Werkhalle
Vor allem im Kraftfahrzeug- und Maschinenbau gibt es enge Verbindungen nach Großbritannien. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Umschau" mit Wirtschafts-Stimmungsbild vor Brexit-Abstimmung Harter Brexit "schlimmstes Szenario" für mitteldeutsche Wirtschaft

Mitteldeutsche Firmen rechnen im Falle eines ungeregelten Brexits mit massiven logistischen Problemen. Die IHK Halle-Dessau spricht vom denkbar schlimmsten Szenario.

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Vor allem im Kraftfahrzeug- und Maschinenbau gibt es enge Verbindungen nach Großbritannien. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Wirtschaftsunternehmen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen rechnen im Falle eines ungeregelten Brexits mit massiven logistischen Problemen. "Ein harter Brexit ist das denkbar schlimmste Szenario, dessen Folgen bislang noch gar nicht abzusehen sind", sagt Birgit Stodtko von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Halle-Dessau dem MDR-Magazin "Umschau".

Bei einem Austritt Großbritanniens aus der EU ohne Abkommen, der derzeit am wahrscheinlichsten gilt, würden größere Barrieren im Warenaustausch entstehen, unter anderem durch Zollanmeldungen, längere Wartezeiten an der Grenze oder bürokratische Hürden. "Dies ist vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen ohne eigene Exportabteilung problematisch", schätzt Heike Bülo von der IHK Ostthüringen ein. Das werde sich, so die Bewertung des Wirtschaftsministeriums Sachsen-Anhalt, auch auf den Umsatz auswirken.

Unklarheit größtes Problem

Als ein Hauptproblem sehen die Wirtschaftsverbände die lange Zeit der Unklarheit, welches Brexit-Szenario eintreten wird. "Die schleppenden Verhandlungen bringen Planungsunsicherheit für die Unternehmen und verhindern Investitionen“, sagt Barbara Hofmann von der IHK Chemnitz.

"Würde endlich Klarheit bestehen, könnten sich die Unternehmen auch auf einen harten Brexit so gut es geht einstellen. Hier ist aber bereits zu viel Zeit verstrichen. Die Lage ist mittlerweile ziemlich ernst für die Wirtschaft", so Oliver Grosser von der IHK Erfurt.

Enge Verbindung zwischen Mitteldeutschland und Großbritannien

Die mitteldeutsche Wirtschaft ist eng mit Großbritannien verknüpft. Das Land rangiert auf Platz 2 (Sachsen-Anhalt, nach Polen), 3 (Sachsen, nach China und den USA) bzw. 4 (Thüringen, nach den USA, Ungarn und Frankreich) der Exportstatistik der Bundesländer.

In Sachsen und Thüringen pflegen zusammengerechnet 505 Unternehmen Wirtschaftsbeziehungen in das Vereinigte Königreich, Sachsen-Anhalt konnte auf Nachfrage keine Zahl benennen. Besonders betroffen in den drei Ländern sind der Kraftfahrzeug- und Maschinenbau, die Metallerzeugung, die chemische Industrie, die Nahrungsmittel- sowie die Kunststoffindustrie.

Trotz aller Sorgen: Mitteldeutschland ist im bundesweiten Vergleich wirtschaftlich weniger stark mit Großbritannien verwoben als beispielsweise der Südosten Deutschlands. Berechnungen zufolge sind jedoch auch hier zwischen 4,2 Prozent (Region Halle) und 6,3 Prozent (Region Dresden) der Wirtschaftsleistung mit Großbritannien verknüpft.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 15. Januar 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2019, 09:03 Uhr

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