Umschau-Quicktipp | 18.10.2018 WLAN-Verstärker für zuhause: Welche funktionieren wirklich?

Ein WLAN in den eigenen vier Wänden ist für viele selbstverständlich: Dabei sorgt ein Router für die Verbindung zum Internet. Über Funk kann man mit Smartphone, Tablet und Laptop kabellos online gehen. Filme und Musik aus dem Netz oder Onlinespiele laufen aber nur dann ohne Probleme, wenn man überall in der Wohnung oder im Haus einen guten WLAN-Empfang hat. Den können schon Wände, Möbelstücke oder auch Heizkörper empfindlich stören. Für solche Fälle gibt es WLAN-Verstärker. Wir klären mit Markus Pritsch von Stiftung Warentest, für wen welche Geräte die richtigen sind.

Wie gut ist der WLAN-Empfang?

Bevor WLAN-Nutzer Geld für zusätzliche Technik ausgeben, können sie zunächst das eigene Funknetzwerk optimieren. Häufig reicht das schon, um die lahmende Datenverbindung in manchen Ecken der Wohnung abzustellen. „Erstmal sollte ich wissen, wo überhaupt die Funklöcher sind. Dafür gibt es verschiedene Apps, die man aufs Smartphone runterladen kann. Mit denen kann man das messen“, sagt Stiftung Warentest-Experte Markus Pritsch. Kostenlos erhältlich sind etwa Wifi Analyzer (für Android), Heatmapper (Android und iOS) oder  FRITZ!App WLAN (Android und iOS). Einige dieser Programme zeigen zusätzlich auch an, ob andere Netzwerke vom Nachbarn das eigene WLAN stören.

Tipps fürs Optimieren

1 - „Meist haben die Router Antennen, die man verstellen kann“, sagt Markus Pritsch. Auch der Standort des Routers spielt eine wichtige Rolle. Der sollte möglichst nicht in Ecken oder Nischen stehen. „Den kann man auch hochkant an die Wand montieren und holt so vielleicht ein, zwei Meter mehr WLAN-Empfang raus“, sagt unser Experte.

2 – Oft stören Netzwerke der Nachbarn den eigenen Empfang. Bei vielen Routern lässt sich in den Einstellungen die Funktion „automatisch nach freien Funkkanälen suchen“ aktivieren. Dann weicht das Gerät auf einen Kanal mit wenigen Störungen aus.

3 – Viele aktuelle Router können im Frequenzbereich um fünf Gigahertz funken. Dieser Bereich wird weniger genutzt als die Frequenzen um 2,4-Gigahertz, die viele vor allem ältere Router für das WLAN nutzen. Alternativ kann man beim eigenen Internetanbieter nachfragen, ob der nach einigen Jahren Vertragslaufzeit mal ein neues Gerät „rausrückt“.

4 – Die Betriebssoftware auf dem Router sollte aktuell sein. Dann ist das Gerät einmal so sicher wie möglich gegen Hacker. Zum anderen werden dabei oft „Bremser“ ausgemerzt. Dafür sollte in den Geräteeinstellungen die Suche nach automatischen Updates aktiviert sein. Auf die Einstellungen kann man in der Regel vom Computer aus zugreifen.  

Welche WLAN-Verstärker gibt es?

Aktuell können drei verschiedene Systeme ein WLAN verbessern: Repeater (repeat steht für: wiederholen) empfangen die Signale vom Router und verstärken sie einfach. Damit wird die Reichweite des Funknetzwerks vergrößert. Dafür ist in der Regel nur ein Repeater nötig, der an der nötigen Stelle in die Steckdose kommt. Das kann das Ende eines langen Flurs sein oder das Ende einer Treppe im Haus. Auch sogenannte Mesh-Systeme arbeiten mit Funk. „Bei diesem System schalte ich das WLAN meines Routers komplett ab und baue ein neues WLAN auf. Das heißt, ich muss mir mindestens zwei oder drei Zusatzpunkte kaufen, die ich auch in die Steckdose stecke“, sagt Markus Pritsch. Das neugeschaffene WLAN-Netz (mesh steht im Englischen für Netz oder Gewebe) kann dann im Idealfall die ganze Wohnung oder das Haus abdecken. Powerline-Technik (Powerline = Stromleitung) schließlich ist eher etwas, um sehr große Entfernungen zu überbrücken oder abgelegene Keller oder Garagen mit WLAN zu versorgen. „Da läuft die Datenübertragung über das Stromkabel. Direkt am Router gehen über einen speziellen Stecker, einen Powerline-Adapter, meine Daten in meinen Stromkreis rein“, sagt unser Experte. An einem anderen Punkt in der Wohnung oder im Haus werden die Daten durch einen zweiten Powerline-Adapter vereinfacht gesagt wieder in Funkdaten „umgewandelt“ und wieder ein WLAN aufgebaut.

