Ein Mann und eine Frau an einem Brunnen
Kurgäste erholen sich am Trinkbrunnen im thüringischen Kurort Masserberg. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Umschau extra | 02.01.2018 | 20:15 Uhr Kuren 2018 - Tipps, Trends, Preise

Reisen auf Kreuzfahrtschiffen werden immer beliebter. Dieser Trend findet sich auch bei Kurangeboten wieder. Welche Trends und Leistungen es noch gibt und wie eine Kur beantragt wird, zeigen wir im "Umschau extra"!

Ein Mann und eine Frau an einem Brunnen
Kurgäste erholen sich am Trinkbrunnen im thüringischen Kurort Masserberg. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sich bei einer Kur erholen, das war früher nur etwas für Reiche. Adlige, Künstler und Wohlhabende verbrachten traditionell ihre Ferien an Kurorten. Heute steht die Kur jedem offen. Denn die Kur ist in Deutschland heute gesetzlich verankert - nämlich im Sozialgesetzbuch. Den Begriff Kur sucht man im Sozialgesetzbuch allerdings vergeblich. Offiziell handelt es sich hierbei um medizinische Vorsorgeleistungen und/oder medizinische Rehabilitationsmaßnahmen. Um Krankheiten oder dem Schlimmer werden von Krankheiten vorzubeugen, kann man im Regelfall alle drei beziehungsweise alle vier Jahre eine ambulante oder eine stationäre Kur beantragen. Doch ein Großteil der Kuranträge wird zunächst von den Krankenkassen abgelehnt. "Es geht schneller, die Ablehnung zu verschicken, als wirklich im Patientenwohl zu unterscheiden", sagt Matilde S. Groß, Dozentin für Gesundheitstourismus an der Hochschule Harz. Sie rät zum Widerspruch. Gegen jede vierte Ablehnung wird tatsächlich Widerspruch eingelegt. Zu 50 Prozent hat ein solcher Widerspruch Erfolg, weißt Ingrid Fischbach, Patientenbeauftragte der Bundesregierung (CDU). Auch sie empfiehlt, den Weg des Widerspruches zu gehen.

Der Deutsche Heilbäderverband hat die verschiedenen Kur- und Antragsmöglichkeiten in einer Übersicht veranschaulicht.

Kur in Mitteldeutschland

Kurorte in Mitteldeutschland, da sind sich die Experten einig, haben es in der touristischen Vermarktung nicht leicht. Denn sie liegen landschaftlich nur in einer durchschnittlichen Lage: Sie können weder mit der Küste, noch mit Hochgebirge werben. Der Harz oder das Erzgebirge haben immerhin einen kleinen Vorteil in diesem Bereich. Auch deshalb sei es besonders wichtig, die medizinisch-therapeutische Qualität und Kompetenz zu stärken und gezielt zu vermarkten, findet Cornelius Obier, Geschäftsführer von der Tourismusberatungsfirma Project M. Denn die mitteldeutschen Kurorte sehen sich auch einem Preiskampf mit den osteuropäischen Nachbarn ausgesetzt.

Was kostet die Kur in Mitteldeutschland?

Wer eine Kur in Mitteldeutschland machen will, findet innerhalb dieser Region allerdings keine großen Preisunterschiede. Wir haben beispielhaft im sächsischen Bad Elster, Bad Liebenstein in Thüringen und Bad Schmiedeberg in Sachsen-Anhalt nachgefragt: Was kostet mich dort jeweils eine dreiwöchige Kur im Mai, die Herz-Kreislauf-Beschwerden lindert? Der Preis pro Nacht und Person hängt vor allem vom eigenen Anspruch bei der Unterbringung ab. Im Vier-Sterne-Hotel inklusive Frühstück bekommen wir Angebote, die zwischen 45 und 65 Euro pro Nacht variieren. Ist der Kurantrag durch die Krankenkasse genehmigt, zahlt der Kurgast zehn Prozent der Heilmittelkosten selbst, den Rest übernimmt die Kasse. Wie viele Behandlungen konkret durchgeführt werden, legt erst der Badearzt individuell vor Ort fest. Bei einer dreiwöchigen Kur in einem dieser drei Bäder kann man in etwa mit einem Eigenanteil von 50 bis 100 Euro rechnen. Hinzu kommen zehn Euro Rezeptgebühr pro Verordnung vom Badearzt. 

