Fragen Bundesamt fordert weitere Studien: Wie gefährlich ist 5G?

5G soll der neue Mobilfunkstandard werden, mit dem extrem hohe Datenmengen übertragen werden können. Während die Politik vor allem über Gefahren für die Cybersicherheit debattiert, mahnt das Bundesamt für Strahlenschutz mehr Studien zur Frage an, ob durch 5G gesundheitliche Gefahren drohen.

Das neue Xiaomi Mi Mix3 mit 5G, bei der Vorstellung von Xiaomi während des Mobile World Congress am 24. Februar 2019 in Barcelona, Spanien.
Auf dem Mobil World Congress in Barcelona werben Hersteller bereits mit dem 5G-Standard. Bildrechte: imago/ZUMA Press

Kurz vor dem Start der Versteigerung der 5G-Mobilfunklizenzen hat das Bundesamt für Strahlenschutz mehr Untersuchungen zu möglichen gesundheitlichen Gefahren durch den neuen Standard angemahnt. "Deutlich höhere Datenübertragungsmengen, neue und zusätzliche Sendeanlagen und höhere Frequenzen verändern die Strahlungsintensitäten – diese müssen untersucht werden", sagte Inge Paulini, die Präsidentin des Amtes. Bei 5G sollen in einigen Jahren auch deutlich höhere Funkfrequenzen verwendet werden, als das bereits heute der Fall ist. "Hier haben wir noch wenige Erkenntnisse und werden mittelfristig weitere Forschung betreiben", sagte Paulini der "Passauer Neuen Presse". Außerdem müssegeköärt werden, "was geschieht, wenn etwa unterschiedliche Betreiber am gleichen Ort Sendeleistung aufbauen."

Die wichtigsten, bereits beantwortbaren Fragen zum Thema 5G finden Sie hier in unserer Übersicht:


Was ist 5G?

5G steht für "fünfte Generation" und ist ein neuer Mobilfunkstandard. Vorgänger sind 2G (z.B. GSM, GPRS, EDGE), 3G (z.B. UMTS), 3.9G (LTE) und 4G (LTE Advanced). Mit 5G können deutlich höhere Datenraten bei geringerem Energieverbrauch erreicht werden. Gerade im Bereich "autonomes Fahren" wird auf die künftige Verfügbarkeit von 5G gesetzt.

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Was ist 5G? 2 min
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5G ist der neue Mobilfunkstandard. Wir zeigen, worin er sich von LTE etc. unterscheidet.

Mo 25.02.2019 12:24Uhr 01:51 min

https://www.mdr.de/wissen/videos/mobilfunkstandard-fuenf-g-kurz-erklaert100.html

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Video

Wie schnell ist 5G?

Mit 5G können Datenraten bis 10 Gigabit pro Sekunde erreicht werden. Der Download eines Kinofilms in Full-HD (8 GB) würde nicht einmal zehn Sekunden dauern. Und der komplette Inhalt einer 1-Terrabyte-Festplatte, wie sie heute üblich ist, rund 13 Minuten.


Wie funktioniert 5G?

Richard Yu, Chef von Huawai, präsentiert auf dem MWC 2019 ein faltbares 5G-Smartphone.
Richard Yu, Chef von Huawai, präsentiert auf dem MWC 2019 ein faltbares 5G-Smartphone. Bildrechte: imago/Xinhua

Die Daten werden hier über hohe Frequenzen übertragen. Seit dem 19. März 2019 versteigert die Bundesnetzagentur die Nutzungsrechte für die Frequenzbänder von 2 bis 3,6 Gigahertz. Das Problem daran: Die hohen Frequenzen haben zwar eine große Übertragungskapazität, können also in Sekundenschnelle die enormen Datenmengen transportieren, die z.B. für autonomes Fahren notwendig sind. Aber die Reichweite ist gering. Ein Funkmast deckt nach aktuellem Stand der Technik gerade mal ein Umfeld von etwa einem Kilometer ab. Für die Versorgung der Fläche mit schnellem Internet ist 5G also ungeeignet. 780.000 Basisstationen wären nötig, um 98 Prozent von Deutschland mit 5G zu versorgen. Deshalb sollen hier erst einmal die 4G/LTE-Netze weiter ausgebaut werden.


Wie stark ist die Strahlung bei 5G?

