Eine Frau am Schokoladenregal
Bildrechte: imago/Jochen Tack

Spiele gegen die süße Sucht Wie man den Zucker-Jieper in den Griff kriegt

Zucker-Verzicht fängt im Hirn an. Und genau für diesen Moment, in dem der Mensch entscheidet, Geld in den Süßkramautomaten zu stecken oder sich Schokolade, süßen Schweinespeck oder Gummibärchen in den Einkaufswagen zu laden, wollen Forscher uns wappnen. Wie geht das? Spielerisch, individuell und mit konkreten postiven Beispielen.

Eine Frau am Schokoladenregal
Bildrechte: imago/Jochen Tack

Sie kennen das vielleicht: Immer genau in Augenhöhe, oder an der Kasse, wo wir warten müssen - da sind sie: die süßen Verführer. Können wir uns für diese Begegnung besser wappnen? Ja, das geht! Evan Forman, Psychologie-Professor der Drexel University (Philadelphia/USA), ist fest davon überzeugt. Er hat im Rahmen einer Studie ein Online-Spiel entwickelt, das bei regelmäßigem Spielen hilft, sich dem zuckerhungrigen inneren Schweinehund entgegenzustellen und die süßen Sachen im Regal stehen zu lassen.

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Bildrechte: Evan Formen, Drexel University

Die Probanden, übergewichtig und Süßigkeiten-Liebhaber, wurden zunächst in einem Workshop damit konfrontiert, was Zucker mit ihrem Körper, ihrem Gewicht, ihrer Gesundheit macht und wie eine gesündere Ernährung aussehen sollte. "Im Workshop werden Strategien für die kommende zuckerfreie Ernährung vermittelt. Trotzdem war uns klar, dass die Teilnehmer ein zusätzliches Werkzeug brauchen würden, um sich dem Zucker-Jieper zu wiedersetzen", sagt Forman.

Wie man den starken süßen Impuls entkräftet

Und zwar in Form von täglichem Training. Das stärkt das Gehirn, sich dem süßen Impuls zu widersetzen, sagt Foreman. Dazu wurde bei den Probanden abgefragt, bei welchen Süßigkeiten sie schwach werden. Diese Vorlieben werden für jeden Spieler im Spiel integriert. Wenn sie also mit ihrem Einkaufswagen so schnell wie möglich durch die Regale gehen, ploppen wild durcheinander Nahrungsmittel, Hygiene- und Haushaltsartikel auf und der Spieler muss spontan entscheiden, was im Einkaufswagen landet oder nicht. Für wertvolle Nahrungsmittel gibt es Belohnungspunkte, für schokohaltige Müsliriegelpackung einen Hupton; am Ende folgt eine Auswertung.

Gewichtsverlust nach Hirntraining

Acht Wochen lang integrierten die Probanden das Spiel in ihren Tagesablauf. Mehr als die Hälfte der 109 Teilnehmer verloren während der Studienphase 3,1 Prozent ihres Gewichts. Für Foreman belegen die Studienergebnisse, dass computergestütztes Hirntraining beim Abnehmen helfen und den Zuckerkonsum verringern.

Hänschen kann es leichter lernen

Noch besser natürlich, man lernt von Kindesbeinen an, wie man sich ausgewogen ernährt.

Aber wie vermitteln Eltern das richtig und effektiv? Da liegt der Hase im Pfeffer. Die Botschaft, "Möhren sind gesund" ist zu pauschal und abstrakt. Die Botschaft muss konkreter und greifbarer sein. Das zeigt eine Studie aus Washington: Forscher der Universitäten Washington und Florida wollten herausfinden, ob Informationen zu Nahrungsmitteln Kinder beim Essen beeinflussen.

Test mit Kindern
Hat das Essen einen positiven Beigeschmack - "Linsen sorgen dafür, dass du schneller rennen kannst": Dann greifen Kinder häufiger zu ursprünglich nicht so beliebten Nahrungsmitteln. Bildrechte: WSU

Dazu erfragten sie Ernährungsvorlieben von Drei- bis Fünfjährigen aus verschiedenen Nahrungsgruppen wie Getreide, Proteine und Gemüse, zum Beispiel grüne Paprika, Tomaten, Quinoa und Linsen. Im Laufe der sechswöchigen Studie erhielten Kinder regelmäßig eines der Nahrungsmittel, welches sie weniger mochten, zum Probieren und zwar im Zusammenhang mit altersgemäßen Zusatzinformationen: Linsen lassen dich schneller laufen, Paprika höher springen, Getreide besser denken. Einen Monat nach den Testwochen zeigte sich, dass die Kinder zweimal so oft einst unbeliebte Nahrungsmittel aßen, die sie nun in einem positiven Kontext kannten.  

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 01. April 2019 | 17:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Mai 2019, 13:34 Uhr