Eine von hinten oben zu sehende alte Frau sitzt an einem Tisch und fasst sich mit den Händen an den Kopf
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Demenzforschung Alzheimer-Risiko durch Bluttest frühzeitig erkennen

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Wie die Ruhr-Universität Bochum und das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in einer gemeinsamen Pressemeldung erklärten, haben Forscher einen Bluttest entwickelt, der das Risiko einer Alzheimer-Erkrankung im Durchschnitt acht Jahre vor einer klinischen Diagnose feststellen kann.

Schuld ist ein Protein

Scan zweier Gehirne. Das linke Hirn ist gesund. Auf dem rechten Hirn ist die Ablagerung von Amyloid-Beta-Protein sichtbar gemacht worden.
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Bis heute gibt es keine wirksame Therapie gegen diese Hirnerkrankung. Experten vermuten, dass es vor allem daran liegt, dass Alzheimer erst in einem späten Stadium diagnostiziert werden kann, wenn die Hirnschädigung schon sehr weit vorangeschritten ist. Ein typisches Symptom ist die Vergesslichkeit der Patienten.

Bei Alzheimer kommt es schon etwa 15 bis 20 Jahre vor Ausbruch der Krankheit zu einer Fehlfaltung des Amyloid-Beta-Proteins. Das Protein verklumpt und lagert Amyloid-Plaque im Gehirn ab.

Früherkennung von Plaque-Ablagerungen

Der neu entwickelte Bluttest kann feststellen, ob das Gehirn der Patienten bereits mit dem Amyloid-Plaque belastet ist. Dabei wird das Verhältnis von gesunden und fehlerhaften Amyloid-Proteinen bestimmt. Und das im Durchschnitt schon acht Jahre vor Ausbruch der Alzheimer-Krankheit. Bisher ist es nur möglich Alzheimer in einem so frühen Stadium zu diagnostizieren, in dem bildgebende Verfahren angewandt werden. Diese sind zum einen invasiv, weil zum Beispiel Rückenmarksflüssigkeit untersucht wird. Zum anderen sind sie sehr teuer. Der neue Test nutzt die Tatsache, dass die gesunde und die kranke Struktur des Proteins Infrarotlicht mit einer anderen Fequenz absorbieren und so unterscheidbar sind.

Gut geeignet für Screening

Porträt von Prof. Dr. Klaus Gerwert
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Noch ist der Bluttest aber nicht zur alleinigen Frühdiagnose von Alzheimer geeignet. In 70 Prozent der Fälle identifizierte er zwar die Personen, bei denen sich später tatsächlich eine Alzheimer-Demenz entwickelte. Neun Prozent der Testpersonen blieben aber gesund, obwohl der Alzheimer-Test positiv ausfiel.

"Trotzdem eröffnet der Test die Möglichkeit, in einem kostengünstigen und minimal-invasiven Screening Personen herauszufiltern, die sich dann einer weiterführenden teuren und invasiven Diagnose unterziehen sollten, die ein falsch-positives Ergebnis ausschließen kann“, sagt Proteinforscher Prof. Dr.Klaus Gerwert von der Ruhr-Universität-Bochum.

Seit langem ein Thema

An einer Methode zur frühzeitigen Diagnose von Alzheimer wird bereits seit Längerem geforscht. Auch ein japanisch-australisches Forschungsteam hatte im Februar verkündet, einen Bluttest auf Basis des Amyloid-Beta-Proteins entwickelt zu haben. Und bereits 2014 meldete das amerikanische Wissenschaftler-Team um Dr. Mark Mappstone von der Univerity of Rochester die Entwicklung eines Bluttest. Dieser konnte Alzheimer drei Jahre vor Ausbrechen der Krankheit anhand bestimmter Blutfette feststellen.

Alzheimer behandeln?

Die deutschen Forscher hoffen, dass die Früherkennung bald in eine Therapie mündet. "Möglicherweise können Medikamente, die derzeit in klinischen Studien erprobt werden, das Fortschreiten der Krankheit aufhalten, wenn sie in diesem frühen Stadium angewandt würden“, erklärt Prof. Hermann Brenner, Epidemiologe und Altersforscher am DKFZ. Auch die Entwicklung neuartiger Therapieansätze wird nach Meinung der Experten von diesem frühzeitigen Bluttest enorm profitieren.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN LexiTV | 21. September 2017 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. April 2019, 14:06 Uhr