Die Füße eines Paars beim Sex.
Bildrechte: IMAGO

HP-Virus Auch Jungen sollen sich schützen!

Viren können Krebs auslösen, das ist seit Jahren bewiesen. Deshalb wird die Impfung gegen den HP-Virus empfohlen, der Gebärmutterhalskrebs verursachen kann. Jährlich erkranken in Deutschland 4.600 Frauen daran, ein Drittel der Betroffenen stirbt. Aber auch Jungen sind gefährdet. Zum einen übertragen sie das Virus, zum anderen können sich bei ihnen dadurch Krebsarten entwickeln. Deswegen sollen auch sie sich gegen HPV impfen lassen.

Die Füße eines Paars beim Sex.
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Humane Papillomviren werden durch Sex übertragen und können Krebs verursachen. Bei den Frauen Gebärmutterhalskrebs, bei den Männern werden sie u.a. mit dem sehr seltenen Peniskrebs in Verbindung gebracht. Sie verändern den genetischen Code der befallenen Zellen. Sie bauen eine falsche Information ein, sodass diese ungehemmt wachsen. Oder sie blockieren Kontrollsysteme in der Zelle, die ein überschießendes Wachstum verhindern. Das Gewebe wuchert, Krebs entsteht.

Seit etwa zehn Jahren gibt es einen Impfstoff gegen diese Erreger. Er brachte Hoffnung im Kampf gegen Gebärmutterhalskrebs, inzwischen sind etwa 40 Prozent der 18-jährigen Frauen geimpft. Nun hat die STIKO - die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut - nachgelegt: Sie wird die Impfung auch offiziell für Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren empfehlen. Denn Experten sagen: Im Schnitt haben junge Männer in nahezu allen Kulturen mehr Sexualpartner als junge Frauen. Damit sind Männer die wichtigsten Verbreiter der Infektion. Es geht also um Geschlechtergerechtigkeit - warum sollen sich nur die Mädchen schützen? Es geht auch um die Gesundheit der Jungen: Eine HPV-Impfung soll auch vor Krebsarten schützen, die Männer treffen können, wie etwa Mund-Rachen-Krebs oder Analkrebs. Experten zufolge gehen pro Jahr in Deutschland etwa 1.000 Krebsfälle bei Männern auf das Konto von HPV.

Ein Vorbild, was die Prävention betrifft, ist laut Robert-Koch-Institut Großbritannien:

In Großbritannien zum Beispiel sind 85 Prozent der jungen Frauen geimpft. Dort gibt es aber auch Impfprogramme in den Schulen, so etwas haben wir hier nicht.

Thomas Harder, Robert-Koch-Institut

Hinderlich ist auch, dass die Impfung von Beginn an auch umstritten war. Für Dörte Meisel, Landesvorsitzende des Berufsverbands der Frauenärzte in Sachsen-Anhalt, schwer nachvollziehbar:

Es hat mich wahnsinnig gefuchst, dass so eine tolle Impfung so ein schlechtes Echo hat. Die Nebenwirkungen sind angeprangert worden, die im Großen und Ganzen den Nebenwirkungen aller Impfungen, die wir kennen, entsprechen. Das Sicherheitsprofil der HP-Impfstoffe ist genauso wie bei den Impfstoffen, die schon lange etabliert sind.

Dörte Meisel, Landesvorsitzende des Berufsverbands der Frauenärzte in Sachsen-Anhalt

Wirksam gegen die HP-Viren bei Frauen - und gegen Krebs?

Elektronenmikroskopische Aufnahme mehrerer Humaner Papillomviren.
Humane Papillomviren unter dem Elektronenmikroskop Bildrechte: dpa

Inzwischen ist bewiesen, dass der Impfstoff fast hundertprozentig verhindert, dass sich Frauen mit humanen Papillomviren anstecken. Sicher ist auch, dass zumindest Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses vermieden werden. Dennoch ist es möglich, dass doch irgendwann bösartige Tumore entstehen. Von der Infektion bis zur Krebserkrankung können 15 Jahre vergehen, den Impfstoff gibt es jedoch erst seit 2006. Unklar ist außerdem, wie lange der Impfschutz überhaupt anhält. Bislang gehen die Wissenschaftler von etwa zwölf Jahren aus. Da aber junge Frauen eine mögliche Infektion besser überwinden als ältere, wäre eine lange Wirkdauer wichtig.

