Umschau-Quicktipp | 15.06.2018 WM-Spiele: Was ist am Arbeitsplatz erlaubt?

Fans in den Farben Schwarz-Rot-Gold und Deutschlandfahnen beim Jubel auf der Fanmeile 2 min
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Brasilien hat schon fünf Titel. Deutschland bisher „nur“ vier. Ab dem 14. Juni können wir dabei sein, wenn unsere Jungs Ihren Weltmeistertitel verteidigen und in der ewigen Bestenliste mit den Fußballern aus Südamerika gleichziehen. Einen Monat wird Deutschland wieder im Ausnahmezustand sein. Fußballgucken und  überall feiern, natürlich auch auf Arbeit. Oder kann der Chef da etwa was dagegen haben? So verhalten Sie sich mit Fußballfieber richtig am Arbeitsplatz.

Die gute Nachricht zuerst

Fußball Public Viewing Deutschland _ Frankreich am 07.07.2016 auf der Fanmeile in Berlin Fans der deutschen Mannschaft beim Public Viewing in Berlin
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Für normale Arbeitsverhältnisse, also alle Menschen ohne Schichtarbeit, sind die Spiele der deutschen Mannschaft fast immer zu machbaren Zeiten angesetzt. Sollten unsere Jungs bis zum Finale durchkommen, spielen Sie immer 16:00 Uhr, 17:00 Uhr, oder dreimal beziehungsweise viermal gar erst ab 20:00 Uhr unserer Ortszeit. Pech haben Sie aber eben genau dann, wenn Sie bis 16:00 Uhr arbeiten müssen oder gar Spät- oder Nachtschicht haben. Da müssen Sie auf einen kulanten Chef hoffen.

Die wichtigste Regel

Egal wer spielt, wie es steht und was sonst noch bei der WM passiert: Sie müssen während Ihrer Arbeitszeit Ihren Job in vollem Umfang, zuverlässig und ohne Gefährdung von sich oder anderen erledigen können. Wenn Sie zeitig genug mit Ihrem Chef reden, lässt sich sicher an der einen oder anderen Stelle mal eine WM-Pause einlegen. Ansonsten sind Sie aber während Ihrer Arbeitszeit an Ihren Arbeitsvertrag gebunden und müssen den erfüllen. Während der WM gelten also alle Vorschriften des Arbeitsrechts ganz normal weiter.

Während der Arbeit Fernsehen

Die private Nutzung von Computer oder Fernsehen in der Firma muss vom Chef ausdrücklich erlaubt sein. Die Übertragung oder der Live-Stream lenken Sie von der Arbeit ab und damit kommen Sie dem Arbeitsvertrag nicht mehr nach. Computer und Fernseher sind Firmeneigentum. Die dürfen Sie also nicht einfach für private Zwecke nutzen. Klären Sie frühzeitig mit Ihrem Chef, welchen Raum er den Mitarbeitern für das WM-Fieber gibt.

Radio oder Liveticker

In vielen Firmen ist Radiohören ausdrücklich erlaubt. Es ist ein sekundär genutztes Medium und hebt in den meisten Fällen die Stimmung und Arbeitslaune. Neben dem Radio können Sie schließlich ihren Job noch ganz normal erledigen. Achtung: Eine Fußballübertragung könnte dazu führen, dass es emotional wird und Sie abgelenkt werden. Da kann der Chef einschreiten. Sollten Sie auf Ihrem Handy einen Liveticker eingerichtet haben, der Sie über den aktuellen Torstand informiert, kann der Chef kaum etwas dagegen sagen, wenn es Sie nicht von der Arbeit ablenkt.

WM-Deko und Fankleidung am Arbeitsplatz

WM Socken
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Flaggen, Tröten und Girlanden machen den Arbeitsplatz doch erst so richtig WM-tauglich. Und dann noch mit Perücke und Fantrikot am Schreibtisch. Sollten Sie genau das vorhaben, sprechen Sie unbedingt mit Ihrem Chef. Er kann Ihnen zwar in der Regel nicht vorschreiben, was Sie anzuziehen haben, aber: Gibt es in Ihrer Firma genormte, einheitliche Arbeitskleidung oder müssen Sie für Ihre Arbeit spezielle Schutzkleidung tragen, können Sie das nicht ignorieren.

Auch bei Jobs mit Kundenkontakt, wie etwa in einer Bank, auf Behörden oder im Krankenhaus, sollten Sie unbedingt vor der WM klären, was die Leitung erlaubt und duldet. Grundsätzlich müssen Sie von Kunden als Mitarbeiter wahrgenommen werden können und Ihren Job in vollem Umfang ausüben.

Dienstkleidung wie etwa bei Polizeibeamten hat also immer Vorrang vorm WM-Trikot. Das Büro in ein deutsches Fahnenmeer zu verwandeln, geht ebenfalls nur mit Zustimmung des Chefs. Auch hier gilt: Es darf die Arbeit nicht behindern, Kunden nicht verwirren und auf keinen Fall Sicherheitseinrichtungen, wie etwa Feuermelder oder Feuerlöscher blockieren.

