MDR Wissen Doku Der Tastsinn ist unser erster Sinn

Berührungen – sie können Medizin nicht ersetzen, aber helfen ganz konkret, weiß Dr. Carsten Lekutat, Hausarzt und MDR HAUPTSACHE GESUND-Moderator. Schließlich ist der Tastsinn der erste, den wir erleben.

Dr. Carsten Lekutat 7 min
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Sind wir alle unterkuschelt? Die MDR Wissen Doku sucht Antworten auf die Frage, was Berührungen mit uns machen. Dr. Carsten Lekutat weiß das aus seiner eigenen Erfahrung - und das nicht nur als Arzt, sondern wie wir alle. Denn wie Berührungen helfen, erleben wir alle schon in unserer Kindheit.

Wenn wir uns gestoßen oder verbrannt haben, und die Mutter pustet. Nur eine Berührung von Luft, eine Berührungssensation auf der Haut und wir wissen, das hat uns gut getan.

Dr. Carsten Lekutat

Und das funktioniert auch bei Erwachsenen. "Es reicht sogar aus, den Körper irgendwo anzufassen, um eine Schmerzverminderung zu erreichen", sagt Lekutat. "Das kennt man auch in der Akupunktur, eine Schmerztherapie, die nennt man das Locus-dolendi-Stechen (Locus = Ort, Dolor = Schmerz, Anm. der Redaktion), auch die "Dawos"-Punkte genannt. Da, wo es weht tut, wird die Nadel in die Nähe gestochen. Das führt zu einer verminderten Schmerz-Weiterleitung. Das scheint auf Rückenmarksebene zu laufen, dass ich mit einem Gegenberührungsreiz dagegen vorgehen kann."

Was bewirken Berührungen bei Osteopathie oder Massage?

Wir kennen sie alle, diese Knoten in der Muskulatur, wenn wir verspannt sind. Sie heißen Myogelosen und wir gehen zur Massage, um sie wieder los zu werden. Das funktioniert, auch wenn der Druck nicht immer angenehm ist, weiß auch Lekutat. "Interessanterweise sind wir aber auch in der Lage, den Muskel zu entspannen ohne dass wir ihn direkt dehnen müssen. Ich muss die Muskulatur gar nicht manuell ziehen, es reicht teilweise auch die Hand einfach drüber zu legen, vielleicht auch an einer ganz anderen Stelle. Es geht eine Art Reflexbogen los und an einer anderen Stelle des Körpers kann sich etwas lösen. Ganz bekannt ist das bei der Osteopathie, wo wir anscheinend in der Lage sind über Reflexzonen auf innere Organe zu wirken."

Hört nicht auf, euch zu berühren

Der erste Sinn, den wir Menschen ausbilden, ist unser Tastsinn, erklärt Dr. Carsten Lekutat. "Das erste, was wir können, ist fühlen. Und wahrscheinlich auch das letzte." Und schon bei den Kleinsten wird klar, wie wichtig Berührungen sind. Frühchen z.B. entwickeln sich besser, so der Mediziner, wenn sie nicht nur im Brutkasten liegen, sondern auch von den Eltern berührt werden. Seine Botschaft: Hört nicht auf, euch zu berühren!

Säugling 45 min
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MDR Wissen So 23.06.2019 22:00Uhr 44:46 min

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Doku: Sind wir alle unterkuschelt? | 23. Juni 2019 | 22:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Juni 2019, 10:07 Uhr