Einige Krankenkassen bezuschussen bei Genehmigung der Kur auch die Kosten für Unterkunft und Verpflegung. Bei der Techniker-Krankenkasse gibt es zum Beispiel einen pauschalen Zuschuss von 100 Euro, wenn die Kur mindestens 21 Tage gedauert hat. Die AOK Plus zahlt maximal 16 Euro pro Tag dazu - hier muss dann der Patient Quittungen über die entstandenen Kosten einreichen. Dazu zählen auch Kurtaxe oder Fahrtkosten. Die DAK-Gesundheit gibt hingegen keinen Zuschuss, während die Barmer angibt, einen Zuschuss für Verpflegung und Unterkunft nur für chronisch kranke Kinder zu zahlen.

Wer seine Kurreise in Deutschland privat bezahlt, der muss im Schnitt mit zirka 62 Euro pro Tag und Person rechnen. Bei einem normalen Urlaub in Inland seien es durchschnittlich 50 Euro pro Tag und Person, erklärt Tourismusdozentin Matilde S. Groß von der Hochschule Harz.

Alternative: Präventionsreisen

Wer nicht gleich für mehrere Wochen auf Kur fahren will oder kann, der kann eine Präventionsreise machen. Wer Urlaub mit Sport- oder Entspannungskursen verbindet, kann dafür einmal im Jahr einen Zuschuss seiner Krankenkasse erhalten. Ob Nordic-Walking, Yoga, Rückentraining oder Aquafitness, das Spektrum ist groß. Einige Reiseveranstalter haben sich auf die bezuschussten Präventionsreisen spezialisiert und arbeiten als Dienstleister direkt mit den Krankenkassen zusammen. Oft wird der Antrag an die Kasse dann schon bei der Buchung automatisch mit gestellt. Doch für die Bezuschussung gibt es Bedingungen: Die Teilnahme an den Kursen muss nachgewiesen werden und Kurse und Trainer müssen zertifiziert sein.

Zwei Frauen machen im Schwimmbecken Wassergymnastik.
Auch sportherapeutische Kurse bei Präventionsreisen können von den Krankenkassen gefördert werden. Bildrechte: colourbox.com

Für zirka 90 Prozent der Gesetzlichen Krankenkassen übernimmt die Zentrale Prüfstelle Prävention die Zertifizierung. Dabei kommt es darauf an, dass der Trainer Qualifikationen nachweisen kann und der Kurs neben Sport auch Wissen über den eigenen Körper vermittelt. Ziel dieser Kompakt-Angebote ist es, die Kursteilnehmer zu motivieren, sich auch im Alltag sportlich zu betätigen. Außerdem richten sie sich an alle, denen im alltäglichen Umfeld die Zeit für die eigene Gesundheit fehlt. Für pflegende Angehörige sei das zum Beispiel eine gute Möglichkeit, um mal ein paar Tage rauszukommen und sich um sich selbst zu kümmern, sagt Groß.

Außerdem kann so eine Präventionsreise ein echtes Schnäppchen sein. Denn nicht nur an Kurorten kann man solche Angebote wahrnehmen, sondern auch in Großstädten. Einige Krankenkassen übernehmen hier die vollen Kurskosten.

