Varroamilbe auf einer Bienenlarve
Die Varroa-Milbe ist ein Bienen-Parasit: Hier sitzt sie auf einer Larve. Bildrechte: IMAGO

Forschung gegen Bienensterben Bienen mit feiner Nase riechen die Varroa-Milbe

Sonnenanbeter dürften zufrieden sein: Der Frühsommer zeigt sich oft von seiner besten Seite. Die Wärme lockt auch die Bienen aus den Stöcken. Das wiederum freut die Imker, denn das Jahr hatte schlecht für sie begonnen. Die gefürchtete Varroa-Milbe hinterließ über den Winter flächendeckend große Schäden. Das soll sich künftig ändern: Am deutschen Länderinstitut für Bienenkunde wird daran geforscht, wie das große Bienensterben eingedämmt werden kann.

von Maren Beddies

Varroamilbe auf einer Bienenlarve
Die Varroa-Milbe ist ein Bienen-Parasit: Hier sitzt sie auf einer Larve. Bildrechte: IMAGO

Bei Professor Kaspar Bienefeld ist der Name Programm: Er leitet das Länderinstitut für Bienenkunde in Hohen Neuendorf bei Berlin und forscht seit 1997 mit seinem Team daran, wie dem größten Feind der Biene – der Varroa-Milbe  – der Garaus gemacht werden kann.

Man kann sagen, dass Varroa weltweit das größte Problem der Bienenhaltung ist. Ich denke, dass das Problem Varroa irgendwann gelöst werden kann. Und dass man nachhaltig am besten mit züchterischen Methoden zurechtkommt, liegt auf der Hand. Denn immer Völker behandeln zu müssen, ist keine gute Alternative.

Prof. Kaspar Bienefeld, Länderinstitut für Bienenkunde

Momentan werden Bienenvölker vorsorglich gegen die Varroa-Milbe mit Ameisen- oder Oxalsäure behandelt, die aggressiv auf die saugende und juckende Milbe wirkt und im Bienenstock kaum Rückstände hinterlässt. Besser wäre natürlich, was Professor Bienefeld vorschwebt: Varroa von Beginn an keine Chance zu geben und Bienen züchten, die mit dem Parasiten klarkommen.

"Wir haben in einem Projekt gezeigt, dass besonders Gene, die mit dem Geruchsvermögen in Verbindung stehen, eine große Bedeutung haben für die Varroa-Toleranz", sagt Bienefeld. Das bedeutet, dass die Bienen riechen könnten, welche Zellen befallen sind. Das Problem sei aber, dass das nur die Spitzenbienen könnten, die wirklich sehr gute Nasen hätten. Und das, so Bienefeld, seien bei "unserer Rasse" sehr, sehr wenige. Damit ist die weit verbreitete Carnica-Rasse gemeint, die ursprünglich aus Österreich stammt und auch als Kärtner oder Krainer Biene bekannt ist.

Sie wurde so gezüchtet, dass sie besonders sanftmütig ist und viel Ertrag bringt. Aber anders als viele östliche Honigbienen reagieren heimische Rassen – auch die Carnica – empfindlich auf die Varroa-Milbe. Bis auf jene Exemplare, die besonders feine Geruchsorgane haben. Wie können die nun herausgefiltert werden? Durch Videoüberwachung, erzählt Bienefeld: "Es kommen Völker in bestimmte Beobachtungswaben. Wir geben hier Bienen rein, die sehr positiv auf Varroa-infizierte Zellen reagieren." Die Videobeobachtung der Waben geschieht in Gewächshäusern. Christoph Schwenkendieck, Imker am Länderinstitut für Bienenkunde, betreut den Versuch.

Hier ist also eine Kamera, die auch im Dunkeln aufnehmen kann. Im Bienenstock ist es ja meistens dunkel. Hier hängen wir dann einen Käfig rein, wo wir ungefähr 2.000 Bienen reinsetzen, die aber nicht komplett rausfliegen können – also jetzt nicht nach draußen. Diese Wabe – da ist eine Glasscheibe davor und da können wir dann mit der Kamera gut aufnehmen.

Christoph Schwenkendieck, Imker am Länderinstitut für Bienenkunde

In diese Wabe wird Bienenbrut gegeben, die mit Varroa infiziert ist. Die Wissenschaftler interessiert nun, welche Biene erkennt die infizierte Zelle und tötet die Brut und damit auch die Milbeneier ab.

"Und dafür zeichnen wir diese 2.000 Bienen. Jede einzelne Biene kriegt ein kleines Plättchen auf den Rücken. Und dann können wir jede Biene identifizieren", erzählt Schwenkendieck. Diese Plättchen sehen aus wie Startnummern – mit unterschiedlichen Formen und Ziffern. Zucht-Experte Fred Zautke analysiert die Videoaufzeichnungen. Sie zeigen eine Brutwabe, auf der sich Bienen befinden.

Das Ausräumen passiert in der Regel nach drei Tagen. Da hat die Milbe alle Eier abgelegt. Sie reproduziert ausschließlich in der verdeckelten Brutzelle der Biene. Und wird das geöffnet, ausgeräumt, muss die Milbe wieder neu anfangen. Wenn da wieder ausgeräumt wird, kann es sein, dass sie durcheinander kommt mit ihrem Reproduktionskreislauf.

Fred Zautke, Bienenzucht-Experte

Die Beobachtungen zeigen bereits, dass Bienenstöcke, in denen Insekten die Varroa riechen, keine vorbeugende Behandlung brauchen. Aus diesen Bienen eine Varroa-resistente oder wenigstens tolerante Rasse zu züchten, wäre der wünschenswerte Idealfall, sagt Imker Schwenkendieck: "Natürlich muss man dann auch schauen, wie stabil das über mehrere Generationen ist – also, wenn man sie sich dann frei bepaaren lässt."

Aber so weit seien sie noch gar nicht, denn das sei ein sehr langer Prozess. Die Forscher wollen sich nicht festlegen, rechnen aber noch mindestens mit fünf bis zehn Jahren, bis Varroa-tolerante oder -resistente Bienen als sichere Zuchttiere angeboten und an die Imker verkauft werden können.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL: im Radio | 17.06.2017 | 08:18 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Juni 2017, 05:00 Uhr