Wie viel Mensch hält die Erde aus?


Was meinen Wissenschaftler mit dem "Erdzeitalter der Menschheit"?

Etwa seit der Jahrtausendwende diskutieren Wissenschaftler, ob der menschliche Einfluss auf die Erde so groß ist, dass man von einem neuen Zeitalter sprechen sollte. Das Holozän sei an sein Ende gelangt, die Zeit zwischen den Eiszeiten praktisch vorbei, meinen viele Forscher. Sie sehen deutliche Belege dafür, dass die Menschheit die irdischen Systeme derart verändert hat, dass sie alle nachfolgenden Generationen prägen werden. Konkret datieren die Anhänger der Idee "Menschheitszeitalters" den Beginn des Anthropozäns auf das Jahr 1800, als die Industrialisierung zu einem messbaren Anstieg der Treibhausgase in der Atmosphäre führte.


Welche Bereiche der Erde betrifft das "Anthropozän"?

Menschen haben die Erde auf vielfältige Weise verändert. Forscher führen dafür beispielsweise die Erhöhung des Anteils der Treibhausgase in der Atmosphäre durch Industrie an. Heute gibt es mehr Kohlendioxid und Methan in der Luft, als im Jahr 1800. Das Weltklima erwärmt sich dadurch rasch. Ein weiteres Beispiel ist die massive Umgestaltung von Landschaften. Menschen versiegeln nicht nur große Flächen für den Städtebau, sie roden auch riesige Urwälder oder legen überall auf der Welt Moore trocken. Dadurch kommt es zur dritten Veränderung: Dem Aussterben zahlreicher Tier- und Pflanzenarten. Die Tierschutzorganisation WWF beziffert den Rückgang der weltweiten Artenvielfalt zwischen 1970 und 2007 auf 27 Prozent. Damit wäre mehr als jede vierte Pflanzen- oder Tierart seitdem verschwunden.


Wie viele Menschen kann die Erde aushalten?

Befürchtungen, die Menschheit könnte eine Überbevölkerung entwickeln und so ihre eigenen Grundlagen zerstören, gibt es bereits seit dem 18. und 19. Jahrhundert. Frühere Schätzungen, für wie viele Menschen die Nahrung reicht, stellten sich allerdings immer wieder als falsch heraus. Eine Intensivierung der Anbaumethoden ermöglichte, dass immer mehr Menschen genug zu Essen haben. Auch zeigte sich, dass hohe Geburtenraten nie von dauer sind, sondern lediglich eine kurze Phase darstellen. Überall dort, wo der Lebensstandarf in Folge von Industrialisierung steigt und die medizinische Versorgung besser wird, dort fallen die Geburtenraten rasch wieder. Damographen gehen deshalb inzwischen davon aus, dass das Wachstum der Weltbevölkerung spätestens bis Mitte des laufenden Jahrhunderts an ein Ende gelangt und die Zahl der Menschen danach wieder zurückgeht.


Ist das Überleben der Menschheit in Gefahr?

Kritiker des Konzepts eines "Menschheitszeitalters" weisen darauf hin, dass der menschgemachte Einfluss auf die Erde - die Anlagerung von Plastikmüll in jedem letzten Winkel, die globale Verteilung von Radioaktivität durch Atomtests oder die Zerstörung von Lebensräumen für andere Spzies, früher oder später auch das Überleben der Menschen selbst bedroht. Das "Anthopozän" könnte also ziemlich bald ohne Menschen stattfinden, wenn die ihre eigenen Lebensgrundlagen zerstört haben.


Wie können wir diese Entwicklung verändern?

Wirtschaftswissenschaftler wie Pavan Sukhdev werben dafür, Umweltschutz nicht länger als Gegensatz zu wirtschaftlicher Nutzung zu begreifen. Ökonomie und Ökologie dürfen seiner Meinung nach nicht länger Gegensätze bleiben. Während einerseits der Erhalt intekter Lebensräume auch einen wirtschaftlichen Wert darstellen sollte (da das Überleben der Menschheit davon abhängt, dass auch die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt erhalten bleibt), sollten Menschen andererseits auch darauf achten, wie die von ihnen geschaffenen Lebensräume freundlicher werden können für andere Spezies.