Ja, sie lebt noch Über die Sinnlichkeit von Postkarten

Ines Klein
Bildrechte: MDR/Andreas Lander

Postkarten haben etwas Sinnliches, findet Ines Klein. Die Autorin über mehr oder weniger einfallsreiche Inhalte, aktuelle Statistiken und kuriose Fakten zur Ansichts- oder Postkarte.

Postkarte
Auch wenn heute viel mehr digital kommuniziert wird, ist die gute alte Postkarte für viele im Urlaub ein Muss! Bildrechte: colourbox

Hat da jemand was von Sinnlichkeit und Postkarte gesagt? Sinnlichkeit bezeichnet ja umgangssprachlich die Hingabe an das Erleben durch die Sinne. Die Sinne – also Sehen, Riechen, Schmecken, Hören, Fühlen und der Gleichgewichtssinn.

Genau betrachtet werden einige durch die Postkarte tatsächlich bedient. Selbst hören kann man sie, wenn man sie aus dem Briefkasten zieht oder hinein wirft. Und das Gleichgewicht kann durchaus mal ins Wanken geraten, wenn die Karte von der oder dem Liebsten kommt. Doch (un)sinnige Spaßerei beiseite.

Die Postkarte als Forschungsgegenstand

Ganze Studien und Forschungen gibt es zum Thema Postkarte. Kein Wunder, meint Veit Didczuneit vom Museum für Kommunikation Berlin. Schließlich sei die Postkarte "etwas Besonderes": Man muss sie auswählen, kaufen, schreiben und einwerfen. Sinnlich – sag' ich doch.

Eine Wand voll mit verschiedenen Postkarten.
Gut erforscht: die Post- oder Ansichtskarte Bildrechte: Colourbox.de

Didczuneit muss es wissen, vor Kurzem gab es in seinem Museum eine Ausstellung zur Postkarte. Manche sagen auch Ansichtskarte. Ansichtssache!

Zumindest wurde 2019 selbige 150 Jahre alt. 1869 wurde die erste in Österreich verschickt, Deutschland folgte 1870. Das Pappkärtchen ist (oder war) genormt. Weil fast immer 10 mal 14,8 Zentimeter groß.

Der Unterschied zu digitalen Nachrichten

Im Grunde sind Postkarten die Vorgänger von Kurznachrichten. Sie wurden in ihrer ersten Zeit auch als Kurzinformationsmittel für wirtschaftliche Transaktionen verwendet, wenn es mal sehr schnell gehen musste, berichtet Didczuneit.

Doch zurück zur Sinnlichkeit. Zum Erleben, Erhalten. Nachhaltigkeit? Postkarten sind nachhaltig! Davon ist Alexander Edenhofer, Sprecher der Deutschen Post, überzeugt. Postkarten behält der Empfänger länger: "Wer heftet sich schon eine SMS oder ein Facebook-Posting an den Kühlschrank?" erklärte er schon vor Jahren immer wieder in diversen Zeitungsinterviews.

Und es gibt noch einen Unterschied zu Facebook-Postings oder WhatsApp-Nachrichten. Die Karte war ja unterwegs – also so richtig. Manchmal nur ein paar Kilometer, manchmal über Länder und Ozeane hinweg.

Anzahl der verschickten Ansichtskarten geht zurück

Allerdings ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Zahl der durch die Deutsche Post beförderten Ansichtskarten deutlich zurückgeht. So waren es 1954 rund 920 Millionen, 1982 dann 877 Millionen, 2017 nur noch 195 Millionen.

Anzahl der beförderten Postkarten durch die Deutsche Post bis 2017
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Bei genauerem Hinsehen aber ist das beschriebene Kärtchen immer noch beliebt, wie eine Umfrage aus dem vergangenen Jahr zeigt. Hier gaben 58 Prozent an, Grüße über Messenger-Dienste zu verschicken. 52 Prozent telefonieren und an Platz drei steht schon die Postkarte mit immerhin 45 Prozent. E-Mails dagegen nutzen nur 10 Prozent.

Wie wollen Sie in Ihrem diesjährigen Sommerurlaub Ihre Urlaubsgrüße verschicken?
Bildrechte: Statista

Auch die Tourismusbüros mitteldeutscher Städte bestätigen bei einer Blitzumfrage: Die Zahl an Postkarten geht zurück, aber sie werden immer noch gern und viel gekauft.

