Illustration - Gehirn Alzheimer Demenz Denken Vergesslichkeit
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Neue Forschungsergebnisse aus Halle Endlich ein echter Wirkstoff gegen Alzheimer?

Kommt der Durchbruch bei der Alzheimerforschung aus Halle? Wissenschaftler arbeiten seit über zehn Jahren an einem Medikament. Erste Testergebisse geben Anlass zu Hoffnung.

von Karsten Möbius

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Es gibt Krankheiten, gegen die ist die moderne Medizin machtlos. Viele von ihnen nehmen in unserer immer älter werdenden Gesellschaft rasant zu. Ein Beispiel sind Demenzerkrankungen, allen voran Alzheimer. Dort gibt nun ein neuer Wirkstoff Hoffnung. Die Firma Probiodrug aus Halle an der Saale hat vor 15 Jahren begonnen, ein Medikament gegen Alzheimer zu entwickeln. Es funktioniert nicht nur im Tiermodell sondern auch beim Menschen, zeigt eine neue Studie.

Vor ein paar Tagen erhielten die Wissenschaftler die Ergebnisse dieser kurzen Zwischenstudie mit sehr wenigen Testpersonen. Hirnforscher Dirk Montag vom Leibnizinstitut für Neurobiologie in Magdeburg hat sie sich auf Bitte der MDR Wissenschaftsredaktion angesehen. "Das Wesentliche ist, dass der Stoff im Menschen genauso wirkt, wie er vorher bei den Tieren gewirkt hat“, fasst Montag zusammen. "Außerdem wurde gezeigt, dass er möglicherweise therapeutisch wirksam ist.“

Eine mögliche therapeutische Wirksamkeit nachzuweisen, war dabei gar nicht das Ziel der Forscher von Probiodrug. Dafür war ihre Studie, die nur zwölf Wochen lief und an der 120 Testpersonen teilnahmen, auch nicht gemacht. Sie sollte nur zeigen, dass der Wirkstoff ein Enzym blockiert, dass das schädliche Eiweiß in den Hirnzellen entstehen lässt. Das ist auch gelungen, das Enzym entsteht nach dem Einsatz des Stoffes kaum noch.

Kommunikation verbessert, Entzündung gemildert

Allerdings gibt es schon nach zwölf Wochen Behandlung Hinweise darauf, dass das fragliche Enzym auch die wichtigste Ursache von Alzheimer sein könnte. "Die Kommunikation zwischen Nervenzellen scheint verbessert und dass Entzündungsgeschehen im Gehirn gemildert zu sein“, erklärt Professor Steffen Roßner vom Paul Flechsig Institut für Hirnforschung in Leipzig. Dafür sprechen unter anderem Blutwerte und Ergebnisse aus Messungen der elektrischen Aktivität des Gehirns. Die Nebenwirkungen werden lediglich mit möglichem Durchfall beschrieben.

Hans Ulrich Demuth hat dieses Medikament mit seiner Firma Probiodrug entwickelt, jetzt arbeitet er am Fraunhoferinstitut für Zelltherapie und Immunologie in Halle. Diese Zwischenergebnisse machen ihn sehr zuversichtlich.

Ich sag ihnen, was das für ein Gefühl ist: Es ist überwältigend. Ich sag den Begriff nicht so oft, weil den meine Enkelkinder sagen: Das ist geil!

Hans Ulrich Demuth, Fraunhoferinstitut für Zelltherapie Halle

Bis wirklich klar ist, ob der Wirkstoff nicht nur wirkt, sondern auch Alzheimer lindern, stoppen oder gar heilen kann, sind noch umfangreiche Tests notwendig. Über längere Zeiträume, mit viel mehr Personen, und Tests, die Millionen kosten werden. Hendrik Liebers, aktueller Vorstand von Probiodrug, möchte noch nicht abschätzen, wann ein Medikament reif für die Behandlung sein könnte.

Das braucht auch seine Zeit. Es ist nicht seriös, wenn jemand eine Abschätzung gibt, wie lange das dauert, ohne genau zu wissen, wie die Schritte dazwischen aussehen.

Hendrik Liebers, Vorstand Probiodrug

Erst die nächsten Jahre werden zeigen, wie die Zeitlinien sind, so Liebers. Der Wirkstoff hat also noch einen weiten Weg vor sich. Inzwischen verfügt Hans Ulrich Demuth vom Fraunhoferinstitut bereits über verbesserte und wirksamere Varianten des getesteten Wirkstoffs. Vielleicht sind sie es, die dann in den folgenden Studien zum Einsatz kommen.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL: im Radio | 20.06.2017 | 06:47 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Juni 2017, 11:36 Uhr