Zwischen Kanonendonner und Schießpulver 35.000 Zuschauer bei Völkerschlacht-Darstellung

Die Gedenkwoche zum 200. Jahrestag der Völkerschlacht in Leipzig ist zu Ende. Nach einem Gottesdienst in der Nikolaikirche erreichte das Gedenken mit dem historischen Gefecht vor den Toren Leipzigs seinen Höhepunkt. An dem Spektakel waren über 6.000 Teilnehmer aus 26 Ländern beteiligt. Die Akteure trugen dabei Uniformen, die nach historischen Vorlagen angefertigt wurden.

Kanonendonner grollte am Sonntag über das 500.000 Quadratmeter große Schlachtfeld. Auf der Weinteichsenke zwischen Markkleeberg-Ost und Wachau stellten Tausende Laiendarsteller die drei verlustreichen Gefechtstage des Jahres 1813 nach. Nach Angaben des Verbandes Jahrfeier Völkerschlacht b. Leipzig 1813 e.V. handelte es sich um eine der außergewöhnlichsten Reenactment-Szenen der napoleonischen Epoche. Mehrere Stunden dauerte die Gefechtsdarstellung von Infanterie, Kavallerie und Artillerie. Das dargestellte Szenario sei verbürgt und von einer militärhistorischen Kommission entwickelt und geprüft, hieß es weiter.

Besucher beklagen schlechte Sicht

Rund 35.000 Besucher wollten das Historienspektakel sehen. Der große Besucherandrang sorgte für erhebliche organisatorische Probleme und eine rund anderthalbstündige Verspätung der Veranstaltung. Zugelassen war die Veranstaltung für rund 30.000 Besucher, gekommen sind aber deutlich mehr. Zuschauer zeigten sich zum Teil verärgert über eine schlechte Organisation, überteuerte Tickets und einen schlechten Blick auf das Geschehen. Im SocialTV des MDR schrieb der User "traurig": "Wir waren heute bei dieser Veranstaltung. Die Planung allein beim Einlass war mehr als nur schlecht. Auch die Versorgung, die Toiletten (1 Euro für ein Dixie) einfach nur beschämend." Ein anderer User kritisierte die Parkplatzsituation.

Historiker Nolte: Gefechtsdarstellung ist legitim 

Für den Historiker Paul Nolte ist die Inszenierung der Völkerschlacht eine legitime Form der Beschäftigung mit Geschichte. Sie könne eine Brücke zu einer ernsthaften Beschäftigung mit dem Thema schlagen, sagte Nolte am Sonnabend im Deutschlandradio Kultur. Es gebe einen anhaltenden Trend, dass Geschichte in populären Darstellungsformen in die Öffentlichkeit dränge, zum Beispiel in Form von Geschichtsmagazinen.

"Fest der Menschen"

Das Gefecht bildete den Abschluss der Gedenkwoche, in der mit unzähligen Veranstaltungen an die verheerende Schlacht erinnert wurde. Zu den Höhepunkten der Gedenkwoche gehörte die Enthüllung des sanierten Völkerschlachtdenkmals am Freitag. Am Sonnabend wurde in Leipzig ein "Fest der Menschen" gefeiert. Vor dem Völkerschlachtdenkmal präsentierten sich dazu verschiedene Chöre, darunter die Vokalmusiker des Moskauer Sretensky-Klosters sowie das deutsch-französische Ensemble Chor-beau. In historischen Biwaks in Dölitz, Markkleeberg, dem agra-Park und in Liebertwolkwitz gaben Darsteller aus 17 Nationen Einblick in die Lagerabläufe und Lebensumstände der Soldaten.

100 Jahre Völkerschlachtdenkmal

Die Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 war mit 100.000 Gefallenen das bis dato verlustreichste Gefecht der Menschheitsgeschichte. Damals kämpften die Truppen Österreichs, Preußens, Russlands und Schwedens gegen die Truppen des französischen Kaisers Napoleon Bonaparte. Die Schlacht beendete die Befreiungskriege gegen die napoleonischen Truppen. 100 Jahre später, im Jahr 1913, wurde das rund 90 Meter hohe Völkerschlachtdenkmal an der Stelle errichtet, an der die meisten Soldaten gefallen waren. Es gehört zu den größten Denkmälern Europas.

