Chinesische Raumstation Tiangong 1 mit angekoppeltem Raumschiff Shenzhou 10 über der Erde
Chinesische Raumstation Tiangong 1 mit angekoppeltem Raumschiff Shenzhou 10 über der Erde Bildrechte: IMAGO

Mehr Orbitalflüge Neue Raumfahrtakteure: Es wird voll im All

Russen und Amerikaner sind längst nicht mehr allein Weltraum, inzwischen fliegen 13 Staaten in den Orbit und darüber hinaus. Hinzu kommt eine wachsende Zahl privater Raunfahrtunternehmen aus den USA und China.

Chinesische Raumstation Tiangong 1 mit angekoppeltem Raumschiff Shenzhou 10 über der Erde
Chinesische Raumstation Tiangong 1 mit angekoppeltem Raumschiff Shenzhou 10 über der Erde Bildrechte: IMAGO

Der Schock saß tief bei den USA und ihren westlichen Verbündeten, als es der Sowjetunion am 1. Oktober 1957 gelang, mit Sputnik den ersten Satelliten in einem stabilen Orbit um die Erde auszusetzen. Die UdSSR hatte damit das Raumfahrtzeitalter eröffnet und ihren technischen Vorsprung bewiesen. Mit Juri Gagarin beförderten sie kurz darauf den ersten Menschen ins All. Den USA gelang der erste bemannte Raumflug erst am 5. Mai 1961. Erst mit der Mondlandung gelang den Amerikanern am 20. Juli 1969 wieder eine echte Pionierleistung.

Die Zeiten, in denen NASA und ROSKOSMOS das All unter sich aufteilten, sind allerdings längst vorbei. China gelang bereits 1970 sein erster Transport eines Satelliten in den Orbit, Japan folgte kurz darauf. Indien brachte 1980 zum ersten Mal einen einen Satelliten ins All. Inzwischen haben insgesamt 13 Staaten, darunter Argentinien, Israel, Iran und Südkorea erfolgreiche Orbitalflüge unternommen.

China ist Nummer 3

Neben den USA, Russland und dem europäischen Verbund ESA haben inzwischen China, Japan und Indien die ambitioniertesten Raumfahrtprogramme. China gelang 2003 als drittes Land der Erde einen Menschen ins All zu bringen. 2011 startete der Betrieb einer ersten, kleinen Raumstation Tiangong 1. Tiangon 2 folgte 2016, ab 2022 soll eine große, modulare Station wie die ISS aufgebaut werden. Weit fortgeschritten ist auch das Mondprogramm, wie China mit der spektakulären Landung der Sonde Chang'e 4 auf der erdabgewandten Seite des Mondes am 3. Januar 2019 demonstrierte.

Die Europäer, unter denen zunächst Frankreich und England eigene Orbitalflüge starteten, haben sich inzwischen zur Europäischen Weltraumagentur ESA zusammengeschlossen. Die ESA beteiligt sich unter anderem am Betrieb und an der Forschung auf der Internationalen Raumstation. Die Agentur ist zudem der größte Kunde des Ariane-Konsortiums. Das ist ein Zusammenschluss europäischer Firmen, die die Ariane-Raketenserie bauen. Die Flüge der Ariane sind die bislang noch kommerziell erfolgreichsten Transportflüge ins All.

Japan beschäftigt sich nach verschiedenen erfolgreichen Orbitalflügen inzwischen vor allem mit der Möglichkeit, eine Art Aufzug zwischen Erdoberfläche und Orbit herzustellen. Der verrückt klingende Plan hat tatsächlich Chancen wahr zu werden. Die bei der Erdrotation entstehenden Fliehkräfte würden das obere Ende des Aufzugs im Weltall halten. Noch nicht erforscht sind hingegen die Materialien, die die gewaltigen Belastungen einer solchen Konstruktion aushalten würden. Auch in München forschen Studenten an einem Weltraumaufzug.

Immer mehr private Raumfahrtfirmen

Zu den staatlichen Akteuren gesellt sich inzwischen eine wachsende Zahl privater Raumfahrtunternehmen. Am bekanntesten davon ist sicher SpaceX, die Firma des Paypal-Gründers und Tesla-Chefs Elon Musk. Das 2002 gestartete Unternehmen schaffte als erster Raumfahrtakteur erfolgreich die Landung und anschließende Wiederverwertung seiner Rakete, der Falcon 9. Mit der Falcon Heavy betreibt SpaceX inzwischen die stärkste Rakete der Welt, die die größte Nutzlast ins All bringen kann. Mit ihr sollen eines Tages Touristen in den Weltraum gebracht oder Transportmissionen zum Mond unternommen weden.

Auch Blue Origin, gegründet von Amazon-Chef Jeff Bezos, hat mit New Shephard eine wiederverwendbare Rakete entwickelt, die Touristen an die Grenze zwischen Erdatmosphäre und All bringen soll. Das zweite Projekt, "New Glenn", soll eines Tages Transporte zu einer Mondbasis unternehmen und die Astronauten dort versorgen können.

Der Virgin Konzern von Multimilliardär Richard Branson hat verschiedene Tochterfirmen für Raumfahrt gegründet, darunter Virgin Galactic, Virgin Orbit und VOX Space. Die Unternehmen forschen an verschiedenen Systemen, die Orbitalflüge zwecks Transport und Weltraumtourismus unternehmen sollen.

Versorgungsflüge zur ISS sind unter anderem mit dem Raumgleiter Dream Chaser geplant, den die Sierra Nevada Corporation entwickelt hat. Das Unternehmen Rocket Lab aus Neuseeland startete 2018 erstmals erfolgreich mit der Rakete Electron in den Orbit.

Ziel: Bergbau im All

Ein anderes Ziel verfolgen Deep Space Industries und Planetary Ressources. Diese und weitere Firmen träumen von Bergbau im All. Sie wollen Rohstoffe auf Asteroiden oder auf dem Mond fördern. Auf dem Erdtrabanten lagen nach Schätzungen von Wissenschaftlern große Mengen von Helium-3. Das könnte beispielsweise ein idealer Brennstoff für Kernfusionsreaktoren sein. Eine vergleichsweise geringe Menge von 40 Tonnen könnte ausreichen, um den gesamten Energiebedarf der USA für ein Jahr zu decken.

In der europäischen Öffentlichkeit ist wenig bekannt, dass auch China die Gründung privater Raumfahrtunternehmen fördert. Dort haben sich inzwischen über 60 Unternehmen im Stil von SpaceX gegründet. Eines davon heißt LandSpace und versuchte im Oktober bei seiner ersten Mission einen Fernsehsatelliten in den Orbit zu bringen. Allerdings gab es ein technisches Problem bei der Zündung der dritten Raketenstufe, wodurch die Fracht am Ende auf die Erde zurück stürzte. Das Unternehmen wertete den Flug laut The Wired dennoch als Erfolg und will weiter arbeiten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. Februar 2018 | 08:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Januar 2019, 12:02 Uhr