Effizienz: Sollen Frauen den Schutz der Männer mit übernehmen?

Neben der Wirksamkeit spielt bei einer Impfempfehlung für Deutschland ein weiteres Kriterium eine Rolle: Die Effektivität. Wenn irgendwann fast alle Frauen geimpft sind, können sie den Virus nicht mehr übertragen, das nennen die Experten Herdenschutz. Damit wäre ein fast einhundertprozentiger Immunisierungseffekt erreicht, der sich auch nicht mehr steigern ließe, würden zusätzlich die Männer geimpft.

Aber hier müssen wir uns natürlich die Frage nach der Geschlechtergerechtigkeit stellen. Ist es ethisch gerechtfertigt, die Frauen zu impfen und damit sozusagen den Schutz der Männer zu erkaufen?

Thomas Harder, Robert-Koch-Institut

Wägt man alles für und Wider gegeneinander ab, ist die Impfung am Ende immer noch eine Chance, zumindest Vorstufen von Krebs zu vermeiden - bei Männern und bei Frauen. Davon ist auch die Sächsische Impfkommission überzeugt und hat eine Empfehlung auch für Jungen ausgesprochen. Allerdings übernehmen die Krankenkassen die Kosten dafür derzeit nicht, anders als bei Mädchen. Und der Impfstoff ist teuer: je nach Wirkstoffkonzentration kostet eine Dosis ca. 160 Euro, meist sind mehrere Gaben notwendig. Hinzu kommen die Arztkosten.

Dipl. med. Dörte Meisel
Bildrechte: Laura-Nadin Naue/MDR

Ich habe trotzdem meine beiden Söhne und auch andere Jungen geimpft. Erstens, weil sie dann keine Überträger mehr sind und damit Mädchen, die nicht geimpft sind, auch geschützt werden. Zweitens, weil die Jungs selbst geschützt werden. Auch bei ihnen können HP-Viren Krebs im Mundbereich, im Darmbereich und am Penis verursachen.

Dörte Meisel, Landesvorsitzende des Berufsverbands der Frauenärzte in Sachsen-Anhalt

Nobelpreis für den Impf-Pionier Harald zur Hausen Die HPV-Impfung ist die erste Impfung gegen Viren, die Krebs auslösen. Anfang der 80er-Jahre konnte der deutsche Mediziner Harald zur Hausen nachweisen, dass die "humanen Papillomviren“ Auslöser für Gebärmutterhalskrebs sind. Diese Entdeckung wurde von der Fachwelt zunächst weitgehend ignoriert. Ärzte widersprachen sogar mit dem Argument: Viele Männer und Frauen seien mit humanen Papillomviren infiziert, aber die wenigsten bekämen Krebs. Es dauerte einige Jahre, bis zur Hausen Wissenschaftler überzeugen konnte, einen Impfstoff gegen die Viren zu entwickeln. 2006 wurde er in Deutschland zugelassen, zwei Jahre später bekam zur Hausen für seine Entdeckung den Nobelpreis für Medizin.

Viren verändern die Zellen nicht zwingend, sondern nur in seltenen Fällen, und auch erst nach Jahren. Oft verhindert das körpereigene Kontrollsystem, dass es überhaupt zu einer Veränderung kommt. Doch seitdem zur Hausen diesen Zusammenhang entdeckt hat, konnten Forscher noch mehr zeigen: HP-Viren lösen nicht nur Gebärmutterhalskrebs aus, sondern auch andere Krebsarten. Und da Forscher dies nachgewiesen ist, empfiehlt Frauenärztin Meisel die HPV-Impfung auch für Jungen:

Bereits bewiesen ist jedoch, dass die Impfung gegen die gefährlichen Virenarten HPV 16 und HPV 18 schützt. Und bewiesen ist auch, dass vor allem diese Viren zu Gebärmutterhalskrebs führen können.

Für Mädchen empfiehlt die Ständige Impfkommission die Impfung übrigens im Alter zwischen neun und vierzehn Jahren, also möglichst früh. Denn besonders wirksam ist sie vor dem ersten Sexualkontakt.

Über dieses Thema berichtete der MDR im Radio MDR AKTUELL | 21.09.2017 | 07:30
MDR Kultur Spezial| 31.01.2017 | 18:00-19:00

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Zuletzt aktualisiert: 12. Juni 2018, 13:38 Uhr