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82 Kommentare

23.10.2013 22:50 Stefan 82

Wir lassen uns das nicht gefallen. Erst zockt man uns ab und dann muss man sich auch noch beschimpfen und verhöhnen lassen von Herrn Pasemann. Wir haben Herrn Pasemann bereits angeschrieben und fordern unser Eintrittsgeld plus Ausgaben für Fahrtkosten zurück. Wir fühlen uns getäuscht und gar betrogen. Hab gelesen, dass es von Anfang an geplant war, mit der Veranstaltung erst um 14 Uhr zu beginnen. Und wo war der angebl. historische Markt. Meine Kinder waren mehr als frustiert und enttäuscht. Auch die LVB hat sich nicht mit Ruhm bekleckert. Verstopfte Bahnen und kein Personal an der Endhaltestelle.
Herr Pasemann mit seiner Agentur muss zur Rechenschaft und Verantwortung gezogen werden. Wir werden ihn auf jeden Fall verklagen, bekommen wir unser Geld nicht zurück. Und nie wieder eine Veranstaltung besuchen, die von Herrn Pasemann und seiner CWC-Agentur durchgeführt werden. Bei der nächsten Großveranstaltung nehmen wir auch wieder das Auto. Die Stadt Leipzig sollte sich schämen.

23.10.2013 10:42 marianne 81

In den Medien wurde eine Gesamtbesucherzahl von 70 000 genannt. Nur 35 000 konnten offenbar auf Bezahlplätzen mit und ohne (!) Sicht untergebracht werden. Was wäre wohl los gewesen, wenn alle Besucher schon frühmorgens angetrabt wären, wie einige Kommantare hier als Lösungsvorschalg anbringen... Die LVB hatte überhaupt keinen Plan, der halberwegs angemessen war, zumal am Ende nur ein Gleis liegt.Da wären wohl Busse angebracht gewesen.
All die Menschenmassen wurden ausschließlich durch einen schmalen Weg geschleust. Die Absperrung hätte viel weiter in Richtung Westen am Rand des Stoppelfeldes mit mehreren Zugängen angelegt werden können. Besonders idiotisch war, dass die Sichtschutzplanen an den westlichen Zäunen auch dann nicht entfernt wurden, als man längst festgestellt haben musste, wieviele Leute da waren.Wenigstens hatte die Security irgendwann aufgegeben, diesbezügliche Eigeninitiativen immer wieder zu korrigieren.

23.10.2013 08:40 Jörg Schräg 80

Bezeichnend ist, dass das Forum hier überquillt, wo man sich über die Abzocke beim (!Achtung, durch die führende Regionalzeitung als "Völkerschlacht-Spektakel bezeichnete!) Nachstell-Show ausheulen kann. Dagegen sind die Forumsbeiträge Mangelware, die sich mit den historischen Hintergründen und eine kritischen Umgang um das Gedenken auseinandersetzen.
Insofern kann man dem Herrn Pasemann einen Scharfsinn zu sprechen. Er beleidigt euch ja, aber er erkennt, dass es bei der Show am Sonntag um Brot und Spiele ging. Und um schnelles Geld am einfachen Volk.
Warum habe ich vorher gewußt, dass es nur noch Stehplätze auf freien Feld zu kaufen gibt und das wir auf diesen Plätzen nix außer Digitalkameras, Köpfe und mehrere gen Himmel ziehende Rauchwolken sehen wird. Warum habt ihr das nicht auch geahnt????

23.10.2013 07:23 Unzufriedene Besucher 79

Auch wir kritisieren, dass für die vielen Menschen viel zu wenig Platz auf dem Veranstaltungsgelände war. Kaum ein durchkommen insbesondere dort, wo die wenigen Imbissstände standen. Nicht auszudenken, wenn etwas passiert wäre. Keine Sicht auf das Schlachtfeld, wenn man nicht das Glück hatte, in der 1. Reihe zu stehen und diesen Platz über mindestens 4 Stunden stehend zu verteidigen. Öffentlich kommunizierter Beginn der Gefechtsdarstellung 12.30 Uhr, Beginn dann 14 Uhr. Wir haben die Veranstaltung bereits vorher aufgrund der genannten Umstände verlassen. Mussten auf diese Weise auch nicht die überteuerten Dixi-Toiletten nutzen. Verkehrs- und Parksituation um das Gelände war katastrophal. Aber die Krönung ist dann der Umgang des Veranstalters CWC-Pasemann mit Beschwerdeführern. So einen selbstgefälligen und herablassenden Umgang und die Art der Beantwortung der Beschwerde haben wir noch nie erlebt. Letztlich ist es das, was uns auch bewog, unseren Unmut öffentlich mitzuteilen.

