Antibiotikatest
Bildrechte: imago/Science Photo Library

Die Antibiotika-Krise Todesursache: Resistenz

40.000 Todesfälle, weil keine Antibiotika mehr helfen. Die UNO hat bereits zu weltweiten Aktionen aufgerufen. Denn es gibt Keime, gegen die wir im Augenblich machtlos sind. Und die Zahl der Betroffenen steigt, warnen europäische Experten.

Antibiotikatest
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Klebsiella pneumoniae ist ein Bakterium, dass wir alle in uns tragen. Eines von vielen Millionen, die uns im Normalfall keine Sorgen machen. Doch Klebsiella pneumoniae kann schwerste Atemwegserkrankungen verursachen. Und wem das passiert, für den kann es lebensgefährlich werden. Denn der Anteil von Patienten mit dem Atemwegs-Keim Klebsiella pneumoniae, denen auch Reserve-Antibiotika wie die Carbapeneme nicht helfen, sei in Europa binnen vier Jahren von 6,2 auf 8,1 Prozent gewachsen. Das berichtet das Europäische Präventionszentrum ECDC. Gefährliche Resistenzen nehmen demnach generell weiter zu. Doch es gebe auch positive Trends, sagte die amtierende ECDC-Direktorin Andrea Ammon der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel am Europäischen Antibiotikatag (18. November).

Sie sind nicht in jedem Fall dem Tod geweiht.

Andrea Ammon, Direktorin des Europäischen Präventionszentrums

"Acht Prozent bedeutet, dass von 100 Patienten acht praktisch nicht mehr behandelbar sind“, sagte Ammon. "Und das sind einfach acht zu viel." Im Jahr 2015 seien europaweit rund 9.100 Patienten betroffen gewesen. Sie seien nicht "in jedem Fall dem Tod geweiht“. Aber die Risiken steigen und den Ärzten gehen die Optionen aus. 2015 waren bereits mehr als ein Drittel der untersuchten K.-pneumoniae-Keime gegen mindestens ein Antibiotikum resistent. Das heißt, dass Ärzte zumindest Alternativen suchen mussten.

Auch Escherichia coli, der in unserem Darm wohnt, macht zunehmend Probleme, so das  Präventionszentrum ECDC. Escherichia coli ist einer der häufigsten Verursacher von über die Blutbahn verbreiteten Infektionen. Es gebe eine erhebliche Zunahme von Fällen, in denen das Bakterium gegen einzelne oder auch gegen eine Kombination von modernen Antibiotika resistent sei.

Wir müssen umdenken

Erst im September hat die UNO weltweite Anstrengungen gegen die zunehmenden Antibiotioka-Resistenzen gefordert. Es muss mit einem Umdenken beginnen, so Prof. Lothar Wieler, der Präsident des Robert-Koch-Institutes (RKI) gegenüber dem MDR. Er möchte uns zu aufgeklärten Patienten machen. Zu Patienten, die die Entscheidungen ihres Arztes kritisch hinterfragen. Denn nicht bei jedem Husten muss gleich ein Antibiotikum verschrieben werden. Wir Patienten sind mündige Bürger, sagt Wieler.

Dann gibt es auch Chancen, den Wettlauf gegen die Resistenzen zumindest auszugleichen. Ein Beispiel dafür sind die MRSA-Erreger, resistente Bakterien vom Typ Staphylococcus aureus: Sie wurden 2015 europaweit deutlich seltener festgestellt als noch 2012. Viele Länder hätten gezielt Maßnahmen ergriffen und Erfolg gehabt, sagte Ammon. "Daran kann man sehen, dass es möglich ist, einen solchen Trend nicht nur zu stoppen, sondern umzukehren. Das heißt, es besteht überhaupt kein Anlass zu verzweifeln.“

Zuletzt aktualisiert: 03. Mai 2019, 15:43 Uhr