Wissen, was wir lesen Das geheime Leben der Popel

Jana Rehse
Bildrechte: Tobias Thiergen

Der Schleim in unserer Nase als Superheld für Kinder? Die spanische Kinderbuchautorin Mariona Tolosa Sisteré zeigt, wie nützlich und spannend Popel sein können. Ein ideales Buch also für "Rotznasen", findet Jana Rehse. Sie kennt "kaum ein anderes, derart wunderbar illustriertes Kinder-Lexikon, das so nah an der Lebenswirklichkeit von Eltern und Kindern ist wie dieses!"

Cover: Das geheime Leben der Popel
Bildrechte: Knesebeck Verlag

Worum geht es?

Für Kinder gehören Popel einfach zu ihrem Alltag. Bis zu 200 Tage im Jahr läuft bei den kleinen "Rotznasen" schließlich auch die Nase. Im Gegensatz zu uns Erwachsenen empfinden sie dabei meist überhaupt keinen Ekel vor Popeln und Nasenschleim, ganz im Gegenteil: Ob als Knete oder gar zum Nachtisch, findet er doch immer wieder seinen Weg in die Kinderhand. Da erscheint es geradezu konsequent, ein Kinderbuch zu veröffentlichen, das fast wie ein Kinderlexikon "Wissenswertes und Witziges" über Popel beschreibt.

So stellt Mariona Tolosa Sisteré in "Das geheime Leben der Popel" den Schleim in unserer Nase als kleinen unterschätzten Superhelden dar, der Viren und Bakterien davon abhält, in unseren Körper zu gelangen. Doch woraus bestehen Popel genau? Müssen wir etwas gegen sie unternehmen? Und wie popeln Tiere eigentlich? Das Buch gibt Antworten, die sicher nicht nur für die kleinen Leser neu und spannend sind.

Die linke Seite zeigt ein merkwürdiges hellgrünes Wesen mit großem Kopf und kleinem Rumpf, das die Popel darstellen soll. Um dieses Wesen herum sind die "Zutaten" eines Popels zu lesen (wie Lipide oder Proteine). Auf der rechten Seite ist ein Kopf mit rotblonden Haaren zu sehen, auf dem man die Lage von Stirn- Siebbein- und Kiefernhöhle erkennen kann.
Die Bestandteile der Popel und die Orte, an denen sie sich aufhalten Bildrechte: Knesebeck Verlag

Wie schafft es das Buch, mich zu fesseln?

Ich kenne kaum ein anderes, derart wunderbar illustriertes Kinder-Lexikon, das so nah an der Lebenswirklichkeit von Eltern und Kindern ist wie dieses! Das Buch schafft es dabei auf ganz einfache, verständliche und auch lustige Weise, die Bedeutung der Popel zu veranschaulichen. Bei manch ekligen Vorstellungen möchte man zwar gern seine Augen schließen, aber die Bilder verhindern es und zaubern ein Lächeln auf die Lippen (nicht nur) der kleinen Leser.

Die Zeichnungen der Illustratorin sind dabei angenehm groß, koloriert und haben einen hohen Wiedererkennungswert. So lassen sich Groß und Klein gern erklären, woraus die Popel eigentlich alles bestehen, wie wir den "Rotz" loswerden, wo sich der Schleim überall festsetzt und warum wir niemanden anniesen sollten.

Die grüne Popel-Figur taucht in einer Schulklasse auf, in der sieben Kinder an fünf Tischen unterschiedlich mit Popeln umgehen. Von "herumniesen" bis "zu einer Kugel kneten" ist alles dabei.
Wohin mit den Popeln? Bildrechte: Knesebeck Verlag

Wer hat's geschrieben?

Mariona Tolosa Sisteré, geboren 1983 in Barcelona, lebt noch heute in ihrer Geburtsstadt und hat schon zahlreiche (Kinder-)Bücher geschrieben und illustriert. In der Reihe "Das geheime Leben…" gibt es bereits illustrierte Sachbücher zum Thema Viren und Verletzungen – bisher allerdings noch nicht in deutscher Sprache. Hoffen wir, dass sich das bald ändert.

Cover: Das geheime Leben der Popel
Bildrechte: Knesebeck Verlag

Die Daten zum Buch Mariona Tolosa Sisteré: Das geheime Leben der Popel. Übersetzt von Ebi Naumann. Knesebeck Verlag 2021, 24 Seiten, 14 €, ISBN 978-3-95728-464-8

Wie ist es geschrieben?

Das Buch richtet sich an Kinder ab 4 Jahren, die mit dem Buch auch tatsächlich schon etwas anfangen können.

Die Sprache ist einfach, es gibt keine komplizierten Erklärungen, und die Bilder sind groß und wecken schnell das Interesse.

Jana Rehse

Einzig die Fragen am Ende des Buches sind für die kleinen Kinder dann doch noch zu schwer. Hier darf der Vorleser/die Vorleserin gerne behilflich sein! Mein 7-jähriger Sohn fand das Buch total faszinierend, gibt es doch tatsächlich nichts Vergleichbares bisher in seinem Schrank. Er nimmt es sich selbst immer wieder aus dem Regal, schaut sich die Bilder an und liest schon erste Passagen selbst – mit einem Lächeln auf den Lippen und Staunen im Gesicht.

Auf der Doppelseite sind fünf Kinder zu sehen, über die die maskierte Popel-Figur hinwegfliegt. Die Kinder zeigen unterschiedliche Ursachen für Popel, von Viren bis Weinen.
Warum entstehen Popel? Bildrechte: Knesebeck Verlag

Was bleibt hängen?

Hängen geblieben ist bei mir und den Kinder vor allem, dass…

  • … Kinder bis zu 200 Tage im Jahr eine Rotznase haben,
  • … schwarzer Schleim von schlechten Umwelteinflüssen kommt,
  • … auch Giraffen und andere Tiere popeln,
  • … jeder Mensch einen Liter Popelschleim am Tag schluckt und
  • … wir ohne Popel viel öfter krank wären.

Kurzum: Das schlechte Image vom Popel ist gar nicht berechtigt!

Jana Rehse
Bildrechte: Tobias Thiergen

Die Rezensentin schaut sich für uns Wissens- und Sachbücher für Kinder an: "Mit zwei kleinen Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter lese und entdecke ich gern Wissensbücher für die Kleinen. Was mir dabei sehr wichtig ist: Ich will den Kindern von Anfang an zeigen, dass Sachbücher per se nichts Langweiliges sind, sondern die Welt der Wissenschaft spannendere Informationen bereit hält als so manche Kindergeschichte."

0 Kommentare