Elektromagnetische Wellen im Bereich von 2 bis 3,6 Gigahertz haben eine deutlich niedrigere Frequenz und damit auch weniger Energie als sichtbares Licht. Grünes Licht beispielsweise hat eine Frequenz von 605 Terrahertz. Für den Menschen und seine Haut gefährliche UV-Strahlung wiederum hat eine Strahlung im Bereich um einen Petahertz. Funkstrahlung ist damit deutlich energieärmer als die meiste Strahlung, die wir sehen können.

Während 5G noch nicht einmal gestartet ist, fordert US-Präsident Trump auf Twitter schon einmal das nicht existierende 6G.


Drohen durch 5G gesundheitliche Gefahren?

Der untere Bereich um zwei Gigahertz wird auch für das bereits vorhandene 3G/UMTS verwendet und hat sich da bislang nicht als problematisch erwiesen. Der Bereich 3,4 bis 3,7 Gigahertz kommt zwar neu dazu, liegt aber noch in der Nähe der anderen, bereits gut erforschten Mobilfunk-Standards. Auch hier seien keine neuen Gefahren zu erwarten, zitiert die ZEIT Forscher der RWTH Aachen und des Bundesamtes für Strahlenschutz. Als problematischer gilt aber, dass durch die kürzere Reichweite von 5G deutlich mehr Sendestationen nötig sind. Wie sich das konkret auswirken wird, ist nicht erforscht und wird sich wahrscheinlich erst in der Praxis zeigen. Wissenschaftliche Tests vorab seien bisher nicht geplant, bemängeln Kritiker. Eine Reihe von Wissenschaftlern fordert deshalb sogar vorerst einen Stopp von 5G.


Lässt sich die Strahlenbelastung von 5G reduzieren?

Parallel zu 5G werden derzeit auch neue Technologien wie "Beamforming" getestet. Dabei werden die Funkwellen zwischen Basisstation und Empfangsgerät (etwa einem Handy) konzentriert. So bekommen Unbeteiligte weniger Strahlung ab, solange sie sich nicht genau auf der Linie zwischen den beiden Funkeinheiten befinden.


Wie gefährlich ist Handy-Strahlung heute schon?

Mobiltelefone sind erst seit rund 25 Jahren ein Teil des Alltags, Smartphones kamen erst vor zwölf Jahren dazu. Über diesen Zeitraum hinweg konnte bislang kein Zusammenhang zwischen Handystrahlung und Erkrankungen wie etwa Krebs festgestellt werden. Auch eine Einschränkung von Fruchtbarkeit konnten Forscher bislang nicht feststellen. Alle relevanten Studien dazu finden sich auf dem EMF-Portal, auf dem Wissenschaftler der RWTH Aachen regelmäßig zu gesundheitlichen Gefahren elektromagnetischer Strahlung informieren. Die RWTH gehört zu den renommiertesten technischen Hochschulen Deutschlands. Am dortigen Uniklinikum beschäftigt sich das femu (Forschungszentrum für Elektro-Magnetische Umweltverträglichkeit) seit einigen Jahren intensiv mit den Folgen elektromagnetischer Felder auf Pflanzen, Tiere und Menschen.


Welche Grenzwerte gelten für 5G-Handys?

Ob 5G für den gewöhnlichen Mobilfunk überhaupt eine Rolle spielt, ist derzeit unsicher. Die meisten Anwendungen laufen mit 4G flüssig, vorausgesetzt, die Netzabdeckung ist ausreichend vorhanden. Primär sollen Anwendungen wie autonomes Fahren oder in der Industrie von 5G profitieren. Für Handys wird sich daher vorerst wenig ändern und auch bei den Grenzwerten sind keine Änderungen geplant. Ein wichtiger Grenzwert für Handys ist die spezifische Absorptionsrate (SAR), die angibt, wie viel aus der Strahlung resultierende Energie vom Körper aufgenommen wird. Wie viel Strahlung landet also im Kopf, wenn man sich das Handy ans Ohr hält oder in anderen Körperteilen, wenn man das Handy in einer Tasche der Kleidung trägt – darüber informiert das Bundesamt für Strahlenschutz auf dieser Internetseite.

Dieses Thema im Programm: nano | 3sat | 25. Februar 2019 | 18:30 Uhr