Vegetarische Menü auf einem Tisch
Vegetarisch essen: 50 Prozent sagen, dass sie ihren Fleischkonsum reduzieren könnten. Bildrechte: IMAGO / Panthermedia

Klimawandel Jede(r) Zweite würde Fleischkonsum reduzieren – bei richtigen Anreizen

07. März 2023, 05:00 Uhr

Bei einer Befragung war jede(r) Zweite bereit, die eigene Ernährung für den Klimaschutz und die eigene Gesundheit teilweise umzustellen. Bei anderen hatten die Befragten diese Bereitschaft viel geringer eingeschätzt.

Fast 1.000 Personen haben die Psychologin Cornelia Betsch von der Universität Erfurt und ihre Mitarbeiter befragt zum Thema Klimawandel und Ernährung. Das Ergebnis der Untersuchung mit dem Titel "PACE" habe sie durchaus überrascht, sagt die Forscherin im Gespräch mit MDR KULTUR. "Ungefähr die Hälfte aller Befragten und auch fast die Hälfte aller derjenigen, die Fleisch essen, haben gesagt: Ja, ich wäre bereit, meine Essgewohnheiten umzustellen, mehr pflanzliche und weniger tierische Produkte zu essen."

Veränderungsbereitschaft ist viel höher, als Menschen erwartet haben

Doch diese Bereitschaft werde zugleich unterschätzt. Frage man die Teilnehmenden danach, wie sie die Bereitschaft anderer Menschen einschätzen, so wird vermutet, nur ein Drittel der Deutschen sei bereit, etwas zu ändern. Für die Gruppe der Fleisch essenden Menschen vermuten die Befragten sogar nur eine Veränderungsbereitschaft von 17 Prozent, wobei sie tatsächlich 40 Prozent betrug.

"Das ist natürlich relevant, weil wir nicht alleine sein wollen mit dem, was wir machen", sagt Betsch. Heißt: Ist eine höhere Bereitschaft bekannt, fällt die tatsächliche Veränderung möglicherweise leichter. "Und deswegen finde ich sehr wichtig, dass wir das kommunizieren, dass es die Hälfte von den Befragten, die repräsentativ für einen Teil der Erwachsenen in Deutschland sind, bereit sind, sich zu bewegen."

Klimafreundliches Verhalten sollte einfacher werden

Doch es gibt auch Forderungen an die Politik. 80 Prozent wünschen sich, dass klimafreundliche Ernährung leichter gemacht wird, etwa indem in Kantinen für Kinder und Jugendliche oder in Kliniken gesundes und klimafreundliches Essen angeboten wird. 60 bis 70 Prozent unterstützen die Einführung von verpflichtenden Mindeststandards.

Würde die Mehrwertsteuer genutzt, um Veränderungen bei der Nachfrage attraktiver zu machen, dann hätte eine Absenkung für pflanzenbasierte Lebensmittel die größte Zustimmung. "Die Befragten denken, dass sie weniger tierischer Produkte kaufen würden, wenn diese durch die Mehrwertsteuererhöhung teurer würden; ebenso denken sie, dass sie mehr pflanzliche Produkte kaufen würden, wenn diese durch eine Senkung der Mehrwertsteuer billiger würden", heißt es in einer Zusammenfassung der Ergebnisse.

Forscher setzten Corona-Arbeit nun beim Klima fort

Cornelia Betsch war während der Covid-19 Pandemie bekannt geworden, da sie mit ihrem Team regelmäßig Daten zur Zustimmung zu bestimmten Maßnahmen oder Schritten bei dem Umgang mit Sars-CoV-2 erhoben hatte. Dabei fiel den Wissenschaftlern auf, dass Politik und Medien ein großes Interesse an diesen Erkenntnissen hatten. "Und deswegen haben wir gedacht, der Bürger soll auch im Bezug auf Klima hier eine Stimme bekommen."

Mit dem neuen Institut für "Planetary Health Behaviour" (Planetarisches Gesundheitsverhalten) untersuchen die Forscher nun, wie sich die Handlungsbereitschaft in Bezug auf den Klimaschutz entwickelt und welche Akzeptanz politische Maßnahmen erwarten können.

Links/Studien

Der Projektname PACE steht für Planetary Health Action Survey (Umfrage zum Aktionsplan Planetare Gesundheit). Die Zusammenfassung der Ergebnisse der Ernährungsumfrage finden Sie hier.

(ens)

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 06. März 2023 | 08:50 Uhr