Repeater

Pärchen entspannt mit Kopfhöreren auf einer Couch.
Bildrechte: imago/Westend61

Gute Repeater gibt es ab 60 Euro aufwärts. Die Geräte können laut Stiftung Warentest die Reichweite eines WLANs in etwa verdoppeln. Daher reicht in der Regel ein Repeater für eine größere Wohnung aus. Das System hat aber einen Nachteil: Vereinfacht gesagt senden Router und Repeater parallel. Ein Smartphone beispielsweise kann sich an beiden Geräten ins WLAN einloggen. „Wenn ich mich dann in der Wohnung bewege und der Empfang am Smartphone aktiv ist, bleibt das eventuell am schwächeren WLAN-Punkt hängen“, sagt Markus Pritsch. In der Praxis zieht dann das Smartphone weiter seine Daten vom Router, obwohl der Nutzer inzwischen viel näher am Repeater steht. „Da hilft es einfach, das WLAN am Gerät kurz an- und auszuschalten“, sagt unser Experte. In vielen Beiträgen zu WLAN-Verstärkern steht, dass ein Repeater „die Bandbreite halbiert“. Das klingt so, als würde mit der Technik die Geschwindigkeit des Internetanschlusses herabgesetzt – aus 16 Mbit/s via DSL würden dann 8 Mbit/s. „Beim Halbieren der Bandbreite geht es aber um die Geschwindigkeit vom WLAN und das sendet mit 100 Mbit“, sagt Markus Pritsch. Damit empfängt der Router im Beispielfall weiter Daten mit 16 Mbit/s aus der Dose in der Wand – der Repeater schickt sie aber mit 50 statt 100 Mbit/s an die Geräte weiter. „Das reicht immer noch aus, um etwa zwei Fernseher mit Filmen über Stream zu versorgen“, sagt unser Experte.

Mesh-Systeme

Mit Preisen ab 120 Euro sind Mesh-Systeme etwas teurer als reine Repeater. Das von den Zusatzgeräten aufgebaute Mesh-WLAN soll aber immer eine optimale Verbindung liefern, werben die Anbieter. Smartphone oder Computer empfangen ihre Daten immer von dem Mesh-Knoten mit der besten Verbindung. „Das haben wir getestet: Wir haben auf einem Tablet einen Film geschaut und sind damit umhergelaufen. Und da hakt dann wirklich nichts“, sagt Markus Pritsch. In der Praxis würden Nutzer aber eher selten durch die Wohnung gehen und dabei etwas ansehen. Zudem kritisieren die Tester, dass die Mesh-Systeme bei den Datenübertragungsraten etwas schlechter als Repeater sind. Im direkten Vergleich würden die Tester daher eher zu Repeatern raten.

Powerline-Technik

Sets mit zwei oder mehr Powerline-Adaptern kosten ab 135 Euro aufwärts. „Das lohnt sich nur, wenn ich längere Strecken überbrücken will. Oder wenn im Haus oder in der Wohnung bauliche Probleme den WLAN-Empfang stören. Dann kann ich übers Stromkabel gehen“, sagt Markus Pritsch. So könnten etwa das Gartenhaus, die Garage oder auch ein Dachgeschoss ans Internet über WLAN angebunden werden. Im Test funktionierte die Datenübertragung über die Stromleitung allerdings nur dann optimal, wenn die genutzten Steckdosen in einem Stromkreis lagen.

Stromrechnung geht hoch

Bei den WLAN-Verstärkern sollten Nutzer mit höheren Stromkosten rechnen. „Bei manchen Powerline-Lösungen, aber auch bei einigen Mesh-Systemen hatten wir beim Strom Mehrkosten von bis zu 30 Euro im Jahr. Bei den Repeatern sind es sechs bis zehn Euro im Jahr zusätzlich“, sagt Markus Pritsch. Auch das habe der Test gezeigt: Wenn WLAN-Verstärker und Router vom gleichen Hersteller sind, klappt es am besten. „Die Geräte müssen auch miteinander kommunizieren und diverse Statusinformationen übertragen. Das setzt der eine oder andere Hersteller vielleicht anders um, und dann gibt es Probleme“, sagt Markus Pritsch. Lob der Tester gibt es beim Punkt Sicherheit: Aktuelle WLAN-Verstärker setzen wie die Router auch auf eine WPS-Verschlüsselung und schützen den Funkverkehr damit so gut wie möglich gegen Hackerangriffe.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 18. Oktober 2018 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Oktober 2018, 13:08 Uhr