Kur in Osteuropa

Zu den beliebtesten Kurreiseländern der Deutschen gehören Polen, Tschechien und Ungarn. Auch die polnische Ostsee boomt. Kein Wunder: Zwei Wochen Kurprogramm an der polnischen Ostsee gibt es für Selbstzahler schon für zirka 1.000 Euro pro Person. Unterbringung im Vier-Sterne-Hotel, mit Vollpension, 15 Behandlungen und inklusive Busanreise. Allerdings sind die Anwendungen in Polen oft auch etwas kürzer als zum Beispiel hierzulande. Auch die Kur in Tschechien kann man für zirka 1.000 bis 1.100 Euro haben. Besonders renommiert ist das tschechische Bäderdreieck mit den Orten Karlsbad, Franzensbad und Marienbad. Franzensbad lockt mit seinem milden Reizklima und seinen zahlreichen Mineralquellen. Auch die stärkste Glaubersalzquelle der Welt findet sich hier. Aber auch Marienbad und Karlsbad locken mit kohlensäurehaltigen Quellen, Moor- und Schwefelschwamm. Für die Deutschen ist das Bäderdreieck besonders gut zu erreichen und durch die Nähe zur Grenze sprechen die meisten Ärzte und Therapeuten Deutsch. Etwas teurer ist die Kur in Ungarn, zu den selben Bedingungen zahlt man hier für zwei Wochen Kur in etwa 1.300 Euro pro Person. Dafür ist das Land für seine Gastfreundschaft und gute Küche bekannt. In Ungarn findet man außerdem den Hevizer Heilsee. Das ist der größte natürliche Thermalsee weltweit. Er hilft vor allem bei rheumatischen Erkrankungen, Atemwegs- und Hauterkrankungen.

Franzensbad in Tschechien. Blick auf eine Fußgängerzone. Rechts sitzen Menschen auf weißen Bänken. Dahinter gelb getünchte Häuser.
Franzensbad in Tschechien ist als Kurort beliebt. Bildrechte: IMAGO

So oder so gilt: Früh buchen zahlt sich aus und auch eine Kurreise außerhalb der klassischen Reisezeiten im Sommer ist günstiger. Wer direkt bei Kurreiseanbietern oder den Hotels und Kureinrichtungen bucht, kann außerdem weiter sparen. Die Kur in Osteuropa kann aber auch von den Kassen genehmigt und bezuschusst werden. Ausschlaggebend hierfür ist, dass eine entsprechende Kurmaßnahme auch im Zielland für die Einheimischen gesetzlich vorgesehen ist. Außerdem muss es sich um anerkannte Kurorte handeln. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen führt eine Liste über diese Länder. Die Abteilung Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung - Ausland (DVKA) kümmert sich um die Abfrage bei den europäischen Ländern. Außerdem können Länder beantragen, in die Liste aufgenommen zu werden.

In 13 Ländern ist eine bezuschusste Kur demnach derzeit prinzipiell möglich. Darunter auch in Polen, der Tschechischen Republik und in Ungarn. Die Höhe der Bezuschussung erfolgt bei den meisten Kassen wie bei einer Kur in Deutschland. Der Unterschied: Wenn die Kasse nicht bestimmte Vertragseinrichtungen im Ausland hat, muss der Patient zunächst in Vorkasse gehen. Die 90 Prozent der Heilmittelkosten bekommt er dann nach Beendigung der Kur zurückerstattet. Allerdings dürfen die Kosten dabei nicht höher sein, als sie es bei einer gleichen Therapie in Deutschland gewesen wären. Wird die Kur im Ausland genehmigt, sollte man sich außerdem erkundigen, ob die Krankenkasse zusätzliche Gebühren erhebt. So wird die Erstattung im Ausland bei der AOK Plus beispielsweise um 7,5 Prozent gemindert, als Abschlag für entstehende Verwaltungskosten. Dabei werden mindestens fünf, höchstens aber 40 Euro berechnet.

Für Unterkunft, Reisekosten und Verpflegung kann man sich, je nach Kasse, auch bei der Kur im Ausland Geld zurückholen.

Kur exotisch

Ein warmes Meerwasserbad mit Algen wird vorbereitet
Bei der Thalassotherapie kommen Meerwasser und Algen in einem Bad zum Einsatz. Bildrechte: dpa

