Umschau | 13.03.2018 | 20:15 Uhr Urlaub mit dem Wohnmobil

Im Urlaub mit dem Wohnmobil auf Entdeckertour unterwegs zu sein, ist für viele ein Traum: Flexibel, spontan, und trotzdem ist die gemütliche Unterkunft immer dabei. Wir sagen Ihnen, was Sie als Wohnmobil-Einsteiger dabei beachten sollten.

Die Voraussetzungen

Um ein Wohnmobil fahren zu können, brauchen Sie einen Führerschein. Haben Sie einen neueren mit Klasse B, dürfen Sie ein Wohnmobil mit bis zu 3,5 Tonnen Gewicht fahren. Wenn Sie Ihren Führerschein vor 1999 gemacht haben und die Klasse 3 eingetragen ist, darf das Wohnmobil bis zu 7,5 Tonnen wiegen. Wollen Sie ein Wohnmobil mieten, müssen Sie mindestens 21 Jahre alt sein und Ihren Führerschein mindestens ein Jahr besitzen.

Welches Wohnmobil brauchen Sie?

Das hängt zuerst davon ab, wie viele Personen mitfahren sollen. Dann folgen weitere Fragen. Mögen Sie es eher klein und wendig, dafür aber nicht ganz so luxuriös? Oder soll es die große Herberge mit allem Drum und Dran sein? Sind Sie in den heißen Sommermonaten unterwegs? Oder brauchen Sie eine komfortable Heizung für die kühleren Tage? Folgende Varianten stehen zur Auswahl:

  • Van- oder Kastenwagen: geeignet für bis zu zwei Personen, reicht zum einfachen Übernachten, keine Dusche, Küche und auch kein WC. Ungeeignet für Familien.
  • Alkoven-Mobil: Die Schlafkabine liegt über dem Fahrerhaus. Dusche, Küche und WC vorhanden. Familientauglich.
  • teilintegriertes Mobil: Die Fahrerkabine kann in den Wohnraum integriert werden. Dusche, Küche und WC inklusive. Für Familien geeignet.
  • vollintegriertes Mobil: Fahrbereich gehört zum Wohnbereich. Verschiedene Räume, Küche, WC, Dusche inklusive. Sehr viel Platz für die Familie.

Mieten oder kaufen?

Eine Familie beim Campen
Bildrechte: IMAGO

Beide Optionen haben Vor- und Nachteile. Für absolute Neulinge empfiehlt es sich, einen Urlaub im Wohnmobil erstmal auszuprobieren. Dazu bietet sich eine Woche in der Vor- oder Nachsaison an. Die Mietpreise für Wohnmobile liegen da bis zu 30 Prozent unter den Preisen der Hauptsaison. Zunächst müssen Sie nämlich erst einmal herausfinden, ob so ein Wohnmobil zu Ihnen und Ihren Vorstellungen von einem Urlaub auch wirklich passt. Auch Anzahl und Alter der Kinder spielen dabei eine große Rolle. Haben Sie sich grundsätzlich für ein Wohnmobil entschieden, bietet sich ein Kauf an, wenn:

  • Sie einen sicheren und trockenen Stellplatz außerhalb der Urlaubszeit haben,
  • Sie das Wohnmobil immer wieder und auch mal außerhalb der Ferien nutzen möchten,
  • Sie das Wohnmobil auf dem eigenen Grundstück quasi als zusätzliches Gästezimmer nutzen können,
  • Sie bei Reisen ins entfernte Ausland die entsprechend lange Anfahrt in Kauf nehmen.

Ein neues Wohnmobil ist eine teure Anschaffung, je nach Typ und Ausstattung geben Sie dafür ab 40.000 Euro aus. Kauftipp: Ein gebrauchtes Wohnmobil ist wesentlich preiswerter. Bei guter Pflege haben Sie den gleichen Komfort, die Motoren sind in der Regel sehr langlebig, und auch ein zehn Jahre altes Modell hat oft nur ein paar tausend Kilometer auf dem Tacho.

