Demokratieforschung Brauchen wir ein Institut für Zusammenhalt?

Die Welt ist im Umbruch und die Demokratie nicht mehr für jeden die optimale Staatsform. Wie können wir den Zusammenhalt der Gesellschaft bewahren? Die Wissenschaft soll helfen.

zwei Hände
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Die Welt ist im Umbruch, Europa ist im Umbruch, Deutschland ist im Umbruch – und die Demokratie nicht mehr selbstverständlich und ein gefährdetes Gut. Gerade da täte es gut, Sachlichkeit in die Debatten zu bringen und Lösungen für die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen anzubieten. Das zumindest war die Idee der Bundesregierung hinter dem Projekt "Institut für gesellschaftlichen Zusammenhalt".

Dafür sollen nun elf deutsche Hochschul- und Forschungsinstitute ein Forschungsprogramm und eine Lenkungsstruktur erarbeiten. In Mitteldeutschland sind das "Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft" in Jena, die Uni Halle-Wittenberg und das "Centre for Area Studies" der Uni Leipzig an dem Aufbau des Instituts beteiligt.

Es soll, so steht es auf den Seiten des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, um Aspekte wie "Polarisierung und Populismus, Identitäten und regionale Erfahrungswelten, Medien und Konfliktkultur sowie Antisemitismus uns Hasskriminalität gehen." Es geht um die Gesellschaft der Zukunft und die wird, so Professor Matthias Middell von der Uni Leipzig, "sicherlich eine Gesellschaft sein, die weiter Grenzen kennt, die weiter Zugehörigkeit zu Gesellschaft als Merkmal in sich trägt, aber die gleichzeitig immer mehr dadurch charakterisiert ist, dass diese Gesellschaften, Staaten verflochten sind. Ökonomisch verflochten, kulturell verflochten, aber eben auch durch Zuwanderung verflochten mit anderen."

Dies spiegele sich in der deutschen Gesellschaft in regional ganz unterschiedlichen Varianten. "Es macht natürlich einen Unterschied, ob 50 Prozent oder 5 Prozent Zuwanderer in einer Gemeinde oder in einem Stadtteil leben, es macht einen Unterschied, ob es eine Boomregion der neuesten intelligenzintensiven Industrien ist oder eine Region, die gerade mit Strukturwandel zu kämpfen hat", nennt Middell  Beispiele für regionale Unterschiede.

Genau das sei beim Aufbau des Institutes wesentlich: "Eine der Vorzüge dieses Institutes mit seinen elf Standorten ist, dass wir diese Prozesse in ihrer regionalen Differenziertheit vergleichen und damit hoffentlich auch der Bevölkerung ein Angebot unterbreiten können, die Eigenperspektive nicht für die einzig mögliche zu halten, sondern schon die Verschiedenheit im Lande wahrzunehmen. Wir schauen gleichzeitig über den Tellerrand: Wie verhält sich das eigentlich in unseren Nachbarländern? Wie wird mit den Herausforderungen gesellschaftlicher Transformation dort umgegangen?

Und dann gibt es eine dritte Dimension: Wie verhält sich das eigentlich weltweit? Welche Gesellschaftsmodelle sind aktuell interessant, um sie weiter zu verfolgen?" An vielen dieser Themen arbeiten die Institute schon – und Professor Middell vermutet, dass noch in diesem Jahr erste Forschungsergebnisse seines Institutes mit Blick auf die mitteldeutsche Region vorgestellt werden können.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Wissen aktuell | 26. Mai 2019 | 11:17 Uhr