Weltraum-Mission "Horizons" Astro-Alex beginnt seine Mission auf der ISS

Kurz nach 17 Uhr war es soweit: Die Luke zwischen Sojus-Kapsel und ISS öffnete sich und Alexander Gerst und seine zwei Kollegen schwebten in die Raumstation, wo sie von drei weitere Besatzungsmitglieder empfangen wurden.

von Claudia Pupo Almaguer und Clemens Haug

Kurz nach 15 Uhr war es soweit: Nach 34 Erdumrundungen hat die Sojus-Kapsel von Alexander Gerst an der Internationalen Raumstation ISS angedockt. Danach mussten Luftdruck zwischen Kapsel und Station ausgeglichen, sowie Systeme überprüft werden. Rund zwei Stunden dauerte es, bis sicher war, das Sojus-Kaspel und ISS kompatibel und dicht miteinander verbunden waren. Dann öffnete sich die Luke und Gerst, die US-Amerikanerin Serena Auñón-Chancellor und der Russe Sergei Prokopjew konnten an Bord gehen. Dort wurden sie empfangen von Oleg Artemjew, Andrew Feustel und Richard Arnold, die sich zur Feier des Tages Hawaii-Hemden angezogen hatten.

Das Raumschiff «Sojus MS-09» dockt an der Raumstation ISS an.
Bildrechte: dpa

Astronaut Gerst - "Astro-Alex" - übernimmt als erster Deutscher das Kommando auf der ISS, vier Jahre nachdem er zum ersten Mal auf der Station war. Bei seiner Ankunft erfüllte er ein kleines Versprechen und zeigte der Maus aus der "Sendung mit der Maus" die Station. Danach durften Familie und Freunde mit ihm telefonieren und ihre Glückwünsche überbringen, bevor sich auch die Angehörigen der anderen beiden Neuankömmlinge ihre Grüße sendeten.

Sechs Monate lang werden Gerst und seine Crew dann in der Schwerelosigkeit leben und forschen. Der Titel dieser Mission: "Horizons".

Erfolgreich Richtung ISS gestartet: Die Sojus-Rakete mit Alexander Gerst an Bord
Eine Sojus-Rakete brachte Gerst und seine beiden Kollegen zur ISS. Bildrechte: IMAGO

Horizonte stehen für mich für das Unbekannte. Wenn ich einen Horizont sehe, frage ich mich als Erstes: Was liegt dahinter? Deshalb betreiben wir Wissenschaft auf der ISS. Wir wollen unseren Horizont erweitern.

Alexander Gerst

Experimente aus Deutschland dabei

Hunderte Experimente laufen derzeit auf der ISS. Alexander Gerst bringt mehrere dutzend neue mit. Davon steuern deutsche Universitäten, Forschungseinrichtungen und Firmen sowie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR rund 35 Stück bei. Die Versuche sollen unter anderem Fragen aus Biologie und Medizin beantworten, aber auch aus den Bereichen Physik, Materialwissenschaft und Technologie.

Alexander Gerst hat bei seinem ersten ISS-Aufenthalt seine Hände in einen durchsichtigen Glaskasten gesteckt und steckt darin elektonische Teil zuammen.
Ein Bild von Gersts erstem Aufenthalt auf der ISS: An Bord der Raumstation betreute er täglich wissenschaftliche Experminte. Bildrechte: ESA

So wollen Forscher mit dem Versuch "Myotones - Müde Muskeln im All" die biomechanischen Eigenschaften des ruhenden menschlichen Muskels untersuchen. Beteiligt sind die Berliner Charité und die Universität von Southampton. Die Ergebnisse könnten dann zum Beispiel in die Rehabilitation nach Knochenbrüchen einfließen. Ein anderes Experiment namens "Flumias" - nur so groß wie ein Schuhkarton - soll Aufschlüsse darüber geben, wie lebende Zellen und Organismen in der Schwerelosigkeit reagieren. Alexander Gerst wird sich auf der ISS aber auch mit einer Zeitkapsel befassen - einem Datenträger in einer Aluminiumkugel, in der Schüler ihre Zukunftsvorstellungen gespeichert haben. Diese Zeitkapsel wird auf der ISS versiegelt und nach der Mission an das Bonner Haus der Geschichte übergeben werden. Das Museum soll sie dann 50 Jahre lang verschlossen aufbewahren.

Wichtig: Verpflegung!

Neben den ganzen Experimenten bringt Gerst zusammen mit seinen Kollegen auch neue Verpflegung an Bord. Neben 16 verschiedenen Standardmenüs, die den sechs Crew-Mitgliedern auf der ISS zur Verfügung stehen, erhält Gerst zusätzlich noch sechs ausgewählte Gerichte. Darunter sind Klassiker aus seiner baden-württembergischen Heimat wie Käsespätzle, Maultaschen oder auch Hühnerrahm-Geschnetzeltes.

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 06. Juni 2018 | 13:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Juni 2019, 15:12 Uhr