Umschau | 05.02.2019 | 20:15 Uhr Zahlen Sparkassen zu wenig Zinsen?

Die Verbraucherzentrale Sachsen hat bei Stichproben festgestellt, dass vielen Kunden von Langzeitsparverträgen bis zu vierstellige Eurobeträge an Zinsen vorenthalten worden sind. Möglicherweise wurden in Hunderten bis Tausenden Fällen die Zinsen falsch berechnet. Jetzt bietet die Verbraucherzentrale Sparern an, die Verträge nachzurechnen und ein Gutachten zu erstellen. Neben den Sparkassen haben möglicherweise andere Banken die Zinsen falsch berechnet.

Wer in den 1990er-Jahren bei den Sparkassen langfristige Sparverträge abschließen wollte, landete in der Regel bei "Prämienspar flexibel". Neben gestaffelten Boni sahen die Verträge einen variablen Zinssatz zwischen drei und fünf Prozent vor. Doch nach und nach wurde der Zinssatz weiter abgesenkt und liegt in den heutigen Niedrigzinszeiten bei mageren 0,001 Prozent pro Jahr.

Unklare Klauseln

Sparstrumpf mit Geld neben Kontoauszügen.
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Die Verbraucherzentrale Sachsen fragt nun, nach welchen Kriterien die Absenkung geschehen ist. In den entsprechenden Vertragsklausen heißt es nämlich nur: "Die Spareinlage wird variabel, zur Zeit mit 3 Prozent verzinst." und "Die Sparkasse zahlt neben dem jeweils gültigen Zinssatz am Ende des Kalenderjahres eine verzinsliche S-Prämie." Das finden die Verbraucherschützer recht unscharf, weil nicht daraus hervorgeht, in welcher Weise die Zinsen an die Zinsentwicklung am Markt angepasst wurden.

BGH-Urteile zur Zinsanpassung Az.: XI ZR 140/03 vom 17.02.2004
AZ.: XI ZR 211/07 vom 10.06.2008
Az.: XI ZR 52/08 vom 21.12.2010
Az.: XI ZR 197/09 vom 13.04.2010
AZ.: XI ZR 508/15 vom 14.03.2017

Eindeutige Rechtsprechung

Allerdings gibt es höchstrichterliche Urteile, die klar vorgeben, wie die Zinsen anzupassen sind. Aufgrund dieser Entscheidungen wurden Sparverträge stichprobenartig analysiert. Dabei kam heraus, dass den meisten Sparern nicht genügend Zinsen gezahlt wurden. Wer etwa vor 25 Jahren angefangen hat, monatlich 100 DM bzw. 51,13 Euro einzuzahlen, dem könnte nach den Berechnungen der sächsischen Verbraucherzentrale ein mittlerer vierstelliger Zinsbetrag entgangen sein.

Kostenpflichtiges Beratungsangebot

Neben ihrer Forderung an die Sparkassen, gegenüber ihren Kundinnen und Kunden geltendes Recht einzuhalten, bietet die Verbraucherzentrale Sachsen ab 15. Februar 2019 betroffenen Verbraucherinnen und Verbrauchern an, für einen Betrag von 85 Euro die Zinsanpassung ihrer Langzeitsparverträge von Kreditsachverständigen nachrechnen zu lassen. Dazu müssen Kopien von Sparverträgen oder Sparbüchern inklusive aller Änderungen eingereicht werden. Die Berechnungen werden in einem Gutachten samt einer Erläuterung für Verbraucher zusammengefasst. Aufgrund des Gutachtens können Ansprüche gegenüber der Sparkasse geltend gemacht werden. Auch hierbei bietet die Verbraucherzentrale Unterstützung an. Die Verbraucherschützer halten es für wahrscheinlich, dass es auch bei anderen Banken fehlerhafte Zinsberechnungen gegeben haben könnte und auch jetzt immer noch gibt. Wer das bei seiner Bank vermutet, kann ebenfalls von dem Beratungsangebot Gebrauch machen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 05. Februar 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Februar 2019, 11:02 Uhr