Ein Sparkassenbuch liegt auf einem Vertrag.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sparkassen-Zinsen von Prämiensparverträgen Verbraucherzentrale Sachsen: 150 Fälle in Prüfung – fast alle mit falschen Zinsberechnungen

150 Prämiensparverträge hat die Verbraucherzentrale Sachen auf ihre Verzinsung in Prüfung. Im Durchschnitt seien Zinsnachforderungen in vierstelliger Höhe errechnet worden, erklärt Verbraucherschützerin Madlen Müller.

Ein Sparkassenbuch liegt auf einem Vertrag.
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Die Verbraucherzentrale Sachsen hat bislang 150 Prämiensparverträge mit variabler Verzinsung in Prüfung und fast alle weisen falsche Zinsberechnungen aus. "Wir haben alle diese Fälle an Kreditsachverständige weitergegeben und man kann sagen, dass im Durchschnitt ein vierstelliger nachträglicher Zinsanspruch entstanden ist und dass die Verbraucher diesen Betrag auch zurückfordern können", erklärt Madlen Müller, Finanzberaterin der Verbraucherzentrale Sachsen auf Nachfrage.

Sparer können Unterlagen für 85 Euro prüfen lassen ...

Die VZ Sachsen startet heute ein umfassendes Beratungsangebot für Sparer mit solchen langfristigen Sparverträgen: Für 85 Euro kann man seine Unterlagen prüfen lassen. Die Verbraucherzentrale hatte im Zuge der vorzeitigen einseitigen Kündigungen jener Verträge durch einige Sparkassen in Stichproben auch gleich die Zinsberechnungen überprüft. Madlen Müller dazu: "Generell kann es sich um alle Banken und Kreditinstitute handeln, die langfristige Sparverträge mit einer variablen Grundverzinsung anbieten oder angeboten haben. Momentan liegt der Schwerpunkt aus unserer Sicht aber bei den Sparkassen, genauer gesagt beim Produkt ‚Prämiensparen flexibel‘, denn hier hatten die Verträge in aller Regel eine variable Grundverzinsung und diese gilt es nachzuprüfen."

... und erhalten ein Gutachten eines Kreditsachverständigen

Betroffene Verbraucher erhalten nach der Prüfung ein Gutachten eines Kreditsachverständigen. "Dieses Gutachten können die Sparer dann direkt an ihre Sparkasse schicken. Darin ist detailliert festgehalten, worauf sich dieser Zinsanspruch stützt. Und dann muss die Reaktion der Sparkasse abgewartet werden," so Müller. Das MDR-Magazin "Umschau" hatte bereits am 5. Februar 2019 über den Fall eines Sparers aus Zwickau berichtet, bei dem rund 7.000 Euro nachträglicher Zinsanspruch berechnet worden sind.

Aktuelle Ergänzung am 15.02.2019 – um 14:00 Uhr

Nach Auskunft der Verbraucherzentrale Sachsen sind unter den aktuell geprüften 150 Sparverträgen auch Verträge der Stadt- und Kreissparkasse Leipzig. Auf Nachfrage äußerte sich die Sparkasse Leipzig schriftlich gegenüber dem MDR-Magazin "Umschau" wie folgt: "Prämiensparprodukte waren in den vergangenen Jahren eine attraktive Anlageform, mit der die Sparer eine deutlich über der Entwicklung der Sparzinsen liegende Rendite erzielen konnten. Nach einer entsprechenden Entscheidung des BGH hat die Sparkasse Leipzig für diese Sparverträge eine transparente produktbezogene Zinsanpassungsklausel umgesetzt und seitdem angewandt. Grundlage für die Zinsanpassung ist ein Referenzzinssatz, der sich aus einem kurzfristigen Geldmarktzinssatz, dem Zinssatz für Anlagen mit einer Restlaufzeit von drei Jahren und einem Zinssatz für langfristige Anlagen mit einer Laufzeit von über neun bis einschließlich zehn Jahren zusammensetzt. Die Zinssätze entnehmen wir der Zinsstatistik der Deutschen Bundesbank, die öffentlich zugänglich ist. Die Überprüfung des Referenzzinssatzes und des Erfordernisses einer Anpassung erfolgt regelmäßig zum letzten Bankarbeitstag der Monate Februar, Mai, August und November. Die von uns verwendete Zinsanpassungsklausel ist produktgerecht, zulässig und deshalb auch wirksam. Unseren Kundinnen und Kunden stellen wir auf Nachfrage eine Aufstellung zu den auf Grundlage dieser Vereinbarung vorgenommenen Zinsanpassungen sowie die Entwicklung des Referenzzinssatzes zur Verfügung. Selbstverständlich können sich unsere Kundinnen und Kunden bei allen Fragen zum Vertrag direkt an uns wenden."

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 19. Februar 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Februar 2019, 10:50 Uhr