10 Fragen an die Humortrainerin Eva Ullmann Wir brauchen mehr Lach-Forschung

Was machen Humortrainer? Warum muss man Humor erforschen? Haben alle Menschen den gleichen? Das alles beantwortet Humortrainerin Eva Ullmann, Gründerin des Deutschen Intituts für Humor in Leipzig. Und sie hat eine Forderung an die Wissenschaft: Erforscht das Lachen!

Eva Ullmann 8 min
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Do 14.03.2019 13:30Uhr 07:47 min

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Wie funktioniert Humor?

Es braucht eine Inkongruenz. Entweder man übertreibt stark, man reißt die Augen auf, erzählt sehr dramatisch, übertreibt sehr. Oft ist es eine Pointe, eine überraschende Wendung und eine Erwartung wird nicht erfüllt.

Ein Witz, den uns die Humortrainerin erzählt: Michelle und Barack Obama sind bei einer Party und kommen ins Gespräch mit einem Autohausbesitzer und hinterher stellt sich heraus, dass Michelle einmal mit diesem Autohausbesitzer liiert war. Sagt Barack zu ihr: "Siehste, wenn du mit dem zusammen geblieben wärst, wärst du heute die Frau eines Autohausbesitzers." Was antwortet Michelle? "Wenn ich mit dem zusammen geblieben wäre, wäre er heute Präsident der Vereinigten Staaten."

Was machen Humortrainer?

Man erwartet, dass er lustig ist, unterhaltsam, ein Kabarettist. Das ist so, als würden wir von einem Depressionsexperten erwarten, dass er depressiv ist, oder Menschen depressiver macht. Bei Humortrainern wollen Menschen wissen, wie Humor funktioniert und wie sie Humor besser einsetzen können. Wir machen Menschen humorvoll, oder trainieren, Humor gezielt einzusetzen.

Hat jeder Mensch Humor?

Jeder hat Humor, aber nicht jeder meinen. Menschen haben verschiedenen Humor. Da brauchen wir manchmal Zeit, um Witze zu verstehen.

Gibt es unterschiedlichen Humor?

Wir unterscheiden zwischen liebevollem, sozialem und aggressivem Humor. Sozialer Humor heißt, irgendwas ist lustig. Aggressiver Humor heißt, ich nehme mich oder andere auf die Schippe. Ich beschäme jemanden humorvoll und kriege dadurch einen Lacher. Zum Beispiel: Jemandem fällt ein Glas Wasser runter. Es ist ein Unterschied, ob ich sage, "Du kannst aber gut loslassen" oder "Ah, es gib die Schwerkraft noch. Gut, dass du sie nachgewiesen hast." Aggressiver Humor wäre zu sagen, "In Deinem Alter kann man das Wasser auch nicht mehr so gut halten." Das ist von der Beschämung her ein Unterschied. Deswegen nenne ich das einen entspannenden Humor und das andere anspannenden oder beschämenden Humor. 

Warum muss Humor erforscht werden?

Müsste man wahrscheinlich gar nicht. Ist aber ein ganz wichtiger Ausgleich. Es gibt viel mehr zu Angst, Wut, Trauer, Missbrauch. Wir wissen viel mehr über Krankheit als über Gesundheit. Deshalb hat sich seit ein paar Jahren die Wissenschaft von der Gesundheit entwickelt, man versucht das Glück zu fassen zu kriegen. Warum werden manche Menschen nicht krank, warum werden Menschen nicht depressiv? Da guckt man seit zwanzig, dreißig Jahren genauer hin. Welchen Anteil hat Humor an unserer Gesundheit? Sind humorvolle Menschen gesünder, fühlen die sich nur gesünder, können die besser kommunizieren, machen die sich das Leben leichter? Welchen Zusammenhang hat Humor mit Gesundheits- , mit psychologischen, mit Kommunikations-Aspekten? Das ist ein guter Ausgleich zu dem, dass wir viel über Krankheit wissen.

Andere Länder, anderer Humor?

