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HIV-Forschung Warum manche Affen gegen Aids immun sind

Aids zu heilen, das ist eine Mammut-Aufgabe der Medizin. Vielversprechend scheint die Forschung mit Affen zu sein: Das HI-Virus wurde einst vom Affen auf den Menschen übertragen. Trotzdem sind manche Affenarten immun gegen Aids. Ein internationales Forscherteam hat nun den Grund entdeckt und hofft auf wichtige Erkenntnise für die Medizin.

von Karolin Dörner

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Die Rußmangabe ist eine kleine braun-graue Meerkatze aus Westafrika. Keine sehr bekannte Primatenart, allerdings ist sie neben Schimpanse und Gorilla einer der Affen, die das HI-Virus einst auf den Menschen übertragen haben sollen. Die Rußmangabe hat also HIV und kann es übertragen, sie selbst ist aber immun gegen die Krankheit, die HIV beim Menschen auslösen kann: Aids. Professor Frank Kirchhoff, Direktor des Ulmer Instituts für Molekulare Virologie erklärt:

Bei diesen Affen ist es so, dass die zwar auch viel Virus tragen, aber das Immunsystem nicht dauernd aktiviert ist.

Frank Kirchhoff, Ulmer Institut für Molekulare Virologie

Das ist entscheidend, denn das Virus selbst ist bei Aids gar nicht das Problem, sondern unsere eigene Immunantwort darauf. Der Körper reagiert heftig auf das Virus, das sich wiederum blitzschnell verändert. Also muss der Körper wieder neu reagieren, auf die veränderte Variante. Ein Teufelskreis:

Das ist ein bisschen wie ein Marathon, wo man die ganze Zeit versucht zu sprinten und dann hält man natürlich auch nicht lange durch.

Frank Kirchhoff, Virologe

Bei HIV-infizierten Menschen trägt die chronische Aktivierung des Immunsystems – beispielsweise durch Bakterien, die nach einer infektionsbedingten Darmschädigung ins Blut gelangen – entscheidend zum Ausbruch von Aids bei. Das Immunsystem bricht unter der Belastung irgendwann zusammen und kann selbst gegenüber sonst harmlosen Krankheiten wie einer Erkältung nicht mehr standhalten. Bei der Rußmangabe aber passiert das nicht. Doch warum?

Um das rauszufinden, wurde hier die gesamte Erbinformation von diesen Affen entschlüsselt, um genetische Unterschiede zu finden.

Frank Kirchhoff, Virologe
Ein Rußmangabe (Affe)
Die Rußmangabe gilt als einer der Überträger des HI-Virus auf den Menschen, ist selbst aber immun gegen Aids. Bildrechte: IMAGO

Die Forscher fanden einen Rezeptor namens "TLR4" in der DNA der Affen. Dieses zelluläre Eiweiß spielt eine wichtige Rolle bei der Aktivierung des Immunsystems durch Bakterien, sowohl beim Menschen, als auch beim Affen. Der Unterschied: Bei den Rußmangaben ist der Rezeptor verändert und funktioniert nur abgeschwächt, beim Menschen deutlich stärker.

"Mittels verschiedener Methoden konnten wir nachweisen, dass der TLR4-Rezeptor der Rußmangabe nur eine geringe Aktivität aufweist. Dies könnte der Grund sein, weshalb diese Affen nicht mit einer unkontrollierten Abwehrreaktion reagieren und keine Immunschwäche entwickeln", sagt Daniel Sauter, Juniorprofessor am Ulmer Institut für Molekulare Virologie.

Auf diese Weise kann die Rußmangabe, anders als der Mensch, offenbar eine gesunde Anzahl von Immunzellen aufrechterhalten und den Erreger lebenslang tolerieren. Auch bei der Grünen Meerkatze oder dem Angola-Stummelaffen hat die Forschergruppe die Veränderung im TLR4-Rezeptor entdeckt. Der Mensch dagegen zeigt eine starke Immunantwort auf das Virus, aber diese ist eben nicht effektiv.

Bekannt ist, dass diese Affen, obwohl sie gegen die Aidsverwandten Viren eine abgeschwächte Immunantwort zeigen, ansonsten durchaus in der Lage sind, mit anderen Erregern gut fertig zu werden. Das liegt daran, dass das Immunsystem sehr vielseitig ist und zum Teil das Fehlen mancher Funktionen durch andere ersetzt werden kann.

Frank Kirchhoff, Virologe

Und hier könnte jetzt die Therapie der Zukunft ansetzen: Der Rezeptor muss auch beim Menschen abgeschwächt werden. Auch jetzt schon laufen Studien, die untersuchen, ob man Aids stoppen kann, wenn man die Immunantwort darauf abschwächt. Mit dem Rezeptor hätte man aber jetzt einen klaren Angriffspunkt. Das könnte dann auch Nebenwirkungen der Behandlung reduzieren. 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Radio | 08. Januar 2018 | 06:25 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Januar 2018, 17:00 Uhr