Fahrradmarkierung auf einem Radweg
Bildrechte: IMAGO

Umschau | exklusiv Unfallstatistik 2017: 51 Radfahrer auf mitteldeutschen Straßen getötet

Im vergangenen Jahr wurden in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen 51 Radfahrer getötet und 1.626 schwerverletzt. Die Zahlen sind seit Jahren in Mitteldeutschland überdurchschnittlich hoch. Ein besonderes Risiko geht von Lkws aus.

Fahrradmarkierung auf einem Radweg
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In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen starben im vergangenen Jahr 51 Radfahrer bei Unfällen im Straßenverkehr. Die Zahl ist seit Jahren auf einem hohen Niveau, wie eine Umschau-Analyse der Verkehrsunfallstatistik dieser Länder ergibt. So stieg die Zahl der getöteten Radfahrer von 2015 auf 2016 von 44 auf 53. 2017 lag sie mit 51 nur wenig darunter. Die Zahl der schwerverletzten Radfahrer sank 2016 im Vergleich zum Vorjahr von 1.625 auf 1.557. 2017 wurde mit 1.626 Schwerverletzten jedoch wieder das Niveau von 2015 erreicht.

Risiko Lkw

Besonders tragisch enden Unfälle zwischen Lkw und Radfahrern, wie jüngst in Leipzig, bei dem eine 16-Jährige ums Leben kam. Vor allem bei Abbiegevorgängen kommt es zu Zusammenstößen mit tödlichem Ausgang. Nach Schätzung des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs könnte es in diesem Jahr 40 getötete Radfahrer durch abbiegende Lkw geben. Zu Unfällen mit einer Beteiligung von Lkw und Radfahrer erheben die Länder keine separaten Statistiken.

Politik will handeln

Die Politik hat das Problem erkannt und will handeln. Mehrere Bundesländer, darunter Brandenburg und Thüringen, wollen unter anderem den Einbau von sogenannten Abbiegeassistenten in neu zuzulassenden Lkw zur Pflicht machen. Sie brachten Ende April einen entsprechenden Antrag in den Bundesrat ein.

Überdurchschnittlicher Anteil

Gemessen an der Gesamtbevölkerung von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, die mit 8,5 Mio. Einwohnern zehn Prozent der der Bevölkerung der Bundesrepublik (82,5 Mio. Einwohner) ausmacht, liegt der Anteil der zwischen 2015 und 2017 getöteten und schwerverletzten Radfahrer in diesen Ländern höher. So liegt der Anteil bei den getöteten Radfahrern 13 Prozent und bei den schwerverletzten bei 11 Prozent.

Die größten Gefahren für Radfahrer

Radfahrer sind im Straßenverkehr kaum geschützt. Entsprechend wichtig ist es, zu wissen, wo die größten Risiken lauern. Der ADFC zeigt die fünf größten Gefahrenquellen.

