FAQ: Warum lachen wir?

Lachen ist ein Kommunikationsmittel, das wir bewusst oder unbewusst einsetzen: Es ist der Kitt im Alltag, bestenfalls ein Ausdruck des Wohlbefindens, manchmal um peinliche oder spannungsgeladene Situationen aufzulösen - nicht umsonst sprechen wir vom "befreienden Lachen". Aber das Lachen kann auch gezielt eingesetzt werden - lautes Lachen zum Erniedrigen des Gegenübers oder Dritter.


Wann lachen wir?

Mutter kitzelt ihr Kind
Bildrechte: Colourbox.de

Verblüffung und ein Perspektivwechsel gehören dazu, sagt Prof. Dr. med. Barbara Wild, Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie im Gespräch mit MDR Wissen: "Dinge, die man zuerst auf die eine Weise betrachtet hat, werden plötzlich auf eine andere Weise gesehen."

Neben dem spontanen Gelächter gibt es auch das Reflex-Lachen, ausgelöst durch physische Reize wie beim Kitzeln oder das Schein- und Ersatzlachen, das einen inneren Zustand wie Verlegenheit überspielt. Oder wenn der Chef einen Witz erzählt, über den man heimlich gähnt. Auch bekannt: das Lachen, das die Spannung löst - wie beim Versteckspiel in der Wohnung, wenn einer im Versteck losprustet, weil er die Spannung nicht mehr aushält.  


Was passiert beim Lachen im Körper?  

Lachen setzt zum einen die chemische Fabrik in unserem Körper in Gang, zum anderen trainiert es unseren Körper. Der Stresshormonpegel durch Adrenalin und Kortisol sinkt, auch der Schmerzpegel, wie der Züricher Psychologe Wilibald Ruch nachwies. Probanden, die sich "Mr. Bean"-Filme ansahen, waren 30 Minuten länger weniger schmerzempfindlich als wenn sie Dokumentarfilme guckten. Im Februar 2019 operierte ein US-OP-Team am offenen Hirn einer Patientin und stimulierte dabei eine spezielle Stelle im Hirn, wodurch diese sich außerstande sah, ein ernstes Gesicht zu machen oder mit dem Lächeln aufzuhören. Lachen stellt den ganzen Körper übrigens vor eine große koordinatorische Herausforderung: Mehr als 100 Muskeln werden bewegt.


Ist Lachen eine Wissenschaft?

Jogger mit Kinderwagen
3 Minuten Joggen = 20 Sekunden lachen Bildrechte: Colourbox.de

Ja. Die Wissenschaft heißt Gelotologie, die Lehre vom Lachen. Gelos stammt aus dem Griechischen und bedeutet Gelächter. Erforscht werden die Auswirkungen des Lachens auf Körper und Psyche. Gründer der Gelotologie ist Prof. William Fry, der zunächst an seinem eigenen Blut erforschte, wie sich dessen Zusammensetzung vor und nach dem Lachen änderte. Fry zufolge fordern 20 Sekunden Lachen den Körper genauso wie drei Minuten Joggen. Inzwischen gibt es weltweit etwa 200 Wissenschaftler, die sich mit dem Lachen und seinen Auswirkungen auf den Körper beschäftigen.


Lachen ist gesund. Stimmt das?

Ein Clown heitert ein Kind auf dem Krankenhausflur auf.
Keine Erfindung unserer Zeit, sondern Jahrhunderte alt: der Klinik-Clown Bildrechte: IMAGO

Der Volksmund behauptet: "Lachen ist gesund". Vermutet wurde das überall auf der Welt seit Jahrhunderten. Im alten Griechenland wurden Kranken Komödien-Besuche als Teil des Heilungsprozesses angeraten; bei Amerikas ersten Einwohnern gehörte der Einsatz von Clowns zum medizinischen Repertoire.

Im 13. Jahrhundert in Frankreich verfasste Henri de Mondeville, von Haus aus Wundarzt bei Hofe, das erste französische Lehrbuch zur Chirurgie und riet darin: "Verwandte oder Freunde sollten die Patienten während der Behandlung mit Witzen ablenken".

Willibald Ruch, Professor an der Universität Zürich und Mitherausgeber des "International Journal of Humor Research", sieht den Gesundheitseffekt des Lachens bis heute skeptisch: Der Effekt, den Humorforschungspionier Fry nachwies, dass Lachen den Blutdruck senkt, hielt nämlich nur sekundenlang an. Aber der Volksmund weiß ja auch: Die Hoffnung stirbt zuletzt und der Glaube versetzt Berge...


Kann man Lachen trainieren?

Ja! Es gibt Lachclubs, Lachgesellschaften, Lachyoga und Lachtrainer. In Kliniken arbeiten vereinzelt Klinikclowns.  


Es gibt einen Weltlachtag. Ist das ein Scherz?

Nein, das ist ein Ernst: jedes Jahr am 6. Mai.

Zuletzt aktualisiert: 08. März 2019, 17:28 Uhr