Umschau | exklusiv Mitteldeutsche Städte bauen Grünen Pfeil ab

Der Grüne Pfeil verschwindet immer mehr aus den mitteldeutschen Großstädten. Das ergab eine Umfrage der "Umschau" unter den Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Demnach wurde innerhalb von 15 Jahren in Magdeburg (-37%), in Chemnitz (-34%) und in Leipzig (-34%) ungefähr jeder dritte Grüne Pfeil abmontiert. In Halle (-11%), Dresden (-6%) und Jena (-3%) war die Abbau-Quote nicht ganz so hoch. Anders sieht es in Erfurt aus. Dort wurden sogar neue Grüne Pfeile angebracht. Das Plus von 24 Prozent entspricht jedoch nur sechs Verkehrsschildern. Mit 31 Grünen Pfeilen gibt es in der thüringischen Landeshauptstadt derzeit vergleichsweise wenig. Die meisten hängen noch in Leipzig (120), Chemnitz (140) und Dresden (245).

Grüner Pfeil an der Caspar-David-Friedrich-Straße, Kreuzung Teplitzer Straße in Dresden.
Bildrechte: imago/Sven Ellger

Laut Straßenverkehrsordnung (StVO) erlaubt der Grüne Pfeil an einer Ampel das Rechtsabbiegen auch bei Rot. Vorher muss jedoch angehalten werden. Kathleen Queck, Sachgebietsleiterin im Straßen- und Tiefbauamt Leipzig erklärt die Ursache für den Abbau der Schilder in der Messestadt: "Unsere Beobachtungen haben gezeigt, dass das Verhalten der Autofahrer leider nicht immer der StVO entspricht. Sobald die Unfalllage auffällig ist oder es sich sogar um einen Unfallschwerpunkt handelt, entfernen wir den Grünpfeil."

Abbau im Westen noch stärker

Radikaler als in Mitteldeutschland wurden die Grünen Pfeile in westdeutschen Großstädten abgebaut. Dort wurde das Verkehrsschild, das es in der DDR bereits seit 1978 gab, erst 1994 eingeführt. Die "Umschau"-Stichprobe ergab, dass in Frankfurt 78% abgebaut wurden. In Köln (-68%) und Hamburg (-64%) waren es rund zwei Drittel und in München fast die Hälfte (-43%).

Gegner und Befürworter

In der Diskussion um den Grünen Pfeil forderte der Fachverband Fußverkehr FUSS e.V. Ende 2018 wiederholt ein Verbot des Verkehrsschildes. Nach einer aktuellen Studie des Verbandes herrscht an Kreuzungen mit Grünpfeil erhöhte Unfallgefahr. Ein Befürworter des Grünen Pfeils ist der Verkehrsclub ADAC. Gegenüber der "Umschau" erklärt Helmut Büschke vom ADAC Sachsen: "Der Grüne Pfeil schafft auch mehr Durchlass-Kapazitäten. Das dient auch der Umwelt, weil jeder Stau mit Abgasen die Umwelt belastet. Mit Grünem Pfeil kann man weiterfahren."

Während sich die Fußgänger- und die Autofahrer-Lobby um den Grünen Pfeil streiten, lässt die Bundesanstalt für Straßenwesen jetzt den Grünen Pfeil ausschließlich für Radfahrer testen. Demnach wird das herkömmliche Schild mit einem Fahrrad-Piktogramm ergänzt. Das erlaubt nur Radfahrern das Rechtsabbiegen bei Rot. Der Pilotversuch findet in neun Großstädten statt, unter anderem in Leipzig. Im kommenden Jahr will die Behörde entscheiden, ob das neue Verkehrszeichen in die StVO aufgenommen wird.

Grüner Pfeil – Vergleich der Anzahl 2003 und 2018
  Vergleich 2003 - 2018 12/2018* 2003**  
Magdeburg -37% -21 36 57
Chemnitz -34% -73 140 213
Leipzig -34% -62 120 182
Halle -11% -3 25 28
Dresden -6% -15 245 260
Jena*** -3% -1 28 29
Erfurt 24% 6 31 25
         
Berlin -55% -72 60 132
         
Frankfurt -78% -7 2 9
Köln -68% -102 48 150
Hamburg -64% -174 98 272
München -43% -30 40 70

Stand: Jan. 2019
*) Quelle: Umfrage der MDR-Umschau
**) Quelle: FUSS e.V.-Studie 2018, Die Einsatzbedingungen der Grünpfeil-Regelung in Deutschland seit 1978
***) Angabe für 2003 aus 2011

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 27. November 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2019, 09:04 Uhr

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