Unser Postkartensortiment ist noch relativ groß. Wir haben ca. 100 verschiedene Karten im Angebot. Gekauft werden sie von Jung und Alt.

Magdeburg-Souvenir

Nach wie vor werden Postkarten viel von Touristen gekauft. Doch in den letzten Jahren ist der Verkauf stetig zurückgegangen. Haben wir im Jahr 2015 noch ca. 15.000 Postkarten verkauft, waren es 2019 noch ca. 9.000 Stück.

Tourist-Information Leipzig

Aktuell haben wir Postkarten von mehr als fünf Anbietern und mehr als 120 verschiedene Motive. Wir haben ca. 5.000 Postkarten im Lager vor Ort.

Tourismusbüro JenaKultur

Die Postkarte zu DDR-Zeiten

Zu DDR-Zeiten war die Ansichtskarte aufgrund nicht ausreichend vorhandener Telefonanschlüsse das wichtigste Kommunikationsmittel – nach Telefon und Brief. Die Statistischen Jahrbücher der DDR weisen aus, dass zum Beispiel 1960 exakt 273 und 1975 mehr als 300 Millionen Postkarten verschickt wurden. Gedruckt wurden Karten damals u.a. im Verlag Bild und Heimat in Reichenbach im Vogtland. Der Verlag war Marktführer in der DDR bei der Herstellung von Ansichtskarten und Wandkalendern.

Mit Postkarten Geld machen

Es gibt da so einige Sammlerstücke für Philokartisten. Hierzu zählen Karten mit Bildern der Ostseebäder und Gutscheinkarten. Diese bringen pro Stück teilweise bis zu 100 Euro, im ganzen Set sogar mehrere Hundert Euro. Die verschiedenen Jahrgänge spielen dabei natürlich eine wichtige Rolle. Preislich am höchsten liegen die Jahre 1945 bis 1961.

Von den Tausende Euro bringenden, teils selbst gemalten Postkarten berühmter Personen des Zeitgeschehens reden wir hier gar nicht.

Selbst gemalt habe ich Postkarten bisher nicht, aber selbst geschrieben so einige. Damals aus dem Ferienlager – ein Muss an die Eltern: "Das Wetter ist gut. Das Essen schmeckt. Schickt mir Geld! Liebe Grüße."

Schnöde und unsinnlich, ich weiß. Aber im Trend. Die Wörter Essen, Wetter und Grüße werden gern verwendet und ausgeschmückt, so Studien der TU Dresden und der Uni Zürich: Da ist das Essen vorzüglich, fein oder prima, das Wetter schön, herrlich, strahlend oder wechselhaft. Und die Grüße werden zu Schnee-, Karten-, Wander- und Berggrüßen.

Eine Karte aussuchen, sie wegen des Motives abwägend in der Hand halten, ihr mit einem Stift zusätzlich Sinn geben, über die Postleitzahl des Adressaten sinnen, eine Briefmarke draufkleben, sie durch den klackenden Briefkastenschlitz schieben…

… mit sinnlichen Grüßen! 

Kuriose Fakten rund um die Postkarte


  • Am 30. Juli ist Weltpostkartentag

Der Postkarte, einer aussterbenden Zunft, ist mit dem 30. Juli sogar ein eigener Tag gewidmet: der Weltpostkartentag. Bei einer Befragung (2020) von rund 1.000 Menschen kam heraus, dass nur rund 45 Prozent in diesem Jahr noch eine Postkarte aus dem Urlaub schreiben. Das sind rund 10 Prozentpunkte weniger als in einer Erhebung aus dem Vorjahr. Ein handschriftlich geschriebener Gruß aus einem fernen Ort wird zusehends von Messenger-Diensten auf dem Smartphone ersetzt.

  • Kuriose Suchanfrage im Internet: Was schreibe ich auf meine Postkarte?

Auf vorgefertigten Postkarten befinden sich auf der rechten Hälfte Zeilen, in welche Sie Name und Adresse der Empfängerin oder des Empfängers eintragen. Oberhalb befindet sich ein eckiges Feld, auf welches Sie die Briefmarke kleben. Die Absenderadresse wird auf Postkarten üblicherweise nicht vermerkt.


Quelle: MDR/agz