Eine Kur jenseits der klassischen Kurorte? Altkanzler Willy Brandt etwa wurde 1972 von seinem Arzt zur Kur auf die kanarischen Inseln in Spanien geschickt. Genauer: nach Fuerteventura. Die salzhaltige Luft und das Reizklima halfen ihm dabei, sich von einem Stimmleiden zu erholen. Und auch heute wird mit dem Wörtchen "Kur" für die Kanaren geworben. Vor allem Thalassotherapie, also Anwendungen mit Meerwasser und Algen, steht im Fokus. Oft aber stecken hinter den Angeboten auch gemischte, manuelle Therapieangebote von klassischer Massage, über Aquafitness bis hin zu Physiotherapie. Das Wort "Kur" ist kein geschützter Begriff und kann, wie auch sein englisches Pendant Spa, ohne weiteres von den Hotels und Therapiezentren benutzt werden. Doch nur weil "Kur" auf den Angeboten draufsteht, heißt das noch lange nicht, dass die Krankenkasse zahlt. Wer auf den Kanaren das Klima und die Therapieangebote nutzen will, muss davon ausgehen, die Kur dort selbst zahlen zu müssen. Denn das spanische Sozialrecht sieht Kuren für Einheimische nicht vor, also können auch Deutsche dort keine bezuschusste Kur machen.

Wir haben bei den vier mitgliedsstärksten Krankenkassen Barmer, DAK-Gesundheit, Techniker-Krankenkasse und der AOK Plus für Thüringen und Sachsen nachgefragt. Fragen lohnt sich - aber vor dem Urlaub! Alle vier Kassen sind sich einig, dass eine Kur auf den Kanarischen Inseln nicht als ambulante Vorsorgemaßnahme nach dem fünften Sozialgesetzbuch bezuschusst werden kann. Die Barmer und die Techniker-Krankenkasse geben allerdings an, dass einzelne Rezepte aus Deutschland nach vorheriger Rücksprache in Ausnahmefällen auch im Ausland eingelöst werden können. Konkret heißt das: Der Patient geht in Vorkasse und reicht Rezept und Rechnung nach dem Kuraufenthalt bei der Krankenkasse ein. Hat die Kasse vor Reiseantritt ihre Zustimmung gegeben, kann man so möglicherweise einen Teil der Behandlungskosten erstattet bekommen. Rechtlichen Anspruch hat man darauf allerdings nicht, eine solche Leistung wäre als Entgegenkommen der Krankenkasse zu verstehen.

Und wie sieht es aus mit einer Kur auf dem Kreuzfahrtschiff? Kreuzfahrten sind beliebt und machen den Kurorten an Land auch mit Gesundheitsangeboten Konkurrenz. "Das Komfortable, ein bisschen Luxus, Verwöhnen, Genießen, alles auf kleinem Raum, das ist perfekt", sagt die Expertin für Gesundheitstourismus Groß. "Und dieser Komfort wird eigentlich auch von den Kurorten und Heilbädern gefordert." Kurze Wege und spontanere Behandlungsmöglichkeiten seien nötig, um der Konkurrenz auf hoher See etwas entgegensetzen zu können. Doch die Kur auf dem Luxusliner wird wohl kaum von den Krankenkassen bezahlt. Aber auch hier gilt: Im Zweifelsfall vor Reiseantritt fragen. Denn einige Kassen zeigen sich auch hier gesprächsbereit, wenn es um das Einlösen einzelner Rezepte geht. Die Techniker-Krankenkasse gibt sogar an, einen Kurantrag für die Kreuzfahrt zu prüfen. Ausschlaggebend wäre hierbei die Flagge des Landes, unter der das Schiff fährt. Und wieder gilt: Ist die Kur in diesem Land möglich? Dann stehen die Chancen gut, solange auch die Therapieangebote dem deutschen Kurangebot äquivalent sind.

Aber Vorsicht, eein deutsches Schiff fährt nicht automatisch unter deutscher Flagge. Die AIDA-Flotte zum Beispiel fährt unter italienischer Flagge. Eine Kur wäre also, zumindest theoretisch, möglich. "Mein Schiff" hingegen fährt unter maltesischer Flagge. In Malta ist eine bezuschusste Kur nicht möglich.

Weitere Video-Beiträge zum Thema Kuren

Alle Beiträge aus der Sendung

Frau und Kind an der Ostsee
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Tagebuch - Kuraufenthalt am Mittelmeer
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Kreuzfahrt
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau extra | 02. Januar 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Januar 2018, 10:10 Uhr