Umschau-Quicktipp | 12.12.2017 So machen Sie Ihre Wohnung kindersicher

Rund 200.000 Kinderunfälle ereignen sich jedes Jahr im häuslichen Bereich. Besonders betroffen sind die ein- bis zweijährigen Kinder. Selbst in einer gepflegten und aufgeräumten Wohnung lauern für den Nachwuchs viele Gefahren. So erkennen und beseitigen Sie die Unfallquellen.

Wo lauern Gefahren?

Um das abschätzen zu können, sollten Sie sich immer wieder neu in die Perspektive Ihres Kindes begeben. Das heißt, Sie erkunden Ihre Wohnung aus Kindersicht. Wo könnte das Kind sich stoßen, wo stürzen? Wo besteht Verbrennungsgefahr, wo locken bunte Flaschen und Tuben mit Chemikalien? Je nach Alter und Aktionsradius verändern sich diese Gefahrenquellen. Auch die Aufnahmefähigkeit Ihres Kindes nimmt zu, ebenso sein Verständnis für Gefahren. Wenn Sie also mit Kinderaugen und –gedanken durch Ihre Wohnung streifen, werden Sie schnell feststellen, wo Sie Gefahrenquellen beseitigen müssen.  

Die häufigste Unfallursache

Junge 6 Monate auf dem Wickeltisch.
Bildrechte: IMAGO

Stürze sind die größte Gefahr für Kinder. Das beginnt im Babyalter. “Das Problem Wickeltisch ist bekannt und doch passiert es immer wieder, dass die Eltern das Kind für eine Sekunde aus den Augen lassen. Schon kann es zu schweren Verletzungen kommen“, warnt Andreas Kalbitz, Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Mehr Sicherheit für Kinder e.V. Lassen Sie Ihr Kind auf dem Wickeltisch nie auch nur für eine Sekunde aus den Augen. Versuchen Sie alle Sturz- und Stolpergefahren zu beseitigen oder für das Kind unzugänglich zu machen. Das können hohe Badvorleger oder Teppiche sein, aber auch Treppen oder Hochbetten mit flachem Geländer. Besonders gefährdet sind dabei Kinder rund um den ersten Geburtstag, also im klassischen Lauflernalter.

Messer, Gabel, Schere, Licht

Allgemein sollten Sie alle Gegenstände, an denen sich Ihr Kind verletzten könnte, aus seiner Reichweite räumen. Jegliche Chemie, dazu gehören neben Spül- und Putzmitteln auch Duschbad, Rasierwasser sowie Arznei, sollten Sie einschließen oder unerreichbar hoch auf den Schlafzimmer- oder Küchenschrank räumen. Steckdosen, Schalter oder sonstige elektrische Geräte sollten mit speziellen Abdeck-Sicherungen geschützt oder unerreichbar weggeräumt werden. An Messer, Besteck allgemein, aber auch Nähsachen oder Bastelutensilien sollten Kinder nicht herankommen. Spezielle Sperrvorrichtungen für Schubladen oder Schränke gibt es im Fachhandel, Babyausstatter und Baumarkt.

Kinderzimmer

Spätestens ab dem Krabbelalter, etwa mit einem halben bis dreiviertel Jahr, versuchen Kinder aktiv, ihre Welt zu erkunden. Sie fassen alles an, wollen auch obenliegende Sachen untersuchen und wenn möglich herunterziehen. Sichern Sie deshalb alle Schränke und Regale so, dass sie nicht umkippen, auch  für den Fall, dass daran gezogen oder gar draufgeklettert wird. Räumen Sie schwere Sachen weg oder in gut verschließbare Fächer. Ein Bild mit scharfkantigem Bilderrahmen kann auf einem hohen Regalfach sehr gefährlich werden. Entfernen Sie alle Gegenstände, die nicht altersspezifisch sind. Stricke, Kordeln oder gar Plastetüten haben nichts im Kinderzimmer verloren.

Küche

Gläser, Porzellan, Pfannen und Töpfe dürfen für kleine Kinder nicht erreichbar sein. Kinder räumen aber unheimlich gerne Küchenutensilien aus und „helfen“ beim Kochen. Richten Sie ein spezielles Fach mit ungefährlichen Plastikschüsseln und -geschirr ein, daran hat das Kind seine Freude. Warnen Sie vor dem heißen Backofen und den Herdplatten. Wenn die Geräte eingeschaltet sind, haben die Kinder nichts in ihrer Nähe zu suchen. Spritzendes Fett oder kochendes Wasser sind extrem gefährlich. Versehen Sie gefährlichen Ecken und Kanten mit entsprechenden Schützern, gegebenenfalls auch die Backofentür. Blockieren Sie mit genannten Sicherungsmitteln Schubkästen und Türen.   

