Internationaler Tag der Pressefreiheit Wille: "Freier Journalismus in Krisenzeiten besonders wichtig"

Autoritäre Regierungen gehen weltweit zunehmend repressiv gegen unabhängige Medien vor. Darauf verweist das International Press Institute (IPI) zum Welttag der Pressefreiheit am 3. Mai

Ein französischer Fotograf (M) wird von Hisbollah-Anhängern angegriffen und fällt zu Boden.
Ein französischer Fotograf (M) wird im Libanon von Hisbollah-Anhängern angegriffen und fällt zu Boden. Bildrechte: dpa

Die Corona-Pandemie hat diese negativen Trends beschleunigt: In mindestens 18 Ländern wurden zum Beispiel neue "Fake News"-Gesetze erlassen. Diese Gesetze werden als Mittel zur Bekämpfung von Desinformation über die Gesundheitskrise deklariert und von den Regierungen als Instrumente genutzt, um den Nachrichten- und Informationsfluss zu kontrollieren, die Freiheit der Berichterstattung einzuschränken, Journalistinnen und Journalisten wegen ihrer Berichterstattung über das Virus zu verhaften oder daran zu hindern, mit Gesundheitsbeamten oder Medizinern zu sprechen oder an Pressekonferenzen teilzunehmen.

Freier Journalismus ermöglicht Zugang zu lebensnotwendigen Informationen

Prof. Dr. Karola Wille - MDR-Intendantin
Prof. Dr. Karola Wille - MDR-Intendantin Bildrechte: MDR/Kirsten Nijhof

"Gerade in Krisenzeiten ist freier und unabhängiger Journalismus besonders wichtig, um den Menschen jederzeit einen verlässlichen und ungehinderten Zugang zu lebensnotwendigen Informationen zu ermöglichen. Deshalb lassen wir nicht nach, auf die Gefährdungen der Medienfreiheitsrechte weltweit immer wieder aufmerksam zu machen", so Karola Wille, Vorsitzende des Deutschen Nationalkomitees des International Press Institute (IPI).

Der "COVID-19 Press Freedom Tracker" des IPI hat seit 2020 weltweit 635 Verstöße gegen die Pressefreiheit registriert. Allein im asiatisch-pazifischen Raum wurden über 200 Verstöße im Zusammenhang mit der Pandemie gemeldet, von denen etwa die Hälfte auf Bangladesch, Indien, Pakistan und Nepal entfällt. 71 Journalistinnen und Journalisten wurden wegen ihrer Berichterstattung über die Pandemie und ihre Folgen in diesen Ländern verhaftet und angeklagt, während 32 Fälle von physischen Angriffen und verbalen Drohungen gemeldet wurden. Afrika steht in Bezug auf Verhaftungen und Anklagen gegen Journalistinnen und Journalisten sowie Medien an zweiter Stelle.

43 Journalistinnen und Journalisten weltweit getötet

Auch in Europa wurde eine alarmierende Anzahl physischer und verbaler Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten verzeichnet. Insgesamt wurden 112 Fälle registriert, von denen mehr als 80 Prozent aus der Öffentlichkeit stammten, unter anderem im Rahmen von Demonstrationen gegen pandemiebezogene Maßnahmen und Beschränkungen.

Laut "Death Watch" des IPI kamen in den letzten 12 Monaten weltweit mindestens 49 Journalistinnen und Journalisten aufgrund ihrer journalistischen Tätigkeit ums Leben, 43 von ihnen wurden ermordet.

Das International Press Institute (IPI) ist ein globales Netzwerk von Redakteurinnen und Redakteurin, Medienmanagerinnen, Medienmanagern und führenden Journalistinnen und Journalisten mit Hauptsitz in Wien. Seine Mission besteht darin, die Medienfreiheit und den freien Nachrichtenfluss zu verteidigen, wo immer sie bedroht sind.

Das Deutsche Nationalkomitee des IPI ist ein gemeinnütziger Verein. Es versammelt die Unterstützer des IPI in Deutschland und befördert die weltweiten Aktivitäten.