Wissen, was wir lesen Flora Mirabilis. Welche Pflanzen Schönheit, Wissen und Gesundheit schenken

Karolin Dörner: Weiße junge Frau mit mittellangen, offenen Haaren mit Mittelscheitel. Hintergrund tiefenunscharf mit viel grün.
Bildrechte: Tobias Thiergen

"Die Welt, in der wir leben, ist auch heute noch ein Garten Eden", heißt es im Vorwort der Neuerscheinung "Flora Mirabilis". Wie schön dieser Garten ist, macht dieses Buch mit seinem Text und seinen eindrucksvollen Bildern sehr deutlich, meint MDR WISSEN-Autorin Karolin Dörner. Vor allem: "Hier werden Geschichten erzählt!"

Das Cover von Flora Mirabilis zeigt einen bunten Strauß von wilden Blumen, Blättern und Blüten, umkreist von einer Libelle
Bildrechte: National Geographic

Worum geht es?

Ohne Pflanzen können wir nicht leben. Sie sind überall, ernähren uns, erfreuen uns, geben uns Kleidung und Medizin und werden zum Teil angebetet. Wie aber hat sich das entwickelt? Wann waren welche Pflanzen wichtig und warum? Das Buch "Flora Mirabilis" führt uns durch die Geschichte der Menschheit mit dem Fokus auf Pflanzen: Wie sie u.a. entdeckt, gehandelt, angebaut, erforscht und gezeichnet wurden.

Wussten Sie etwa, dass Pfeffer deswegen so beliebt war, weil man mit dem Gewürz hervorragend den Geschmack von verdorbenem Essen übertünchen konnte? Oder dass eines der ersten Bände der Pflanzenlithographie stolze 16 Kilogramm wog? Auch spannend: die Italiener versuchten sich erst im 17. Jahrhundert an der Tomate. Eine Frucht, die nämlich aus der "Neuen Welt" kam und nicht, wie man heute denken würde, aus Italien.

Zeichnung einer Malaiischen Orchidee mit geschwungenen weißen Blättern und vollen roten Blüten.
Zwischen 1770-1840 kamen aus entfernten Ecken der Welt neue Varianten der Palme nach Europa. So auch die malaiische Orchidee (Medinilla magnifica) Bildrechte: National Geographic

Wie schafft es das Buch, mich zu fesseln?

Der Fokus ist originell: Ich habe mir nie vor Augen geführt, wie eng die Menschheitsgeschichte und das Voranschreiten der Zivilisation mit Pflanzen zusammenhängen. Sie bestimmen Politik, Konflikte und Krieg, aber auch Rituale, Medizin, Kunst und Kultur.

Absolutes Highlight neben den Geschichten sind natürlich die historischen Bilder!

Karolin Dörner

Das Buch zeigt einige der zahlreichen Schätze, die in der Bibliothek des Missouri Botanical Garden schlummern. Hier werden sie wunderbar in Szene gesetzt und ergeben mit den Geschichten eine Einheit, die "Flora Mirabilis" zu einer Mischung aus Wissenschaft und Kunst werden lässt.

Eine Seite aus dem Stundenbuch des Duc de Berry. Der obere Teil des Seite wird von einem Sternenkalender ausgefüllt, der sich in zwei Halbkreisen über den Himmel spannt. Unter diesem Himmel ist eine dreieickige Wasserburg zu sehen, deren Steg zu einem Weizenfeld und einer Schafweide im Vordergrund führt.
Eine Weizenernte symbolisiert den Monat Juli in den "Trés Riches Heures" des Duc de Berry, einem mittelalterlichen Stundenbuch von 1416 Bildrechte: National Geographic

Wer hat's geschrieben?

Catherine Herbert Howell ist studierte Anthropologin und hat bereits mehrere Naturkunde-Bücher für National Geographic geschrieben. Unterstützung bekam Howell diesmal vom Präsidenten des Missouri Botanical Garden, Dr. Peter H. Raven, einem der weltweit führenden Botaniker und Fürsprecher für Umweltschutz und Artenvielfalt. Außerdem vom Direktor der Missouri Botanical Garden Library, Douglas Holland, der unter anderem als Archivar und Historiker für den Garten arbeitet.

Das Cover von Flora Mirabilis zeigt einen bunten Strauß von wilden Blumen, Blättern und Blüten, umkreist von einer Libelle
Bildrechte: National Geographic

Die Daten zum Buch Catherine H. Howell: Flora Mirabilis. Welche Pflanzen Schönheit, Wissen und Gesundheit schenken. National Geographic 2020, 256 Seiten, 39,99 €, ISBN 978-3-86690-734-8


Wie ist es geschrieben?

Einfach geschrieben, leicht zu verstehen. In diesem Buch über Pflanzen und Botanik wird man nicht mit lateinischen Fachbegriffen überhäuft. Hier werden Geschichten erzählt! Die vielen Bilder, Zeitstrahle und Unterkapitel laden zudem zum Stöbern und Querlesen ein. Einziges Manko: Manchmal behindern Bilder oder Unterkapitel den Lesefluss und man muss suchen, wo Sätze weitergehen.

Das Bild zeigt eine Kokospalme in fünf unterschiedlichen Entwicklungsstadien.
Auch die Kokosnuss kam Anfang des 19. Jahrhunderts aus der Ferne. Bildrechte: National Geographic

Was bleibt hängen?

Viele kleine spannende Details. Und eben dieser Eindruck des Großen und Ganzen. Dass nämlich Pflanzen in alle möglichen menschlichen Prozesse involviert waren und sind.

Das lenkt den Blick auf heute: Welche Pflanzen nehmen heute eine zentrale Rolle ein? Das Monstera-Blatt, das derzeit als Deko-Objekt alle möglichen Produkte ziert? Der Mais, aus dem wir nun auch Plastik herstellen? Die Avocado, Trendfrucht, für die illegal Regenwald gerodet wird? Wie heißt es so passend im Vorwort: "Die Welt, in der wir leben, ist auch heute noch ein Garten Eden." Wie schön er ist, macht "Flora Mirabilis" deutlich, durch Text und Bild.

Karolin Dörner: Weiße junge Frau mit mittellangen, offenen Haaren mit Mittelscheitel. Hintergrund tiefenunscharf mit viel grün.
Bildrechte: Tobias Thiergen

Die Rezensentin Für Karolin Dörner ist das Schönste an wissenschaftlichen Themen: Sie sind wie kleine Rätsel, die man knacken muss, dann kommen die Aha-Momente, das Staunen und dann die große Frage: Wie bekomme ich das jetzt hin, dass auch alle anderen diesen wunderbaren Moment mit mir teilen?

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