Flur

Entfernen Sie Stolperstellen und sichern Sie Treppenauf- und Abgänge mit entsprechenden Gittern. Ein Laufgitter an zentraler Stelle kann vom ersten bis zweiten Lebensjahr ein kurzzeitig sicherer Ort sein, wenn unverhofft der Paketdienst kommt oder die Eltern aus einem anderen Grund mal aus dem Zimmer müssen. Ein Nachtlicht gehört eigentlich nicht ins Kinderzimmer, da es den Tiefenschlaf des Kindes stört. Wohl aber können Sie so ein Licht im Flur anbringen, damit das Kind sich im Dunkeln orientieren kann und den Weg in Mamas und Papas Bett findet, ohne sich zu stoßen. Lassen Sie bei nachtaktiven Kindern die Tür nachts einen Spalt offen, das Licht aus dem Flur reicht dann völlig aus. Auch kleine selbstleuchtende Aufkleber können nachts Orientierung bieten. Sichern Sie in höherliegenden Stockwerken Terrassen und Balkone mit entsprechenden Geländern. Räumen Sie Klettermöglichkeiten weg.

Bad

Duschbad, Shampoo und Co. sollten verschlossen und außer Reichweite der Kinder stehen. Das gilt natürlich auch für eine Palette an Reinigern. Füllen Sie chemische Substanzen niemals in Flaschen, die auch im Getränkehandel erhältlich sind. Das kann zu Verwechslungen und damit zu Vergiftungen führen. Grundsätzlich gibt es im Bad viele harte Kanten und gegebenenfalls Glaswände. Sensibilisieren Sie Ihr Kind hier für ein vorsichtiges Verhalten. Lassen Sie Kinder unter drei Jahren niemals, auch nicht für Sekunden, alleine in einer gefüllten Badewanne.

Wohnzimmer

Rutschige Teppiche können Sie mit entsprechenden Matten sichern. Pflanzen und Blumen sollten nicht giftig sein, die Töpfe müssen Sie gegen Umkippen sichern. Der gemütliche Ofen oder Kamin sollte mit entsprechenden Absperrungen gesichert werden. Sichern Sie Tische gegen Verrutschen, die Kanten mit entsprechendem Eckschutz. Alle Dinge, die von Fensterbrettern und Regalen geräumt oder gekippt werden könnten, sollten Sie gerade im Alter von einem bis drei Jahren sichern und/oder wegräumen. Schränke und Regale müssen gegen Umkippen gesichert und bestenfalls fest mit der Wand verankert werden. Sichern Sie auch Gardinen und Rollos so, dass Kinder sie nicht herunterreißen oder sich daran verletzen können.  

Weihnachten

Kleinkind in der Nähe von einem Weihnachtsbaum.
Bildrechte: IMAGO

Die heimelige Weihnachtsdekoration birgt einige Risiken, die Sie im Auge haben sollten. Der Weihnachtsbaum an sich sollte sicher stehen und nicht zu leicht umkippen. An kaputten Glaskugeln und anderem Behang können sich Kinder schnell verletzen. Kerzen, Räuchermännchen, Pyramiden usw. dürfen Sie nie unbeaufsichtigt brennen und leuchten und schon gar nicht allein mit Ihren Kindern lassen. Besonders gegen Ende und nach der Weihnachtszeit, wenn Baum und Gestecke schon sehr trocken sind, besteht erhöhte Brandgefahr. Viele Dekorationsstücke sind mit Kabeln ausgestattet. Verlegen Sie diese Kabel so, dass Kinder nicht darüber stolpern oder daran ziehen können. Gerade zu Weihnachten sollte es zu Hause ruhig und entspannt zugehen. Doch das Gegenteil ist oft der Fall. „Im allgemeinen Trubel, wenn Besuch kommt, können Kinder, aber auch Erwachsene schnell mal überfordert sein und die Übersicht verlieren“, so unser Experte. Kochen, Tisch decken, Geschenke verteilen: Gerade, wenn viele Menschen in der Wohnung hantieren, verlässt sich schnell einer auf den anderen. Am Ende schaut niemand nach dem Kind. Wenn dann noch echte Kerzen am Weihnachtsbaum brennen oder bunte blinkende Lichterketten locken, kann schnell etwas passieren. Zumal die Aufregung sich auch auf die Kinder überträgt. Andreas Kalbitz rät daher: „Lassen Sie Kerzen und Kind in solchen Situationen nie unbeaufsichtigt!“ Am besten bestimmen Sie eine Person, die die Kinder immer im Blick hat.  

Aktive Sicherheit

Ein Feuerlöscher gehört in jede Wohnung. Rauchmelder in jedem Zimmer sollten zur Grundausstattung gehören. Ebenso benötigen Sie einen Sanitätskasten mit allen wichtigen Ersthelferutensilien. All diese Dinge gibt es für wenige Euro im Fachhandel oder Baumarkt. Notieren Sie an gut sichtbarer Stelle die Rettungsnummer 112, sowie die Telefonnummern der Informationszentrale gegen Vergiftungen 0228/19240 in Bonn und die Nummer Ihres Kinderarztes.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 12. Dezember 2017 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Dezember 2017, 10:17 Uhr