereinbartem Zustand erhalten haben. Das gilt auch, wenn zum Beispiel der Nachbar die Ware für Sie in Empfang nimmt. Wollen Sie das Widerrufsrechts schließlich ausüben, nutzen Sie am besten die Vorlage, die der Händler in den AGBs zur Verfügung stellen muss. Sie können den Widerruf aber auch anderweitig mitteilen. Entweder nutzen Sie diese oder Sie teilen den Widerruf dem Händler anderweitig schriftlich mit. Es geht auch telefonisch, das ist aber im Streitfall praktisch schwer nachzuweisen. Ab dem Moment, indem Sie Ihren Widerruf nachweisbar abgegeben haben, beginnt eine 14 tägige Rückgabepflicht. Auch die haben Sie erfüllt, wenn Sie nachweisen können, dass Sie eine Ware innerhalb von 14 Tagen abgeschickt haben. Wie lange die Ware mit der Post dann noch unterwegs ist, ist für Sie nicht wichtig. Auch eine Beschädigung oder gar der Verlust der Ware auf dem Rücktransport kann Ihnen nicht zur Last gelegt werden.

Freiwillige Rückgabegarantien

Unabhängig von der gesetzlichen Widerrufsfrist bieten Händler auch eigene Rückgabefristen. Unter bestimmten Voraussetzungen kann dann die Ware sogar bis zu 365 Tage nach Kauf zurückgegeben werden.

Rücksendekosten und die 40-Euro-Klausel

Bis zum Jahr 2014 waren Händler noch verpflichtet, die Rücksendekosten bei einem Warenwert von über 40 Euro selbst zu übernehmen. Rein rechtlich sind sie das jetzt nicht mehr. Theoretisch könnten sie also alle Rücktransportkosten auf den Kunden abwälzen. „In der Praxis machen das die Händler aber eher selten und übernehmen meist auch die kompletten Rücksendekosten. Sie müssen den Käufer über Ihre Geschäftspraxis ganz eindeutig in den AGBs informieren“, erklärt Michael Hummel, Rechtsexperte der Verbraucherzentrale Sachsen. An der ehemaligen 40-Euro-Klausel hat sich auch der Onlineriese Amazon orientiert. Er hat eine solche wieder in seine AGBs aufgenommen und diese an bestimmte Bedingungen geknüpft. Für Kunden steckt hier der Teufel im Detail, denn es können auch für Rücksendungen, die über einem Gesamtwarenwert von 40 Euro liegen, Kosten anfallen. Lesen Sie also bei einer Bestellung ganz genau in den Geschäftsbedingungen ´s unter Widerrufsrecht/Klausel nach, wie der Händler die Sache handhabt. „Sonst bleiben Sie als Kunde auf den Kosten sitzen“, warnt der Experte. Das ist vor allem wichtig, wenn Sie Großgeräte wie Waschmaschinen oder Geschirrspüler odern, denn der Rücktransport inklusive Verpackung, zum Beispiel durch eine Spedition, kann dann ziemlich teuer werden.

 Laden oder Lieferservice

Bei einer Bestellung im Internet macht es keinen Unterschied, ob Sie die Ware geliefert bekommen oder bei einem stationären Händler des Verkäufers abholen können. Auch hier gilt das Fernabsatzgesetz, das Widerrufsrecht bleibt bestehen. „Wichtig ist nur, dass Sie das Geschäft online abgeschlossen haben und so vor dem Vertragsabschluss keine Chance auf genaue Besichtigung hatten“, so Michael Hummel.

Das können Sie nicht zurückschicken

Grundsätzlich können Sie alle Waren zurückschicken, die sich vom Händler ohne große Mühe und Wertverlust weiterverkaufen lassen. Deshalb sollten Sie beim Auspacken immer sehr sorgsam vorgehen und die Waren nicht beschädigen. Lebensmittel und Waren, die schnell verderben, müssen die Händler nicht zurücknehmen. Gleiches gilt für Waren, die nach dem Auspacken untrennbar miteinander vermischt werden und nicht in den Ursprungszustand zurückversetzt werden können, weil Teile voneinander gelöst wurden usw.

Sonderfall Hygiene-Artikel

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Waren, die aus Hygiene- und Gesundheitsgründen versiegelt sind, können Sie nicht zurückschicken, wenn das Siegel zerstört wurde und einem nächsten Kunden kein hygienisch einwandfreier Gebrauch mehr möglich ist. Das gilt zum Beispiel auch für Erotikartikel, die aus der Originalverpackung entfernt wurden.

Sonderfall versiegelte Ware

Auch andere versiegelte Produkte wie etwa DVDs , Computerprogramme oder CDs können Sie mit angebrochenem Siegel nicht zurückschicken. Dabei muss ein Siegel als solches erkennbar sein und darf nicht etwa nur aus einer Folienverpackung bestehen. Achtung: Bei den oben genannten Produkten gibt es laut unserem Experten noch eine Besonderheit: „Bei Datenträgern kommt es auch darauf an, ob Sie die soweit ausgepackt haben, dass sie benutzt und theoretisch auch ausgelesen werden konnten.“

Sonderfall persönliche Anfertigungen

Schwierig ist auch die Rücksendung von Waren, die für Sie extra konfektioniert, also auf Ihre Größe und Bedürfnisse zugeschnitten wurden. Hier gibt es aber deutliche Unterschiede. Ein Laptop oder Computer, der nach Ihren Wünschen zusammengestellt wurde, kann vom Verkäufer auch wieder in Einzelteile zerlegt und ohne Probleme weiterverwendet werden. Anders bei einem Möbelstück, bei dem Sie sich die Farben und Formen aussuchen durften. Ergeben sich dort sehr viele Möglichkeiten der Zusammenstellung und lässt sich das nicht wieder auseinander bauen, muss der Händler nicht darauf warten, dass exakt dasselbe Möbelstück einem anderen Kunden gefällt. Hier können Sie das Widerrufsrecht nicht wahrnehmen. Liegen bei der persönlichen Anfertigung lange Lieferzeiten vor, dann können Sie davon ausgehen, dass die Ware tatsächlich für speziell Sie angefertigt wird. 

Über dieses Thema berichtet auch MDR JUMP am Vormittag | 03.01.2017 | 9:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Januar 2018, 09:50 Uhr