Ein Wohnmobil zur Miete bietet sich an, wenn:

  • Sie auch auf andere Urlaubsformen nicht verzichten wollen,
  • Sie oft in unterschiedlicher Personenstärke in den Urlaub fahren,
  • Sie in verschiedene Länder reisen wollen, aber immer nur circa zwei Wochen Urlaub machen können. Ein Wohnmobil vor Ort zu buchen und an den Urlaubsort zu fliegen, spart Zeit.

In der Hauptsaison kostet Sie ein einfaches Wohnmobil für 14 Tage ab 1.600 Euro inklusive Versicherung. Soll das Wohnmobil größer und komfortabler sein, können Sie auch schnell mal bis zu 4.000 Euro für zwei Urlaubswochen ausgeben. Miettipp: Ähnlich wie bei Bungalows oder einem Hotelzimmer mieten Sie ein Wohnmobil in der Nebensaison wesentlich billiger.

Die Kosten

Urlaub mit dem Wohnmobil ist komfortabel, aber vergleichsweise teuer. Zusätzlich zu Anschaffungskosten oder der Miete bezahlen Sie auf dem Campingplatz pro Nacht ab 25 Euro Standgebühren. Hinzu kommen Kosten für Benzin beziehungsweise Diesel und Versicherung. Beim eigenen Wohnmobil müssen Sie noch Gebühren für Winterquartier, TÜV und KFZ-Steuer einberechnen.

Privat mieten oder Überführungsfahrten - Die Sparmöglichkeiten

Wer sein Wohnmobil nicht das ganze Jahr nutzt, stellt es auf speziellen Plattformen im Internet zur Privatmiete für andere zur Verfügung. Einen Kastenwagen bekommen Sie hier schon ab 39 Euro, ein Alkoven-Mobil für knappe 60 Euro pro Tag gemietet. Achten Sie bei solchen Mietvereinbarungen auf die Versicherungsbedingungen.

Junges Pärchen in einem Auto
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Abenteurer und Individualisten können besonders in den USA, Kanada oder auch Australien Wohnmobile überführen und dabei richtig Geld sparen. Teilweise bieten die Verleiher die Mobile für die Überführung sogar kostenlos an und geben noch Benzingeld dazu. Einziger Haken: Sie müssen zu einem bestimmten Zeitpunkt am vereinbarten Überführungsort sein und sind so in Ihrer Routenauswahl ein bisschen eingeschränkt.

Der Praxistest  

Bevor Sie ein Wohnmobil mieten oder kaufen, schauen Sie sich das Gefährt richtig an. Aus einem Grundriss oder Bildern im Prospekt lässt sich nur schwer schließen, wieviel Platz sich Ihnen wirklich bietet. Auf Touristikmessen oder direkt beim Vermieter sollten Sie deshalb ausführlich besichtigen und testen. Mieten Sie ein Wohnmobil, dann lassen Sie sich bei der Übernahme alle technischen Details wie Heizung, Wasseranschluss oder Abwasserentsorgung genau erklären. Klären Sie auch ab, an wen Sie sich im Falle einer Panne wenden.

Die Fahrpraxis               

An die Ausmaße des Wohnmobils sollten Sie sich als Neuling erstmal gewöhnen.  Kurvenverhalten, Bremswege, Sichtverhältnisse, Beschleunigung und andere Eigenschaften unterscheiden sich teilweise erheblich von normalen Pkws. Üben Sie deshalb besonders Einparken, Rückwärtsfahren, Bremsen und Anfahren am Hang. Das erleichtert Ihnen gerade auf engeren Straßen in der Stadt die Handhabung. Beachten Sie die Ausmaße des Fahrzeugs auch bei Ihrer Reiseroutenplanung. Im Zweifel können oder dürfen nicht alle Straßen mit Wohnmobilen befahren werden. Besonders die Höhe von Brücken und Durchfahrten müssen Sie beachten.

Zuletzt aktualisiert: 13. März 2018, 14:18 Uhr