Studie aus Wien Alkohol in der Schwangerschaft: Gehirnstruktur des Babys kann sich verändern

Wenn Schwangere trinken, kann dies dem Fötus schwer schaden – so viel war schon länger bekannt. Forschende haben nun gezeigt, was dabei im Gehirn passiert: Die Struktur verändert sich und die Entwicklung wird verzögert.

Eine schwangere Frau mit einem Glas in der Hand
Auch ein Glas Sekt kann in der Schwangerschaft schon zu viel sein. Wenn, dann sollte er nur alkoholfrei sein. Bildrechte: imago images/photothek

Die Experten der Medizinischen Uni Wien um Dr. Gregor Kasprian untersuchten dafür die Gehirne von 24 Föten, die unter Alkoholeinfluss gestanden hatten, im Magnetresonanztomographen (MRT). Dabei können durch starke Magnetwellen Bilder von inneren Organen gemacht werden ohne eine belastende Strahlung wie etwa beim Röntgen. Zuvor wurde bei den werdenden Müttern der mögliche Konsum von Alkohol in der Schwangerschaft durch einen speziellen Fragebogen erfasst.

Im Ergebnis war bei den Föten, die unter Alkoholeinfluss gestanden hatten, die Entwicklung klar verzögert, was sich in einem niedrigeren "Fetal Total Maturation Score" (fTMS) gegenüber der Kontrollgruppe zeigte. Dazu war ein Teil des Gehirns schwacher ausgebildet, der sogenannte Sulcus temporalis superior (STS). Dabei handelt es sich um einen Bereich des Temoporallappens, der unter anderem für die soziale und sprachliche Entwicklung sowie die audiovisuelle Wahrnehmung von Bedeutung ist. "Wir wissen, dass das STS einen großen Einfluss auf die Ausbildung des Sprachvermögens während der Kindheit hat", erklärt Dr. Kasprian.

Schon geringe Alkoholmengen können zu Problemen führen

Dabei zeigten sich Veränderungen im Gehirn auch schon bei geringem Alkoholkonsum der Schwangeren. Laut dem Studienautor Dr. Patric Kienast hätten 17 der 24 werdenden Mütter nur sehr unregelmäßig Alkohol getrunken, mit im Schnitt weniger als einem Drink pro Woche. "Trotzdem fanden wir auch bei ihren Föten signifikante Veränderungen bei der Untersuchung im MRT", so Dr. Kienast. Drei der befragten Schwangeren tranken ein- bis dreimal die Woche, zwei von ihnen vier bis sechsmal pro Woche. Eine werdende Mutter gab sogar an, 14 oder mehr Drinks pro Woche zu sich zu nehmen. Vier erklärten, dass sie während der Schwangerschaft mindestens ein größeres Gelage hatten mit mehr als vier Drinks bei einer Gelegenheit.

Laut der Forschenden kann sich Alkohol während der Schwangerhaft besonders auf die Prozesse der Myelinisierung und Gyrierung beim Fötus auswirken. Dabei handelt es sich um wichtige Entwicklungsschritte im Gehirn und im Nervensystem. Die Myelinisierung ist eng verbunden mit Lernprozessen etwa beim Rollen, Krabbeln und Sprechen. Unter Gyrierung wiederum versteht man die Ausbildung der Gehirnwindungen, womit sich das Volumen des Denkapparats trotz des beschränkten Platzes im Schädel vergrößern kann. Damit einher gehen viele kognitive Prozesse. Wenn die Gyrierung eingeschränkt wird, kann sich das stark auf die Reifung des Gehirns auswirken.

"Schwangere Frauen sollten jeglichen Alkoholkonsum vermeiden", betont Patric Kienast. Denn wie die Wiener Studie gezeigt hätte, können schon geringe Alkoholmengen strukturelle Veränderungen bei der Entwicklung des Gehirns verursachen und seine Reifung verzögern. Noch unklar ist, wie sich der Alkoholeinfluss auf die Entwicklung nach der Geburt auswirkt. Dazu müsste man nun einige Zeit abwarten, um die untersuchten Föten später noch einmal als Babys und Kinder zu begutachten. "Wir gehen allerdings sehr stark davon aus, dass die Veränderungen, die wir beobachtet haben, zu kognitiven und Verhaltensproblemen in der Kindheit führen können", so Dr. Kienast.

Links/Studien

Die Studie "The Influence of Alcohol on In Utero Brain Development: A Structural Fetal MRI Study" wurde auf dem jährlichen Treffen der Radiological Society of North America am 22.11.2022 vorgestellt.

cdi

Ein Mann mit einer Büchse Bier, die er vor seinem Bauch hält. 30 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

0 Kommentare