Umschau-Quicktipp | 01.11.2016 Zucker im Alltag reduzieren

Wir essen zu viel Zucker. Die Weltgesundheitsorganisation  WHO empfiehlt pro Person rund 25 Gramm pro Tag. "Das ist aber eher ein harter Grenzwert. Im Prinzip toleriert der Körper nämlich rund 50 Gramm am Tag ohne, dass etwas passiert", erläutert Armin Valet, Lebensmittelexperte von der Verbraucherzentrale Hamburg. In der Realität nehmen wir aber im Schnitt rund 100 Gramm Zucker pro Tag zu uns. Das führt in Kombination mit anderen Faktoren wie Bewegungsarmut dazu, dass in Deutschland mittlerweile zwei Drittel aller Männer und mehr als die Hälfte der Frauen übergewichtig sind. Auch immer mehr Kinder haben inzwischen teilweise deutliches Übergewicht.

Das führt gleich auf zwei Wegen zu einem dramatischen Anstieg an Typ-2-Diabeteserkrankungen: Zum einen ist es der permanente Zuckerkonsum selbst, der die Bauchspeicheldrüse überfordert und sie am Ende arbeitsunfähig macht. Zum anderen bekommen Übergewichtige durch hormonelle Umstellungen im Stoffwechsel viel schneller solch einen Diabetes. Gerade für Kinder hat das fatale Auswirkungen auf die Entwicklung und Lebenserwartung.

Wir müssen unseren Zuckerkonsum also deutlich reduzieren. Ein Stück Zucker im Kaffee wegzulassen und durch Süßstoff zu ersetzen, ist dabei ein nett gemeinter aber eigentlich falscher Ansatz. Viel wichtiger ist es herauszufinden, in welchen Lebensmitteln, in denen Sie es gar nicht vermuten, Zucker versteckt ist. Diese Lebensmittel gilt es zu meiden oder nur sehr bewusst zu genießen.     

Ein lohnendes Geschäft

Voller Einkaufswagen zwischen Supermarktregalen
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Zucker ist ein sehr preiswertes Nahrungsmittel. Er kann in den unterschiedlichsten Formen in Produkten eingesetzt werden, verstärkt den Geschmack, macht haltbar und regt unser Belohnungszentrum im Gehirn an. Je mehr Zucker in einem Lebensmittel enthalten ist, desto mehr lieben wir es ganz unbewusst. Um sich nicht das Geschäft von gesundheitsbewussten Menschen, die auf ihren Zuckerverbrauch achten, kaputtmachen zu lassen, trickst die Zuckerindustrie gewaltig. So geben die großen Lebensmittelkonzerne etwa regelmäßig selbst Studien zum Thema  Zucker in Auftrag – mit entsprechend positiven Ergebnissen. Zudem ist Zuckerlobby politisch so einflussreich, dass Sie die Ernährungsampel auf Lebensmitteln erfolgreich verhindert hat, wie Ernährungsexperte Armin Valet erklärt: "Diese Ampel sollte eigentlich dem Verbraucher sehr schnell anzeigen, ob in einem Lebensmittel wenig, reichlich oder eben viel zu viel Zucker enthalten ist. Das hat die Zuckerlobby verhindert. Der Kompromiss ist die Pflicht, eine Nährwerttabelle auszuweisen." Ab dem 13. Dezember 2016 gilt das dann laut Lebensmittelinformationsverordnung für alle verpackten Produkte.  

Zucker hat viele Namen

Die einzig verlässliche Information über den Zuckergehalt eines Lebensmittels finden Sie eben in diesen Nährwertangaben. Dort muss der Zuckergehalt pro 100 Gramm angegeben sein. Nur danach sollten Sie sich richten. In den Inhaltsstoffen finden Sie Zucker nämlich oft nur unter Decknamen wie Glukose, Saccharose, Maltose oder auch Magermilchpulver. "Die Lebensmittelhersteller sind da sehr erfinderisch. Wir haben bei einer Prüfung mal rund 70 verschiedene Synonyme für Zucker auf Produkten gefunden", so Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg.