Radfahrer an einer befahrenen Kreuzung
Einmündungen/Einfahrten: Sowohl an Einmündungen als auch an Ausfahrten besteht die Gefahr, dass Radfahrer übersehen werden. Unfälle von rechtsabbiegenden Autos mit Radfahrern sind leider sehr häufig. Der vorgeschriebene Schulterblick wird von Autofahrern oft unterlassen. Für Radfahrende gilt daher, dass sie den Kfz-Verkehr immer im Auge behalten sollten und damit rechnen, dass Rechtsabbieger die Vorfahrt des Rades missachten. Bildrechte: IMAGO
Radfahrer an einer befahrenen Kreuzung
Einmündungen/Einfahrten: Sowohl an Einmündungen als auch an Ausfahrten besteht die Gefahr, dass Radfahrer übersehen werden. Unfälle von rechtsabbiegenden Autos mit Radfahrern sind leider sehr häufig. Der vorgeschriebene Schulterblick wird von Autofahrern oft unterlassen. Für Radfahrende gilt daher, dass sie den Kfz-Verkehr immer im Auge behalten sollten und damit rechnen, dass Rechtsabbieger die Vorfahrt des Rades missachten. Bildrechte: IMAGO
Radfahrer fahren auf dem Radweg neben Lkws
Ähnliches gilt für Lkw oder Busse. Theoretisch müssen Radfahrende im Toter-Winkel-Spiegel zu sehen sein. Doch entweder sind die Spiegel falsch eingestellt, werden nicht benutzt oder Radfahrende erscheinen darin so schmal, dass sie übersehen werden. Daher gilt: An einer Ampel am besten hinter einem Lkw bleiben, oder, wenn man genug Zeit hat, ihn bei Rot zu passieren, so weit vor dem Lkw zum Stehen kommen, dass man den Fahrer oder die Fahrerin sehen kann. Bildrechte: IMAGO
Ein Radweg-Zeichen spiegelt sich in der Lackierung eines Autos
Radstreifen auf der Fahrbahn sind generell zu begrüßen, haben aber einen großen Nachteil: Sie können leicht von Kfz als Kurzzeitparkplatz missbraucht werden. Die Bequemlichkeit einzelner führt dann dazu, dass sich Radfahrende in den Fließverkehr einordnen müssen, um das parkende Kfz zu umfahren. Hierbei ist größte Vorsicht gefordert, besonders, wenn das Tempolimit mehr als 30 km/h zulässt. Bildrechte: IMAGO
Ein Radfahrer weicht einer sich öffnenden Autotür aus
Parkende Autos können Radfahrenden gefährlich werden, wenn Autotüren plötzlich geöffnet werden. Kommt es zur Kollision, führt das meist zu schweren Verletzungen. Daher sollte immer ein Mindestabstand von einem Meter oder mehr zu parkenden Autos eingehalten werden, da man meist nicht zuverlässig erkennen kann, ob jemand im Auto sitzt. Leider sind viele Radstreifen so nah am Parkstreifen entlang geführt, dass man sich automatisch in der "Dooring-Zone" befindet. Den Mindestabstand sollte man dennoch einhalten, auch wenn man dann am äußersten linken Rand des Streifens fährt. Bildrechte: IMAGO
Fahrradfahrer an der Straßenbahnhaltestelle auf dem Leipziger Augustusplatz
Straßenbahnschienen sind heikle Hindernisse für Radfahrende. Werden sie nicht möglichst rechtwinklig überfahren, können schmalere Reifen in die Gleise geraten und zum Sturz führen. Bei Nässe werden sie rutschig und somit ebenfalls zur Sturzgefahr. Bildrechte: IMAGO
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 08. Mai 2018 | 20:15 Uhr

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 08. Mai 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Mai 2018, 22:14 Uhr

Die größten Gefahren für Radfahrer

Radfahrer sind im Straßenverkehr kaum geschützt. Entsprechend wichtig ist es, zu wissen, wo die größten Risiken lauern. Der ADFC zeigt die fünf größten Gefahrenquellen.

Radfahrer an einer befahrenen Kreuzung
Einmündungen/Einfahrten: Sowohl an Einmündungen als auch an Ausfahrten besteht die Gefahr, dass Radfahrer übersehen werden. Unfälle von rechtsabbiegenden Autos mit Radfahrern sind leider sehr häufig. Der vorgeschriebene Schulterblick wird von Autofahrern oft unterlassen. Für Radfahrende gilt daher, dass sie den Kfz-Verkehr immer im Auge behalten sollten und damit rechnen, dass Rechtsabbieger die Vorfahrt des Rades missachten. Bildrechte: IMAGO
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Einmündungen/Einfahrten: Sowohl an Einmündungen als auch an Ausfahrten besteht die Gefahr, dass Radfahrer übersehen werden. Unfälle von rechtsabbiegenden Autos mit Radfahrern sind leider sehr häufig. Der vorgeschriebene Schulterblick wird von Autofahrern oft unterlassen. Für Radfahrende gilt daher, dass sie den Kfz-Verkehr immer im Auge behalten sollten und damit rechnen, dass Rechtsabbieger die Vorfahrt des Rades missachten. Bildrechte: IMAGO
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Ähnliches gilt für Lkw oder Busse. Theoretisch müssen Radfahrende im Toter-Winkel-Spiegel zu sehen sein. Doch entweder sind die Spiegel falsch eingestellt, werden nicht benutzt oder Radfahrende erscheinen darin so schmal, dass sie übersehen werden. Daher gilt: An einer Ampel am besten hinter einem Lkw bleiben, oder, wenn man genug Zeit hat, ihn bei Rot zu passieren, so weit vor dem Lkw zum Stehen kommen, dass man den Fahrer oder die Fahrerin sehen kann. Bildrechte: IMAGO
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