Fragen und Antworten zur Absetzung von "Steimles Welt"

Die Absetzung von "Steimles Welt" im MDR-Fernsehen wirft bei vielen MDR-Zuschauerinnen und -Zuschauern Fragen auf. Der Direktor der Programmdirektion Leipzig, Wolf-Dieter Jacobi, greift die Fragen auf und beantwortet sie.

Schränkt der MDR die Meinungsfreiheit ein?

Die Entscheidung hat nichts mit den Inhalten von "Steimles Welt" zu tun. Es geht um die Frage, wie man sich gegenüber dem eigenen Arbeitgeber verhält. Uwe Steimle hat wiederholt und massiv Grundwerte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Frage gestellt.

Da kann jeder selbst überlegen: Wenn ein Mitarbeiter in der Bäckerei den Kunden sagt, das Brot schadet Ihnen, dann würde dieser Mitarbeiter auch nicht mehr lange in der Bäckerei arbeiten.

Kritiker werfen dem MDR nun Zensur vor. Stimmt das?

Den Vorwurf der Zensur weise ich strikt zurück. Wir haben mit "Steimles Welt" den besten Beweis geliefert, dass wir Meinungsfreiheit gewährleisten und Vielfalt zulassen. In seinen Sendungen ist nie irgendetwas zensiert oder weggeschnitten worden. Es ist alles so gelaufen, wie er das auch wollte.

Satire darf sehr viel, auch hier und da mal Grenzen ausloten, aber hier geht es darum, wie er sich über das eigene Haus geäußert hat.

Wir haben über einen langen Zeitraum immer wieder das Gespräch gesucht - aber es hat sich nichts verändert. Das Vertrauensverhältnis für eine gute und respektvolle Zusammenarbeit ist damit schlicht nicht mehr vorhanden.

Wurde Steimle gekündigt/gefeuert/rausgeschmissen?

Uwe Steimle war freier Mitarbeiter des MDR. Er hat für jede seiner Sendungen einen Einzelvertrag bekommen. So wie jeder andere freie Mitarbeiter auch, hat er für seine Leistung ein Honorar erhalten. Mit dem Absetzen von "Steimles Welt" entfällt diese Leistung. Von einer Kündigung kann also nicht die Rede sein.

Erhält Steimle Berufsverbot?

Der MDR hat sich entschieden, die Sendung "Steimles Welt" einzustellen. Das hat mit einem Berufsverbot überhaupt nichts zu tun. Selbstverständlich steht es Uwe Steimle völlig frei, als Künstler aktiv zu sein, und er tritt ja auch weiter auf.

Er sagt doch die Wahrheit, ihr seid Staatsfunk!

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist solidarisch von allen finanziert und ein Rundfunk für alle Bürgerinnen und Bürger der Gesellschaft. Er ist wirtschaftlich und politisch unabhängig organisiert und dazu verpflichtet, unparteiisch, objektiv, unvoreingenommen und transparent zu berichten.

Was wir permanent hinterfragen, ist, ob wir die Vielfalt der Gesellschaft, die Vielfalt der Meinungen ausreichend im Blick haben. Warum tun wir das? Wir müssen unseren Wert im Diskurs mit der Gesellschaft nachweisen und Kritik bzw. das Urteil der Bürgerinnen und Bürger ernst nehmen.

Sie müssen das gesamte politische Meinungsspektrum repräsentieren, so lange es nicht grundgesetzwidrig ist!

Als öffentlich-rechtlicher Sender sind wir dem Prinzip der Ausgewogenheit verpflichtet und bilden politische Vielfalt ab, das gilt in besonderer Weise für unsere Informations- und Hintergrundsendungen.

Gerade in diesem Jahr mit Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen haben wir zudem Dialogformate bewusst verstärkt.

So gab es zum Beispiel im MDR-Fernsehen mehrere Bürgertalk-Sendungen vor den Wahlen sowie Sendereihen wie das MDR AKTUELL "Sofa" oder auch "Pommes mit Meinung" am Nachmittag, in denen wir vor Ort waren und Menschen und ihre Meinungen zu aktuellen Themen ausführlich abgebildet haben.

Zuletzt aktualisiert: 09. Dezember 2019, 10:28 Uhr