Urlaub während der WM

Grundsätzlich ist die Urlaubsplanung eine Sache zwischen Ihnen und Ihrem Chef. Sie können den Urlaub lange vorher planen, ihn aber auch kurzfristig beantragen. Der Chef muss Ihren Wunsch bei der Urlaubsplanung berücksichtigen. Allerdings spielen auch die Belange der Firma eine wichtige Rolle. Das heißt, der Arbeitsablauf muss gesichert sein. Kommen also viele Kollegen gleichzeitig auf die Idee,  sich fürs Endspiel am 15. Juli und den Tag danach frei zu nehmen, kann der Chef das ablehnen.

Einfach die Schicht tauschen?

Das geht nicht, ohne dass Sie den Chef davon informieren und der sein Okay gibt. Ihre Arbeitsleistung ist immer an Sie persönlich gebunden. Auch wenn es sehr bürokratisch klingt, aber Sie wurden schließlich genau wegen Ihrer Fähigkeiten und Kenntnisse eingestellt. Einzuschätzen, dass Ihr Kollege oder Ihre Kollegin Ihre Arbeit genau so gut kann, liegt also nicht in Ihrem Ermessen. Eine Schicht einfach mit einem Kollegen zu tauschen, kann im Ernstfall eine Abmahnung nach sich ziehen. 

Pünktlich zum Anstoß?

Zwei oder dreimal wird Deutschland um 16:00 Uhr unserer Zeit antreten. Das könnte knapp werden. Aber einfach eher vom Arbeitsplatz zu verschwinden, das geht natürlich nicht. Versuchen Sie mit Ihrem Arbeitgeber zu klären, ob Sie die Zeit nicht vor- oder nacharbeiten oder eventuell ein paar Überstunden abfeiern können.

(K)Ein Bierchen pro Tor

Es gibt kein grundsätzliches Alkoholverbot im deutschen Arbeitsrecht. Gerade bei Empfängen, Feiern oder anderen offiziellen Anlässen wird in vielen Firmen auch mal ein Glas Sekt gereicht. Das heißt aber nicht, dass Sie einfach während der Arbeit einfach mal ein Bierchen zischen dürfen. Genau geklärt sein sollte das in Ihrem Arbeitsvertrag. Gerade bei Jobs an Maschinen, im Verkehr oder mit Kundenkontakt verbietet sich Alkohol. Fragen Sie im Zweifel am besten den Chef, ob bei einem WM-Spiel und gemeinsamen Zuschauen mit den Kollegen ein Bier erlaubt ist. Trinken Sie soviel, dass Sie Ihren Job nicht mehr machen können, ist das ein Grund für eine Abmahnung. In manchen Firmen, in denen Alkohol am Arbeitsplatz ausdrücklich nicht erlaubt ist, können Sie im Ernstfall fristlos gekündigt werden.

Auch kein Restalkohol?

Auch das ist immer noch Alkohol im Blut. Wenn Sie also bei einem Spiel jedes deutsche Tor begießen und am nächsten Tag auf Arbeit müssen, erinnern Sie sich bitte an den 8. Juli 2014. Jenes denkwürdige Halbfinale der WM, bei dem Deutschland die Seleção aus Brasilien IN Brasilien mit 7:1 aus dem Turnier schoss. Wer dann noch bis in die Nacht feiert und am nächsten Tag mit Restalkohol am Arbeitsplatz erscheint, kann abgemahnt oder gar gefeuert werden.

Besser gleich krank machen?

Gestellte Szene: Mann liegt nach übermäßigem Alkoholkonsum auf einem Tisch .
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Im Notfall ja. Sollten Sie es übertrieben haben und sich am nächsten Tag nicht arbeitsfähig fühlen, gehen Sie lieber zum Arzt. Sie müssen allerdings den Chef unverzüglich davon informieren, dass Sie nicht auf Arbeit kommen werden. So hat er die Chance, die Arbeit anders zu organisieren. Die Krankschreibung bekommt der Chef spätestens nach drei Tagen, es sei denn, im Arbeitsvertrag steht es anders. Welche Krankheit Sie haben, erfährt der Chef nicht und er kann Sie auch nicht zwingen, ihm das mitzuteilen. Das ist aber alles kein Freibrief für Freibier ohne Ende, denn: Sie haben einen Arbeitsvertrag. Damit stellen Sie Chef oder/und Firma Ihre Arbeitskraft zu Verfügung. In Ihrer Freizeit haben Sie die Pflicht, sich zu regenerieren. Wenn Sie aber diese Zeit dazu nutzen, sich gesundheitlich zu schaden, kann auch das früher oder später ein Grund zu Abmahnung oder gar Kündigung sein. Kein Chef kann es sich leisten, dass seine Mitarbeiter öfter wegen eines Katers krank machen.      

Krank zum Public Viewing?

Das hängt ganz von Ihrer Krankheit ab. Sie können alles machen, was Ihrer Genesung nicht entgegensteht. Haben Sie also einen gebrochenen Arm oder ähnliches, können Sie damit durchaus zum großen Fußballgucken mit Freunden gehen. Ist Bettruhe verordnet, bleiben Sie im Bett!     

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 15. Juni 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Juni 2018, 00:10 Uhr