So kommen Sie dem Zucker auf die Schliche

Am besten ist es, sich den Gehalt an Zucker erst einmal in Zuckerwürfeln vorzustellen. Ein Würfel wiegt rund drei Gramm. Die Tageshöchstdosis von fünfzig Gramm entspricht dann also knapp 17 Stück Würfelzucker.   

Die getarnten Zuckerbomben:

Silhouette eines Mannes, der sich vor einem blauen Hintergrund einen Löffel mit Würfelzuckerstücken zum Munde führt.
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  • Getränke: Oft täuscht eine Angabe von zehn Gramm pro 100 Milliliter darüber hinweg, dass die Cola- oder Saftflasche einen Liter Inhalt hat und der ist schnell weggetrunken. Schon haben Sie 100 Gramm Zucker auf Ihrem Konto bzw. 33 Stück Würfelzucker.
  • Früchte- und Müsliriegel: Der kleine 30 Gramm Powersnack mit Vegan- und Rohkostsiegel enthält gerne mal 50 Gramm Zucker auf 100 Gramm. Das macht 15 Gramm pro Riegel, also 5 Stück Würfelzucker. 
  • Salate: Gerade Weißkrautsalat, der ja förmlich vor gesunden Inhaltstoffen strotzen muss, enthält bis zu acht Gramm  Zucker auf 100 Gramm. Wer sich da am Abend mit 200 Gramm gesund ernähren möchte, nimmt schnell 16 Gramm Zucker zu sich oder eben 5 Stück Würfelzucker.

Ähnliche Rechnungen lassen sich für fast alle Früchtejoghurts, Cerealien, Smoothies oder auch Produkte mit Früchtemuss machen. Gerade der in Obst enthaltene Fruchtzucker wird oft als ungefährliche Fructose dargestellt. Dabei zahlt er genau so mit ein aufs Zuckerkonto.    

Besonders gemein

Die Lebensmittelindustrie schreckt nicht davor zurück, auch Kinderprodukte mit Zucker vollzupumpen. Besonders gemein ist dass, weil beispielsweise die Fruchtzwerge ja so wertvoll wie ein kleines Steak sein sollen, der Früchtequetschie dem Kind wertvolle Vitamine liefern oder die Milchschnitte eine tolle Pausenmahlzeit sein soll. Am Ende sind das alles Zuckerbomben.

Für sich genommen sind diese Lebensmittel auch nicht schlecht, müssen aber sehr bewusst verwendet werden. Spezielle Hinweise darauf, dass Lebensmittel ohne Zuckerzusatz oder ohne extra Zucker daherkommen, sind oft lediglich ein Zeichen dafür, dass die Lebensmittel mit hochkonzentriertem Fruchtsaft oder Früchtemus gesüßt wurden. Dadurch ist am Ende genau so viel Zucker drin, eben nur Fruchtzucker. Zuviel davon ist aber genauso schädlich wie normale Zucker. Gerade bei Kinderlebensmitteln wird damit oft geworben. Lassen Sie die Hände davon.

Und das Stück Zucker im Kaffee?

Draufsicht auf ein Stück Würfelzucker, das auf einem Teelöffel liegt, der sich über einer Tasse Kaffee befindet.
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Darauf müssen Sie nun wirklich nicht verzichten. Im Gegenteil: Der Einsatz von Süßstoffen suggeriert Ihrem Gehirn nämlich, dass Ihnen jetzt Energie zugeführt wird. Spätestens Ihr Blutzuckerspiegel signalisiert dann aber, dass das gar nicht stimmt. In der Folge möchte Ihr Körper die versprochene Energie aber gerne haben und signalisiert Ihnen das mit Appetit auf Süßes. Da müssen Sie dann erstmal wieder standhaft bleiben. Wenn Sie den Kaffee also süß mögen, dann genießen Sie ihn auch gern mit dem Stückchen Zucker.

Zuletzt aktualisiert: 04. April 2018, 14:07 Uhr