Polarstern-Expedition Leipziger Forscher trainieren für größte Arktis-Mission aller Zeiten

600 Menschen, 17 Länder, ein Schiff: Die Expedition MOSAiC übertrifft alle früheren Expeditionen in die Arktis. Forscher werden das Forschungsschiff "Polarstern" im Packeis festfrieren lassen und sich ein ganzes Jahr lang durch das Nordpolarmeer treiben lassen. Das soll uns dabei helfen, den Einfluss der Arktis auf das globale Klima zu verstehen. Mit an Bord werden auch Atmosphären-Forscher des Leipziger TROPOS-Instituts sein.

Ein Gasballon. 4 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es ist eisig kalt, die Tempertatur neigt sich gen minus zehn Grad. Die Wiesen auf dem Flugplatz Melpitz bei Torgau sind von Frost überzogen. Mittendrin: Menschen in rot leuchtenden Anzügen. Es sind die wärmenden Overalls, die die Leipziger Atmosphärenforscher bald auch in der Arktis tragen werden. Dort sollen sie vor Temperaturen bis minus 35 Grad Celsius schützen. So ausgestattet holen sie vorsichtig ihren Mess-Ballon aus einem Hangar - wobei "Ballon" leicht untertrieben ist. Das weiße Ungetüm ist eigentlich ein mannshohes Zeppelin, gefüllt mit Helium. Damit können Messgeräte aufsteigen, die Feinstaub, Ruß oder Strahlungen messen, sowie Sammler für Partikel.

Natürlich sammelt der Messballon auch meteorologische Daten zu Temperatur, Feuchte, Wind für das Tropos. Für die Arktis-Expedition, die wird es einen neuen Ballon geben, der aktuelle fährt als Ersatz mit. Institutsdirektor Professor Andreas Macke hat für die Zeit im Packeis eine klare Zielstellung:

Wir wollen gerne wissen, wie die Atmosphäre die arktische Erwärmung mit beeinflusst. Wir wissen, dass das arktische Meer sich zurücksetzt. Wir vermuten, dass Wolken und Aerosole dabei eine Rolle spielen. Die können wir auf dieser einjährigen Kampagne erstmalig komplett über einen Jahreszyklus festhalten und messen.

Andreas Macke

Die Vorbereitungen dafür dauern weit länger als die Expedition selbst, die Leipziger Troposphären-Forscher haben vor drei Jahren mit den Vorbereitungen angefangen. Neben dem Mess-Ballon fährt aus dem Institut auch noch ein Laser-Wolken-Messgerät - ein sogenannter Lidargerät - mit. Das alles steckt in einem Schiffscontainer. Auch das Personal steht Macke zufolge schon lange fest und deren Vertreter. Insgesamt wechseln sich An Bord des Forschungsschiff sechs mal 100 Personen während der Expedition ab.

Mammutaufgabe: Organisation und Versorgung

Im Hintergrund sind noch einmal ungefähr 300 Menschen mit der Expedition beschäftigt, denn das Schiff wird unterwegs von Eisbrechern, Helikoptern und und Flugzeugen versorgt. Eine logistische Mamutaufgabe, damit imme zum richtigen Zeitpunkt Nachschub geliefert werden kann, ohne dass vorher exat gesagt werden kann, wohin genau das Schiff driften wird und was das zum Beispiel für die Versorgungsflugzeuge bedeutet.

Daten zur "Polarstern" Die Polarstern ist sei 9. Dezember 1982 im Einsatz und ist als Forschungs- und Versorgungsschiff in Polargebieten angelegt. Mit 118 Metern Länge ist es das größte deutsche Forschungsschiff und hat einen Tiefgang von 11,20 Meter. Es hat Platz für 124 Personen, 44 davon Schiffs-Besatzung.

Troposphärenforscher Macke wird auch selbst an Bord gehen: Auf dem 4. Fahrtabschnitt ist er als Co-Fahrleiter eingesetzt. Dann muss er mit einem Partner zwei Monate lang rund um die Uhr das wissenschaftliche Arbeitsprogramm leiten.

Viele Variablen können die Forschungsstundenpläne durchkreuzen

Ein Eisbär in der Arktis springt von einer Eisscholle auf eine andere Scholle
Könnten Probleme machen: Eisbären in der Arktis Bildrechte: dpa

Dabei müssen die Forscher sich nicht nur auf ihre Messungen, sondern auch auf Gefahren im Eis vorbereiten - zum Beispiel auf Eisbären. Dazu werden einige Forscher extra an der Waffe ausgebildet. Ein Team entwickelt Vorfeld sogar spezielle Infrarot-Gewehre, mit denen Eisbären auch im Dunkeln entdeckt werden können. Es wird auch professionelle Eisbär-Wachen an Bord geben, die nötigenfalls neugierige Eisbären vertreiben.

Dazu kommt, dass die Forschungspläne sich verschieben können, wenn zum Beispiel technische Teile ausfallen und ersetzt werden müssen, oder ein Sturm aufzieht. Darauf müssen die Fahrleiter mit ihren Plänen reagieren und die jeweiligen Wissenschaftler über Verschiebungen oder Änderungen am Programm informieren.

Infografik zeigt den Eisdriftweg des deutschen Forschungseisbrechers Polarstern.
Bildrechte: Bundesministerium für Bildung und Forschung

Dieses Thema im Programm: MDR aktuell | Radio | 24. Januar 2019 | 06:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Januar 2019, 12:09 Uhr

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