Interkultureller Humor hat für mich zwei Aspekte. Wenn ich mir Clowns angucke, die sehr über die Pantomime arbeiten, auch international, wird in vielen Ländern über die gleiche Sachen gelacht, wenn man körpersprachlichen Humor nimmt. Es gibt auch sehr spezifische Aspekte in anderen Ländern. In Südamerika, Spanien, Italien ist man sehr viel körperbezogener, sexueller. Je nördlicher man kommt, um so mehr werden kognitive oder sprachliche Witze gemacht, Man ist auch distanzierter von der Begrüßung her, die Menschen sind sich nicht so nahe. Das zeigt sich auch im Humor: Humor spiegelt auch Spielregeln einer Gesellschaft wieder.

Kann man Humor trainieren?

Ich glaube, es gibt Begabungen. Kabarettistinnen, Schauspielerinnen, die ein komisches Talent haben, üben das auch sehr viel, um das auf eine Bühne zu kriegen. Ich habe oft Teilnehmer, die sagen, 'ich bin nicht extrovertiert, ich bin ganz strukturiert, ich bin eine sachliche Führungskraft, ich werde nie wie ein Schauspieler oder Comedian'. Aber der Comedian ist ja nicht da, wenn sie mit ihren Mitarbeitern ein Gespräch führen oder eine Teamsitzung. Wenn die zehn Prozent mehr Übertreibung machen, ist das super. Das ist wie singen. Wäre schade, wenn die Leute unter der Dusche nicht singen würden, nur weil sie es schlechter machen: Es ist ja erst mal schön, und es ist nützlich.

Sind manche von uns von Natur aus lustiger?

Es gibt eine Studie von Alexander Punt, der sagt, Menschen mit einem sehr hohen Strukturbedürfnis haben weniger Bedarf an Humor als Menschen, die auch mit ein bisschen Chaos und Kreativität leben können. Er sagt, es gibt auch sehr sachliche und strukturierte Menschen, die kein so hohes Bedürfnis nach Humor haben, um ihren Job gut zu machen. Und dann gibt’s natürlich Menschen mit einer hohen Spielfreude, die auch Konflikte und Stressmomente gern spielerisch bewältigen, weil es ihnen dann leichter fällt. Ist das genetisch bedingt? Haben wir das von unseren Vorfahren? Ist das sozialisiert? Als Kinder imitieren wir viel unsere Eltern, Erzieher, Lehrer und lernen dadurch Humor. Wo das herkommt, kann man gar nicht so ganz genau sagen.

Ist Humor abhängig von der Hierarchie?

In einer Hierarchie hat Humor unterschiedliche Wirkungen. Aus meiner Sicht kann jede Hierarchie sozialen Humor machen. Aggressiver Humor in verschiedenen Hierarchien ist gefährlich. Manchmal nutzen Führungkräfte, Chefs oder Chefinnen, aggressiven Humor um ihre Stellung zu festigen. Witze auf Kosten anderer signalisieren, 'ich bin hier die höchste Position'. Wenn das eine Sekretärin oder ein Assistent macht, kann das gefährlich werden. Witzelt ein Assistenzarzt auf Kosten des Chefarztes und der nimmt das nicht sehr humorvoll, kann das Konsequenzen haben. Aggressiver Humor ist in unterschiedlichen Hierarchiestufen gefährlich, sozialer Humor ist auf allen Hierarchieebenen gleich ungefährlich.

Gibt es privaten und beruflichen Humor?

Die Teilnehmer in unseren Seminaren behaupten immer, sie wären privat ganz anders humorvoll als beruflich. Ich bin der Meinung, das unterscheidet sich nicht so sehr, weil man sich Humor gar nicht so lange überlegt. Sowohl beruflich wie privat kommt man in Situationen, da haben wir einen schnellen Witz, einen schnellen Spruch auf der Lippe. Aus meiner Sicht zügeln sich Leute im Arbeitsleben, sie würden nicht alles sagen, in bestimmten Situationen. Es gibt ja auch Abhängigkeitsverhältnisse, Arbeitssituationen mit Kunden, die man nicht so gut kennt. Also halten Leute ihren Humor zurück. Aber er unterscheidet sich im privaten und im beruflichen Umfeld nicht. Auch wenn mir da viele Leute widersprechen würden.

MDR Wissen

Zuletzt aktualisiert: 15. März 2019, 12:20 Uhr