22.10.2013 22:41 enzia252 78

Auch wir haben 2 Stunden mit meiner 2-jährigen Tochter im Stau gestanden und das Chaos miterlebt. Vor Ort wurde uns dann gesagt,das es keine Karten mehr gibt.
Zum Glück kann ich nur sagen! Wir wollten nach dieser Quälerei nicht nach Hause fahren,ohne etwas gesehen zu haben und sind trotzdem zum Schlachtfeld gelaufen.
Allerdings hatte man uns zur Rückseite geschickt. Dort hatten wir fast freie Sicht auf das Geschehen,das nur wenige Meter entfernt stattfand und diese extrem laute Kanone war weit genug weg. Dort gab es kein Gedränge,kein Anstehen nach Essen,denn wir hatten belegte Brötchen und etwas zu Trinken mit.
Wie kann so etwas nur passieren???

22.10.2013 19:58 Schlichter 77

R. Arndt: Ich pflichte Ihnen wieder mal bei! Leiden im Krieg und danach... man wollte ja nachstellen. Ganz schön verwöhnt die Leute heutzutage...bloss damals hat man kein Geschäft gemacht damit...

22.10.2013 19:26 Riedel Sigrid 76

Kann mich dem Urteil von Cornelia nur anschließen. Die ganze Organisation war ein Desaster bzw Unfähigkeit der Organisatoren.
Sie wollten mit minimalem Aufwand größtmöglichen Gewinn erzielen.
Es war ausserdem eine Frechheit das es erst 14 Uhr statt 12Uhr los ging und den Leuten wurde nichts gesagt.

22.10.2013 17:08 seibert 75

krischa74
Ja, Darstellung top, aber Organisation eine Katastrophe! Trotzdem ein Kompliment an den Veranstalter, ihm ist es schließlich gelungen, das Chaos, was damals geherrscht haben muss, hautnah erlebbar zu machen!! Obwohl, laut historischen Quellen, soll, gemessen am Organisationschaos der Veranstaltung, selbst die überstürzte Flucht der französischen Armee aus Leipzig vergleichweise geordnet gewesen sein soll. Und es muss damals schon deshalb besser organisiert gewesen sein, da damals mehr als eine halbe Million Soldaten beteiligt war. Bei einer Planung wie der vom Wochendende, hätte die Völkerschlacht 1813 wohl Jahre gedauert Und ob es Napoleon unter solchen Bedingungen nicht vielleicht doch gepackt hätte?? Aber okay, man musste ja damals auch keine Eintrittskarten verkaufen und Parkflächen ausweisen.
Aber was solls, nächstes Jahr ist ja wieder Völkerschlacht!

22.10.2013 16:03 Reiner Arndt 74

Mein Mitgefühl gilt allen, die bei dieser "Neuauflage" der Völkerschlacht zu leiden hatten - ob an schlechter Sicht, defizitärem Parkleitsystem oder überhöhten Preisen. Allerdings erlaube ich mir den Hinweis, dass die Originalbeteiligten anno 1813 noch ganz anders leiden mussten. Ein Bewusstsein d a f ü r hat das Spektakel 2013 offensichtlich nicht vermitteln können!

22.10.2013 15:48 Patrick Remmel 73

Sehr großes Lob an die Darsteller!!! Auf eine derartig perfekte und beeindruckende Inszenierung wäre jeder geschichtsträchtige Ort der Welt stolz gewesen, gaaanz großes Kino!
Aber was die Stadt Leipzig bzw. Markkleeberg mit diesem miserablen Veranstalter daraus gemacht hat - eine Riesenschande, gekrönt von einer herablassenden Verhöhnung aller Besucher!