Ambrosia-Käfer Alkohol - manche Käfer brauchen ihn

Die Biergartenzeit ist da! Und damit auch die Zeit der Ambrosiakäfer. Die kleinen Sechsbeiner lieben Alkohol - und landen mit etwas Pech im Bierglas. Falls das passiert: Retten Sie den Käfer! Er kann etwas Unglaubliches.

 Ein Ambrosiakäfer sitzt auf dem Schaum eines Bierglases
Bildrechte: Peter Biedermann

Es gibt ihn schon viel länger als Biergärten. 60 Millionen Jahre schwirrt er durch die Luft: der Ambrosiakäfer. Alkohol riecht er schon auf mehrere 100 Meter Entfernung. Dr. Peter Biedermann vom Biozentrum Würzburg ist fasziniert von dem Insekt. Er stellte bei seinen Untersuchungen fest: Vor allem gärendes, frisches Holz interessiert die Käfer, denn auch da entsteht Alkohol und den brauchen die Insekten für ihre Pilzzucht. Dafür legen sie im Holz Gänge und kleine Höhlen an und leben dort als Landwirte.

Kleinen Holzbohrers (Xyleborinus saxesenii).
Bildrechte: Gernot Kunz

Also ganz klassisch, wie wir auch Landwirtschaft betreiben. Sie sähen Pilzsporen aus und züchten eine Monokultur von einem Nahrungspilz. So, wie wir in unserer Landwirtschaft Probleme haben mit Unkräutern und Schädlingen, hat der Ambrosia-Käfer Probleme mit Schimmelpilzen.

Dr. Peter Biedermann

Und da kommt der Alkohol ins Spiel. Er schützt die Pilzplantage vor Schimmel - enorm wichtig für die Ambrosiakäfer. Denn die nur zwei bis vier Millimeter großen Käfer fressen ausschließlich ihre eigene Ernte. Würde die Pilzplantage eingehen, wäre das das Ende. Deshalb wird die Pilzkultur gehegt und gepflegt - und dafür müssen auch schon die Allerkleinsten, die Larven, mitmachen.

Das glaubt man gar nicht. Sie sehen aus wie Fliegenlarven - so weiße Würmchen - und haben wichtige Tätigkeiten in den Nestern. Sie erweitern die Gänge und säubern sie, also kratzen Sägemehl und Kot zusammen. Daraus machen diese kleinen Würmchen Bällchen, die dann von den erwachsenen Tierchen aus dem Nest entfernt werden.

Dr. Peter Biedermann

Biergarten statt Baum - warum sich der Käfer irrt

Im Frühjahr schlüpfen die kleinen Käfer und suchen sich einen eigenen Baum. Darin graben sie wieder kleine Gänge und legen an den Wänden Pilzplantagen an. Frisches, gärendes, nach Alkohol riechendes Holz müssen sie dafür finden. Die Sporen bringen sie mit, sagt Dr. Biedermann. Sie haben Pilztaschen an ihrem Körper, so wie Rücksäcke, die sich unter ihren Flügeln befinden und darin bringen sie die Sporen des Nahrungspilzes aus dem Geburtsnest mit in das neue Nest. Auf der Suche nach einer passenden Bleibe lassen sich die jungen Käfer aber vom Geruch der Biergärten ablenken und irren dort herum.

Sie sind fast ihr ganzes Leben im Baum. Nur wenn sie nach Alkohol suchen, kann man sie sehen. Wenn Sie im Biergarten sitzen und sehen, dass so etwas wie ein Mücke Ihr Bier umkreist, dann versuchen Sie das mal zu fangen. Es könnte sein, dass das ein kleiner Käfer ist. Und wenn es wirklich ein kleiner Käfer ist, dann ist es mit ziemlicher Sicherheit ein Ambrosiakäfer.

Dr. Peter Biedermann

Mit wichtiger Fracht an Bord, den Pilzsporen. Sagen Sie ihm einfach, dass er da falsch ist und dass er weiter fliegen soll und geben Sie ihm nichts von ihrem Bier ab. Womöglich würde er sonst an ihrem Glas eine kleine Pilzplantage anlegen und das sähe nicht so gut aus.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 13. April 2018 | 05:54 Uhr